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Das (bald neue) NEOS Lab – ein ursprünglicher, geheimnisvoller Wald?

Das Leitbild des NEOS Labs, einen Raum für kritisches Denken, für selbstbestimmtes Lernen und für einen offenen Diskurs über politische Inhalte, Strukturen und Anforderungen im 21. Jahrhundert zu schaffen, beinhaltet für mich nicht nur einen visionäre Vorstellung, sondern auch eine Herausforderungen in architektonischer Hinsicht. Es muss Aufgabe des Labs sein, diesen „Raum“ auch in der Realität zu schaffen. Doch dies stellt alle, vom Architekten bis zu den Mitarbeiter_innen, vor große Herausforderungen. Eines muss klar sein: „Raum schaffen“ ist nicht gleich die Schaffung offener Räume. Doch wenngleich bereits 70% aller Büros das open-space Konzept verfolgen, ist die Vorstellung, dass offene Räumlichkeiten des Rätsels Lösung sind, aus meiner Sicht längst überholt.

Bis vor einigen Jahrzehnten galten die klassischen Zellbüros als das state-of-the-art. Doch nachdem sich nicht nur die Arbeitsweise geändert hat, sondern auch der Ruf nach gesteigerter Kommunikation innerhalb von Abteilungen laut geworden war, entschieden sich Unternehmen vermehrt auf Großraumbüros zu setzen. Doch Studien zufolge bringen auch diese Konzepte nicht die gewünschten Effekte. Denn auch hier kommunizierten Mitarbeiter_innen kaum länger miteinander als ihre Kollegen in klassischen Zellenbüros. Zudem zeigten Anne-Laure Fayard and John Weeks im Harvard Business Review, dass Großraumbüros besonders spontane tiefe Gespräche verhindern. Dabei spielt vor allem die fehlende Privatsphäre eine große Rolle. Zusätzlich, so Susan Cain von der New York Times, verunsichern Großraumbüros die Angestellten und lenken diese von der Arbeit ab. Diese Verunsicherung ist wahrscheinlich auch einer der Hauptgründe dafür, dass Mitarbeiter_innen in Großraumbüros mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an hohem Blutdruck, Stress, Grippe und Erschöpfung zu erkranken. Die großen Hoffnungen einer gesteigerten Kooperation und Kommunikation konnten also durch diese Form von Büros nicht erfüllt werden.

So entwickelten sich in den letzten Jahren unterschiedliche Konzepte den Arbeitsplatz der neuen Art des Arbeitens anzupassen. Von Team-Space-Konzepte, bis hin zu Hotelling-Konzepten; alle neuen Formen warben mit der Überzeugung der effizienteren und effektiveren Arbeit und einer gesteigerten Kommunikation.

Doch ist es wirklich eine Mehr an Kommunikation, das in der Zeit der New Work Gesellschaft gebraucht wird? Sehen wir uns beispielsweise eine Studie des Consulting Unternehmens Gensler genauer an: Das dringlichste Bedürfnis im Büroalltag ist heute nicht mehr jenes nach mehr Austausch, sondern nach mehr Ruhe. Des Weiteren folgert Gensler, dass alle Bürokonzepte, die die klassischen Arbeitsplätze für eine größere Kollaboration und Kommunikation opfern, nicht das anvisierte Ziel erreichen. Schlimmer noch, wenn die in den Augen der Mitarbeiter_innen wichtigste Tätigkeit nicht gefördert wird, führt das zwangsläufig zur Demotivierung. Welches Raumkonzept für eine Organisation geeignet ist, hat aber auch mit den Persönlichkeitseigenschaften der Mitarbeiter_innen zu tun. Ist für extrovertierte Persönlichkeiten vielleicht die offene Büroform ideal, so stellt diese introvertierte Mitarbeiter, und das sind immerhin 25% der Gesellschaft, vor eine immense Herausforderung.

Somit zeigt sich, dass Raum schaffen nicht nur bedeutet, Menschen zusammenzubringen und eine gesteigerten Kommunikation und Kollaboration zu ermöglichen, sondern genauso genügend Privatsphäre zu schaffen, sodass die Individuen nicht Gefahr laufen, sich gestört zu fühlen. Denn die besten bzw. kreativsten Ideen entstehen nicht unbedingt in belebten Umgebungen.

Es muss also bei der Konzeption, Planung und Umsetzung des neuen NEOS Lab auch das Bedürfnis nach Ruhe und Konzentration bedacht werden. Dass es sehr schwierig ist, diesen idealen „Raum“ zu schaffen, ist klar. Dennoch ist es die Aufgabe aller Beteiligten dem nahe zu kommen. Als Startpunkt könnte man sich zum Beispiel an Erwan Bouroullec, Büromobiliar-Designer, orientieren: „Ein gutes Büro müssen Sie sich wie einen ursprünglichen, geheimnisvollen Wald vorstellen. Da erwarten Sie offene Lichtungen und undurchdringliches Dickicht, es gibt Büsche und Bäche, moosige Niederungen und sogar abgeschiedene Ecken, in denen man verschwinden kann, wenn man Ruhe braucht“.

  • wolfgang schirmer

    Ach Gott! So ein schwacher Beitrag!
    Google und Microsoft haben es vorgemacht!
    Alles nachplappern ist nicht Zielführend! Großraumbüros sind seit den 70/80 Jahren out!
    Profilieren auf Kosten anderer ist immer einfach. Neue Ideen sind gefragt!
    Flexible Arbeitszeit, Homeworking,Mobile working ist angesagt. Mitarbeiter die diesen Regeln nicht folgen und keine Leistung bringen und das System ausnutzen wollen gibt es immer auch in Großraumbüros. Wenn sich ein Mitarbeiter gefordert und wichtig genommen fühlt und gehört wird bekommt man das beste Ergebnis.

    • NEOSLab

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      vielen Dank für Ihre Nachricht! Wir bemühen uns um eine rasche Beantwortung Ihrer Anfrage.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr NEOS Lab

      NEOS Lab – Das liberale Forum
      NEOSphäre, Neustiftgasse 73-75, 1070 Wien
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      http://www.lab.neos.eu
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