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Die Frackingdebatte in den USA

Am 4. November finden die ″midterm elections″ in den USA statt. Ein wichtiges Thema in einigen Städten und Gemeinden in Texas ist und bleibt die Frage nach der Zukunft des Frackings, einer Methode, bei welcher Risse im Gestein erzeugt und unter hohem Druck eine Flüssigkeit in den tiefen Untergrund gepumpt wird, um darin befindliche Gase oder Flüssigkeiten leichter gewinnen zu können.

In der vergangenen Woche habe ich hier in Dallas ein Unternehmen besucht, welches an Fracking beteiligt ist. Ebenso hatte ich die Gelegenheit, die Denton Drilling Awareness Group kennenzulernen, die von der Stadtregierung ins Leben gerufen wurde. Die Gruppe wurde gegründet um Evidenz über die Risiken und Chancen des Frackings in Denton herzustellen und die Stadtregierung mit validem Wissen zu beliefern. Das Problem in Denton sei neben erwiesener Umwelt- und Gesundheitsschäden ein veraltetes Gesetz, nach welchem bei Fracking eine Distanz von 61 Metern zu Wohnhäusern oder auch Schulen eingehalten werden muss. In Denton befinden sich in der Tat zahlreiche Fracking Sites inmitten von Wohngebieten, was auf den ersten Blick schlicht befremdlich wirkt. Der CEO des Unternehmens, das ich besichtigt habe, sei stolz darauf, in der Nähe jener Stellen zu wohnen, die so zukunftsweisend für Texas seien.

„We are big energy consumers“ meinte er, weswegen jede Form des Energiegewinnens willkommen sei, insbesondere, um die lang ersehnte Energieunabhängigkeit der USA herstellen zu können. Die USA konsumieren 20% der weltweit verbrauchten Energie: rund zwei Drittel fossile Energie, rund ein Fünftel Nuklearenergie, und der Rest erneuerbare Energien. Der CEO wird nicht müde, die Umweltbelastungen durch Solarpanele und Windräder aufzuzeigen. Wissenschaftliche Berater des Unternehmens schätzen, dass die Vorkommen an Schiefergas in und um Dallas mindestens für die nächsten 100 Jahre ausreichen. „This makes the company very happy“, so der CEO. Zu Recht?

Die Gewinne aus dem Fracking in Denton gehen zu drei Viertel an die Unternehmen, zu etwa einem Viertel an die Besitzer_innen der „Mineralrechte“ (mineral rights, also Rechte an im Boden befindlichen Ressourcen, im Gegensatz zu Standortrechten) und zu einem kleinem Prozentsatz an die Stadt, an etwa 20 wohlhabende Familien und an lokale Schulen. Insgesamt machen die Anteile von Fracking in Denton 0,2% des BIP aus. 0,5% der Steuereinnahmen kommen vom Fracking und der Anteil am Erwerbspersonenpotenzial liegt bei 0,25%.

Die Vorkommen sind seit 1947 bekannt. Seit Ende der 1990er wird gebohrt. Es sind technische Gründe, die die Unternehmen davon abgehalten haben, früher zu bohren. Der Druck, mit welchem das mit Zusatzstoffen versehene Wasser in den Untergrund gepumpt wird, hat die Rohre immer wieder platzen lassen und somit das Grundwasser gefährdet. Nun sei die Technologie sicher. Das Gas werde so weit unter der Erde gewonnen, dass es das Grundwasser nicht gefährden könne. Fracking sei der Weg in die Energieunabhängigkeit. Dabei verschweigt der CEO nicht, dass die Einnahmen in den letzten 2 Jahren gesunken seien und sich das Geschäft derzeit eigentlich nicht mehr rentiere. Ob in den nächsten 2-3 Jahren an den existierenden Bohrstellen weiter „gefrackt“ werde ist nicht sicher. Möglich wäre es, da sich bis dahin wieder genügend Gas zum Abpumpen im Schiefer gesammelt hat. Der Prozess könne 3-4 Mal wiederholt werden. Die Ressourcenerträge jedoch sänken beständig.

Der Blick auf die Landkarte Dentons und darin markierte Schiefergasvorkommen zeigt es deutlich: Ein großer Teil des Stadtgebietes liegt auf Schiefergasvorkommen. Immer mehr Bewohner_innen fürchten um ihren Wohnraum und sprechen sich für ein Verbot von Fracking in Denton aus. Seit Monaten werden Unterschriften gesammelt. Es werden Anti-Facking Kampagnen geführt, um bei den Wahlen am nächsten Dienstag ein Verbot von Fracking in Denton zu erlangen. In anderen US Städten gibt es bereits Verbote, wie etwa in Pittsburgh oder Longmont. New York State ermöglicht es Städten ein Fracking-Verbot zu erlassen. Den Unternehmen steht allerdings ein Klagerecht zur Verfügung.

Die Gruppe, die die Kampagne „Frack Free Denton“ ins Leben gerufen hat, wird von einigen als Vaterlandsverräter bezeichnet und einzelnen Mitgliedern wird ein Naheverhältnis zu Russland unterstellt. Die Wahl am 4. November wird zeigen, wie es mit Fracking in Denton weitergeht.