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# Wie Bürokratie die Schulen lähmt

**Die Bildungsinitiative Talente blühen! hat rund 700 Lehrer:innen in ganz Österreich zu den großen Belastungen im Bildungssystem befragt. Die Antworten liefern ein klares Bild: Mit weniger Bürokratie und mehr Unterstützungspersonal wäre es für viele Lehrerinnen und Lehrer leichter, jedem Kind die Flügel zu heben.**

1. September 2023

[Bildung](https://lab.neos.eu/themen/bildung)

[Schule](https://lab.neos.eu/themen/schule)

![iStock-592015430-5103x2871](https://www.neos.eu/_Resources/Persistent/702f3088efe2d577da7333786d1007774401e6a8/iStock-592015430-5103x2871-1600x900.jpg)

Zu viel Bürokratie, zu wenig Unterstützungspersonal, zu viele Verordnungen. So lässt sich die Lehrerbefragung der Bildungsinitiative **Talente blühen!** zusammenfassen. Diese wollte wissen, was die Lehrer:innen zu den aktuellen Herausforderungen im Bildungssystem zu sagen haben. Wo im Schulsystem verstecken sich die wahren Belastungen und sinnlose Bürokratie? Wie ist es um die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer, deren Veränderungswünsche, Gestaltungsspielräume und Autonomie, das Schulverwaltungssystem, die Digitalisierung sowie die Anstellungsverhältnisse wirklich bestellt? Wo im Schulsystem liegen die tatsächlichen Stressfaktoren für Pädagog:innen begraben? Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Peter Hajek Public Opinion Strategies wurden rund 700 Lehrer:innen in ganz Österreich befragt. Die Ergebnisse haben auch [medial einigen Staub aufgewirbelt](https://www.derstandard.at/story/3000000184128/nur-ein-drittel-der-lehrenden-in-oesterreich-ist-im-job-zufrieden).

**Zufriedenheit und Veränderungswünsche**

93 Prozent aller Lehrer:innen sind der Meinung, dass sich im Schulsystem etwas verändern muss, um ihren Arbeitsalltag zu erleichtern. In den Pflichtschulen (MS und VS) sind diese Werte besonders hoch (98 % und 96 %), aber auch 95 Prozent der AHS-Lehrer:innen sind dieser Ansicht. Am niedrigsten ist dieser Wert (83 %) bei Befragten an Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS). Diese ausgeprägten Veränderungswünsche passen auch zur sinkenden Zufriedenheit der Lehrerpersonen mit den Arbeitsbedingungen.

[Sinkende Zufriedenheit unter Lehrer:innen](https://datawrapper.dwcdn.net/YqFNy/9/)

**Verwaltungsaufwand und Bürokratie sind die großen Qualitätskiller**

Befragt nach Möglichkeiten, ihren Arbeitsalltag zu erleichtern, geben mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) eine Reduktion von Bürokratie und Verwaltungsaufwand als große Verbesserung an. Unterstützungspersonal, das die Lehrer:innen als besonders hilfreich empfinden, bezieht sich jedoch nicht allein auf administrative Tätigkeiten. Tatsächlich – und besonders ausgeprägt in den Volksschulen – sind 18 Prozent der Lehrerkräfte der Meinung, dass mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiterinnen ihren Arbeitsalltag wesentlich erleichtern würden.

[Was sollte verändert werden?](https://datawrapper.dwcdn.net/MsfwH/3/)

**Was man dagegen tun kann**

Dass es im Bildungssystem viele Baustellen gibt, ist keine Neuigkeit. Mit der laufenden Pensionierungswelle und der sich verschärfenden Personalknappheit im Bildungswesen werden große Würfe jedoch immer unwahrscheinlicher, da schon der Regelbetrieb immer schwieriger wird. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann hierbei jedoch einen Beitrag leisten, um den Beruf attraktiver und das Schulsystem besser zu machen. Die vier großen Handlungsempfehlungen von Talente blühen! lauten daher:

