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Ist Politik (k)ein Berufsfeld?

Eine einfache Google-Suche verrät schon einiges. Sucht man „Was macht ein Politiker“ so erhält man 30.800.000 Ergebnisse. Die ersten Beiträge, die ausser Wikipedia angezeigt werden, lauten „Von Beruf Politiker: Ran an die Macht“, „Essay: Was ist ein guter Politiker?“,Ein guter Politiker erklärt, ohne zu verführen“. Nur der Beitrag der Oberlinschule Reutlingen stellt die Frage „Was macht eigentlich ein Politiker?“. Leider ist dies aber ein Veranstaltungsrückblick. Selbst auf der großartigen Website Whatchado findet man nur vereinzelt Videos von Politiker_innen (u.a. Matthias Strolz, Sebastian Kurz). Wie erfährt man also, als Interessierte_r Schüler_in, Studierende_r, etc., was der Beruf „Politiker_in“ beinhaltet?

Die BeSt feiert 2015 das 30-jährige Jubiläum. Wir gratulieren herzlich! Die Veranstalter_innen machen wirklich einen großartigen Job und schaffen einen echten Mehrwert für die Gesellschaft. Ziel dieser Bildungsmesse ist es, den Besucher_innen alle Informationen und umfassende Beratung zum Thema Beruf, Studium und Weiterbildung anzubieten. Etwa 1.000 Berater_innen aus unterschiedlichen Institutionen, Einrichtungen und Beratungsstellen informieren auch heuer wieder mehr als 80.000 Besucher_innen über Aus- und Weiterbildung. Aber von engagierten politischen Organisationen fehlt jede Spur.

Das NEOS Lab hat sich deshalb entschieden, auf dieser Bildungsmesse den Beruf Politiker_in vorzustellen. Einen Beruf, dem tausende Menschen in Österreich hauptberuflich und viele weitere Personen ehrenamtlich nachgehen. Auch sehen wir als Parteiakademie dies in unserem gesetzliche Auftrag, die staatsbürgerliche Bildung im Sinne der Grundsätze der Bundesverfassung, die politische und kulturelle Bildung sowie die Einsichten in politische, wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge auf innerstaatlicher und internationaler Ebene unmittelbar und in gemeinnütziger Weise zu fördern. Meiner Ansicht nach wäre dies zudem ein Beitrag, der Entfremdung der Bürger_innen von Politik im Allgemeinen und der herrschenden Po­li­tik­ver­dros­sen­heit entgegenzutreten.

Leider haben wir dazu von den Veranstalter_innen eine Absage erhalten. Denn aus ihrer Sicht haben weder politische Parteien, noch Parteiakademien auf der Messe das Recht, den Beruf „Politiker_in“ vorzustellen. Auf die Frage, ob Politik denn kein Berufsfeld sei, twitterte Johannes Kopf, Mitglied des Vorstands des AMS Österreich:

 

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Natürlich hat mich dann sofort interessiert, nach welchen Kriterien dies beurteilt wird. Darauf antwortete Johannes Kopf:

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Aber meiner Meinung nach ist genau das der falsche Zugang. Gerade weil dieser Beruf, genauso wie alle anderen Berufe, einen Teil zu einer funktionierenden Gesellschaft beiträgt, sollte es auch möglich sein, diesen auf einer Bildungsmesse vorzustellen.

Ich möchte nicht, dass das NEOS Lab hier Exklusivrechte bekommt – ganz im Gegenteil. Ich möchte einen Schulterschluss der Parteiakademien initiieren, sodass diese – abseits des Wahlkampfgeplänkels und der politischen (oft unterschiedlichen) Ansichten – das Berufsfeld „Politiker_in“ jungen Menschen näher bringen. Ich stimme Herrn Kopf zu, dass es dafür keine notwendige Ausbildung gibt und ein breites Spektrum wünschenswert wäre. Ich stimme ihm aber nicht zu, dass diese Vielfalt ohne ein klares Bild vom Beruf „Politiker_in“ möglich ist.

Junge Menschen für Politik zu begeistern sehe ich als Mitarbeiter einer Parteiakademie als meine Aufgabe an. Alle Parteiakademien (das Renner Institut, die PolAk, die Grüne Bildungswerkstatt, das Freiheitliche Bildungsinstitut, das NEOS Lab, sowie die Team Stronach Akademie) sollten sich hier zusammenschließen und gemeinsam bei der nächsten BeSt auftreten. Und nicht nur weil es richtig, sondern auch wichtig ist!