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Österreich braucht Ökosysteme der Bildungsinnovation

09.02.2015 Josef Lentsch

Am Freitag war ich in London zu Gast bei ARK Schools, einem der erfolgreichsten Träger autonomer Schulen in Großbritannien. Die Mission von ARK ist die Verbesserung der Chancengerechtigkeit für junge Menschen: eine Mission, die in mittlerweile 31 Schulen nachweislich effektiv verwirklicht wird. 7 weitere Schulen sollen bis 2016 dazu kommen. Es war toll, so viele enthusiastische Lehrer_innen und bildungsbegeisterte junge Menschen zu erleben.

Lustvoller Biotop der Bildungsinnovation

Was mich aber am meisten fasziniert hat war, mit wie vielen anderen Organisationen ARK sich die beiden Stockwerke voller moderner Großraumbüros teilt. Mehr als 100 Menschen arbeiten insgesamt dort. Da ist Teach for All, die sich der Verbesserung globaler Chancengerechtigkeit durch Bildung verschrieben haben. Da ist Frontline, ein Programm das die besten Köpfe in die Sozialarbeit bringen will. Da ist der Future Leaders Trust – ein Entwicklungsprogramm für zukünftige Schulleiter_innen. Und noch andere mehr. Es war ein richtiger Bildungs-„Hub“, ein lebhafter und lustvoller Biotop der Bildungsinnovation.

frontline

Aus der Forschung wissen wir dass solche Ideen-Biotope besonders effektiv darin sind gegenseitige Inspiration und Ideenbefruchtung zu ermöglichen, und beide sind Triebfedern der Innovation. Kreativität braucht den Zufall, die richtige Gelegenheit, den Tratsch an der Kaffeemaschine von Menschen, die von denselben Werten geleitet sind. Aber ein Biotop ist zu wenig. Es braucht eine Vielzahl davon, um ein ganzes Ökosystem der Innovation zu bilden.

Sektorenübergreifende Plattformen mit echten Champions

Ins Leben gerufen wurden alle diese Initiativen von Plattformen, die von der Zivilgesellschaft (etwa in der Form von gemeinnützigen Stiftungen), der Akademia, dem Privatsektor und der Politik gleichermaßen getragen waren. In allen diesen Sphären brauchte es „Champions“, Menschen die an die Idee glaubten und sich wirklich für sie einsetzten.

Die britische Regierung unterstützt die Programme mit Investments und Finanzierungen auf dreifacher Ebene:

  • (Co-)Finanzierung von Inkubatoren, die solche Programm hervorbringen, zum Beispiel NESTA, dem National Endowment for Science, Technology and the Arts
  • Infrastruktur, etwa Büroräumlichkeiten
  • Unterstützung der operativen Kosten der Programme

Vom Brachland zum fruchtbaren Nährboden?

In Österreich gibt es bereits bildungsinnovative Organisationen wie Teach for Austria oder ThreeCoins, und Biotope wie den Impact Hub Vienna, die in eben diese Richtung arbeiten. Aber es braucht hier eine viel größere gemeinsame Anstrengung.

Von den €3.5 Milliarden jährlich, die im Rahmen einer NEOS Steuerreform für Bildung zur Verfügung stünden, könnte ein Teil in die Schaffung solcher Programme, und solcher sozialunternehmerischer Zentren für Bildungsinnovation fließen. Dann wird es wirklich möglich, in Österreich aus dem Brachland Bildung einen fruchtbaren Nährboden zu machen.

  • Alexandra Cruz

    Aber der Finanzminister ist nicht korrekt, immer heisst es Steuerreform, obwohl wir 1 Mrd. € Überschuss! haben!