**1. Bürokratie abbauen und Unterstützungspersonal ausbauen**

Eine große Mehrheit aller Lehrerinnen und Lehrer erlebt den Verwaltungsaufwand als große Belastung und den Verwaltungsapparat als aufgebläht und ineffizient. Das wirkt sich auf die Arbeitszufriedenheit und damit die Arbeitsqualität aus, da Administration und Dokumentation auf Kosten der pädagogischen Arbeit gehen. Neben einer Reduktion des Verwaltungs- und Dokumentationsbedarfs könnte hier ein Ausbau an Unterstützungskräften positiv wirken. Während die EU-Länder, die bei internationalen Studien gute Ergebnisse erzielen, eine größere Zahl an beschäftigten Schulpsychologinnen, Sozialarbeitern und administrativen Kräften vorweisen – und somit die Lehrerkräfte entlasten –, gibt es in Österreich keine ausreichende Deckung dieses Bedarfs durch entsprechende Fachkräfte. Am Beispiel Schulpsychologie wird dieser Mangel ganz besonders deutlich. In Österreich kommt auf 7.000 Schülerinnen und Schüler nur ein:e Schulpsycholog:in.

Darüber hinaus machen gute Arbeitsbedingungen den Beruf insgesamt attraktiver, was einen Beitrag im Kampf gegen den Lehrkräftemangel leisten könnte.

**2. Schulautonomie ausbauen**

Zwei Drittel aller Lehrer:innen sind der Meinung, dass es zu viele Verordnungen, Erlässe und Regelungen und zu wenig Zeit für die eigentlichen pädagogischen Aufgaben gibt. Fast Zwei Drittel stehen auch einem Globalbudget, über das jede Schule frei verfügen kann, positiv gegenüber. Dadurch wird deutlich: Die Lehrer:innen wären durchaus offen für mehr schulische Autonomie. Die Beispiele Estland und Finnland zeigen, dass sich Schulautonomie sehr positiv auf die Leistungen der Schüler:innen auswirken und auch von den Lehrerinnen und Lehrern als positiv und wertschätzend empfunden werden kann. Darüber hinaus legen OECD-Zahlen einen positiven Zusammenhang zwischen Autonomie der Schulleitung und den Ergebnissen der Schüler:innen nahe, jedenfalls in den MINT-Fächern.

**3. Schluss mit der Stundenplanwirtschaft**

Auch einer schulautonomen Gestaltung der Lehrpläne steht etwa die Hälfte aller Lehrerpersonen positiv gegenüber. Die Lehrplanreform 2023 wurde vielfach auch als „überfrachtet“ und „teilweise unleserlich“ kritisiert. Ein Problem bei „überfrachteten“ Lehrplänen ist aber nicht nur, dass deren Interpretation erschwert wird. Auch deren Einhaltung ist aufgrund dessen nicht immer garantiert. Eine inhaltliche Straffung, die klarere Ziele, aber weniger Kleinteiligkeit zum Ergebnis hat, kann sich jedoch auch in besseren Ergebnissen niederschlagen. Im PISA-Gewinner-Land Singapur firmiert dieses Prinzip unter dem Slogan „Teach less, learn more“. Eine solche wäre auch ein Zeichen des Vertrauens in die Professionalität der Pädagog:innen.

**4. Karrierepfade im Lehrer:innenberuf ermöglichen**

In anderen Ländern ermöglicht die Lehramtsausbildung – je nach Schwerpunktsetzung im Studium bzw. zusätzlicher Qualifikation – Karrierepfade, die über pädagogische Leitungsfunktionen, Fachbereichsleitungen und Schulleitungen in den höheren Verwaltungsdienst führen können. Angesichts der Dynamisierung des Arbeitsmarkts kann daher auch eine Diversifizierung von Lehrer:innenkarrieren zu einer Attraktivierung des Berufs und zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen. Da der laufenden Pensionierungswelle aber zu wenige Studienanfänger:innen gegenüberstehen, scheint es geboten, das Lehramt an heutige Karrierebedürfnisse anzupassen.

Den gesamten Policy Brief zur Lehrer:innenbefragung findet ihr [hier](https://www.talentebluehen.at/projekte/warum-die-schule-den-kindern-nicht-die-fluegel-hebt/).

Bild: ([gremlin/iStock](https://www.istockphoto.com/de/foto/%C3%BCberlasteter-b%C3%BCroangestellter-b%C3%BCrokratie-archive-gm592015430-101680175?phrase=b%C3%BCrokratie+verzweiflung))

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