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Demokratie unternehmerisch denken

Wie ich in meinem Blog „Kinder an die Macht“ schon erläutert habe, gibt die UN Kinderrechtskonvention vor, dass jedes Kind über politische Rechte verfügt und die Interessen von Kindern gewahrt werden müssen. Zudem zeigt ein Blick auf die Al­ters­py­ra­mi­de, dass Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit auch bedeutet, Kinder und Jugendlichen po­li­ti­sche Be­tei­li­gung zu ermöglichen. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Stadt Basel, die Kinder in die Politik und Stadtentwicklung miteinbezieht.

Bür­ger_in­nen­haus­hal­te sind bekanntlich evo­lu­tio­nä­re Pro­zes­se, bei denen die Bür­ger_in­nen und deren Wahr­neh­mun­gen, An­lie­gen, etc. im Mit­tel­punkt ste­hen. Bisher habe ich nur davon gelesen, dass Bürger_innenhaushalte eine großartige Möglichkeit sind, beispielsweise vor­herr­schen­den Be­din­gun­gen zu ver­än­dern, Re­for­men vor­an­zu­trei­ben, die Ver­wal­tung zu mo­der­ni­sie­ren, die Le­bens­um­stän­de von be­nach­tei­lig­ten Grup­pen in der Ge­sell­schaft zu ver­bes­sern und neue Ideen für die Stadtentwicklung zu generieren.

Aber am Beispiel der Stadt Boston sieht man, dass Bürger_innenhaushalte auch dazu dienen können, das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen zu fördern. Die Idee dahinter ist, dass sich junge Menschen im Rahmen eines Bürger_innenhaushalts dahingehend einbringen können, direkt zu entscheiden wie 1 Million US-Dollar aus dem Stadtbudget verwendet werden sollen. Ziel ist es, durch diesen Prozess die jungen Einwohner Bostons zu animieren, Projekte zu konzipieren – inklusive der Abwägung von Vor- und Nachteilen für die anderen Bewohner_innen ihrer Stadt – wie sie ihr Lebensumfeld verbessern können.

Dieses Beispiel führt mich in eine neue Denkrichtung. Ich nenne es – frei aus dem Englischen übersetzt – die „Unternehmerische Demokratie“. Der Grundgedanke dabei ist es, dass, um beim bereits verwendeten Beispiel zu bleiben, junge Menschen zwar durch die Entscheidungen der Stadt beeinflusst werden, diese aber nicht – zumindest nicht durch die politischen Strukturen – beeinflussen können. Daraus ergibt sich also eine Diskrepanz zwischen dem Willen der Entscheider und dem der Bewohner_innen der Stadt. Und diese Lücke kann unternehmerisch gelöst werden. Es kann also beispielsweise jemand sagen „Junge Menschen werden in Boston nicht gehört. Ich will das ändern. Und ja, ich habe eine Idee, wie man dieses Problem ändern könnte. Ich werde dafür lobbyieren, dass der/die Bürgermeister_in sich dafür entscheidet, einen Budgetposten für die Wünsche und Anliegen junger Menschen in dieser Stadt zu reservieren.“ Im Kern geht der „Unternehmerischen Demokratie“ es also darum, dass auch unsere demokratischen Strukturen unternehmerische Aktivität erlauben. So wie in anderen Bereichen der Marktwirtschaft stellen sich für Bürger_innen Probleme dar, die unternehmerisch gelöst werden können. Und auch hier können Start-Ups bzw. Unternehmen erfolgreich sein, die diese Probleme lösen.

In anderen Ländern gibt es schon großartige Ansätze und Ideen, mitunter in den USA und in Brasilien. Warum soll das also nicht in Österreich möglich sein?