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Fünf Buchempfehlungen für Weihnachten

06.12.2016 Josef Lentsch

Du suchst noch nach Tipps für Geschenke, oder für Lesestoff über die Feiertage? Hier sind fünf von mir, nicht alle davon neu, aber alle aktuell:

mueller

Was ist Populismus?, von Jan-Werner Müller

„Populismus“ ist zum Allerweltsbegriff für politische Demagogie von links bis rechts geworden. Wer aber nur über einen Hammer verfügt, sieht in jedem Problem einen Nagel – und je öfter der Begriff in die Debatte geschmissen wird, desto weniger sagt er aus. Der in Princeton und Wien am IWM forschende Politikwissenschafter Jan-Werner Müller hat sich in seinem kurzen und knackigen Essay daher die wichtige Aufgabe gestellt, den Begriff abzugrenzen und ihn vom Ballast der Projektion zu befreien. Seitdem schreibt Müller fast täglich Gastbeiträge zum Thema in den internationalen Medien (hier etwa in der FAZ) – und wer ihn persönlich in Wien erleben möchte, kann das am 9.1. im NEOS Lab tun.

garton ash

Redefreiheit, von Timothy Garton Ash

Wie frei soll die Rede sein – und wie soll die freie Rede sein? Garton Ash, ein liberaler Universalgelehrter, verteidigt die Redefreiheit in seinem dicken aber leicht zu lesendem Wälzer als Mutter aller Freiheiten. Er formuliert „zehn Gebote“ für die vernetzte Welt, und spricht seinen Mitmenschen das Recht auf beleidigt sein ab. Gleichzeitig hält er fest, dass es sehr wohl Grenzen der Redefreiheit gibt, die Gesetze aber nicht genügend regeln können. Damit liegt es an uns, eine Kultur der Redefreiheit zu verteidigen. Für Ungeduldige findet sich eine Zusammenfassung etwa hier, ebenfalls besuchenswert ist die dem Buch zugrunde liegende Online Plattform Freespeechdebate.com.

popper

Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, von Karl Popper

Poppers Klassiker, begonnen am Tag von Hitlers Einmarsch in Österreich und erschienen 1945, ist heute aktueller denn je. In Zeiten wo liberale Demokratien weltweit unter Druck sind, lohnt die Lektüre von Poppers Hauptwerk, das er mit der klaren Sicht des gerade vergangenen Schreckens aus der Distanz in Neuseeland schrieb. Darin wendet er sich gegen jeden Totalitarismus von links und rechts. Zu allen Zeiten sei es wichtig, für Freiheit zu kämpfen, denn ohne Freiheit ist alles nichts. Für alle, die sich die Freiheit nehmen wollen, nicht das ganze Werk zu lesen, hier zwei gute Zusammenfassungen in der FAZ und der Zeit.

mazzucato

Das Kapital des Staates, von Mariana Mazzucato

Heuer auf Deutsch erschienen ist Mariana Mazzucato’s „The entrepreneurial state“, das in der Übersetzung verwirrenderweise „Das Kapital des Staates“ heißt. Das ist nicht das einzige Missverständnis rund um das Buch, das Bundeskanzler Christian Kern „spannend wie einen Krimi“ findet. Wer Kern’s wirtschaftspolitische Ideen verstehen will, dem sei dieses Buch empfohlen – gerade weil viele der Ideen auf Österreich und Kontinentaleuropa so nicht anwendbar sind (meinen Blog dazu gibt es hier).

berlin

Berlin – Imagine a city, von Rory Maclean

Und weil das Leben nicht nur aus Politik, Philosophie und Wirtschaft besteht: Noch nicht auf Deutsch erschienen ist Rory Macleans in Buchstaben gegossene Ode an Berlin, dessen Historie er anhand von biografischen Kurzgeschichten tatsächlicher und erfundener Charaktere beschreibt. Das kommt manchmal etwas gar schwülstig daher, ergibt insgesamt aber für bekennende Berlin Fans wie mich das faszinierende Bild einer Stadt, die sich immer wieder selbst zerstört und neu erfunden hat – oder, wie Willy Brandt sagte, einer Stadt die „nie ist, immer wird“. Aufgrund der Kürze der einzelnen Geschichten ist das Buch auch gut als literarischer Feiertagssnack für zwischendurch zu empfehlen.