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B(ENEFIT) CORP(ORATION)

Eine Unternehmensform, mit der Gemeinwohl und wirtschaftlicher Erfolg besser vereinbar gemacht werden soll.

Im NEOS Lab-Talk mit Marcello Palazzi (B Lab Europe), Doris Brandhuber (Less is more), Ernst Gugler (Gugler GmbH), Markus Sandmayr (Danone) und Matthias Strolz (NEOS) hinterfragt ein sehr aktives Publikum: Soziale Verantwortung oder Whitewashing?

Seit 2010 ist die B- Corp in vielen Bundesstaaten der USA als Unternehmensform anerkannt. Auch in Italien wurde B-Corp gerade als Rechtsform eingeführt. Hierzulande belegen zwar verschiedene Zertifikate oder Gütesiegel die soziale Verantwortung von Unternehmen, dennoch hinkt Österreich in diesem Bereich hinterher. Sind Österreichs Unternehmen nicht im 21. Jahrhundert angekommen?

Konsumieren & Gutes tun
Es sollte doch zeitgemäß und im Interesse aller sein, dass privatwirtschaftlicher Nutzen und soziale Verantwortung für Unternehmen untrennbar sind, denn Konsument_innen fordern den Mut zur regelmäßigen Prüfung der Gemeinnützigkeit und höhere Auflagen bei der Transparenz der Geschäftszahlen. B-Corp bietet mittlerweile in 121 Ländern nachhaltige Unternehmenszertifizierung nach ökologischen und sozialen Parametern. Rund 1.600 Unternehmen aus 41 Branchen sind bereits Teil des weltweiten Netzwerks von KMUs wie Less is More bis zu Multi-Konzernen wie Danone.
Wer sich dem Aufnahme-Assessment stellt, muss einen 200-Fragen-Katalog zu den Themen Governance (Transparenz, Führung, etc.), Workers (Bezahlung, Arbeitsumfeld, Arbeitsplatzwachstum, Community (Zulieferer, Lokalität, Diversität, Wohlfahrt, etc., Environment (Energieverbrauch, Wertschöpfungskette, etc.) und Business Model (Innovation, Zielgruppen, etc.) beantworten.

Pflicht & Kür
Die Teilnahme am Assessment ist kostenlos, ebenso wie Empfehlungen zur (laufenden) Verbesserung. Für die Zertifizierung wird eine Gebühr erhoben, die sich an der Unternehmensgröße orientiert und alle zwei Jahre wird „re-assessed“. Während die weitgehende Berücksichtigung aller Stakeholder-Interessen rechtlich bindend in die Unternehmensstatuten aufgenommen werden müssen, unterliegt die Einhaltung höherer Standards in den Bereichen Transparenz, Verantwortung und Leistungsfähigkeit der Freiwilligkeit –  Pflicht und Kür sozusagen.

B-Corp & Wissenschaft
Dieter Feierabend, Projektmanager für Enkelfitte Sozialsysteme im NEOS Lab, ist auf eine Meta-Studie gestoßen, in der die relevantesten wissenschaftlichen Studien zum Thema B-Corp zusammenfasst sind. Die wesentlichste Erkenntnis daraus: „Our review of the evidence-base suggests that social innovation is not undertaken in isolation by lone entrepreneurs, but rather it is shaped by a wide range of organisations and institutions which influence developments in certain areas in order to meet a social need or to promote social development.“ Genau deswegen benötigt es eine starke Partnerschaft zwischen Zivilgesellschaft, Unternehmen, aber auch progressive Kräfte in der Politik.

Übrigens, auch die Zertifizierungsfragen sind frei zugänglich. Die Durchfallquote liegt bei 95%, das stimmt bedenklich, gibt aber auch Hoffnung für die Zukunft, da man den Veränderungswillen in diesem Bereich ahnt. „We have a dream: that one day all companies will compete not only to be the best IN the world, but the best FOR the world”, so B-Corp.

 

Die Aufzeichnung der Veranstaltung hier im NEOS Lab-TV.