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Die Inseln auf der Bildungslandkarte werden größer

29.06.2016 Hannes Sokopp

Im Rahmen der Bildungsinitiative „Talente blühen!“ waren wir das letzte halbe Jahr auf der „Tour der Talente“ durch die Bundesländer. Mit der letzten Station in Eisenstadt, haben wir unsere Bildungsreise erfolgreich zu Ende gebracht. Wir waren in allen Bundesländern unterwegs, haben dort unterschiedlichste Schulen und Projekte besichtigt und abends jeweils Diskussionsveranstaltungen ausgerichtet.

Wir sind dadurch mit Betroffenen, Eltern, Schüler_innen und Lehrer_innen vor Ort in den Austausch gekommen und konnten großartige Eindrücke sammeln, Themen vertiefen und Kontakte zu Betroffenen und Stakeholdern knüpfen.
Nach einem halben Jahr unterwegs durch das österreichische Bildungssystem nehme ich zwei prägnante Eindrücke mit:

  1. Das Misstrauen auf das System sitzt tief, sehr tief. Die parteipolitischen Verstrickungen und Vorbehalte sind lähmend. Das zeigte sich bei vielen Gelegenheiten: Einladungen zu Diskussionen wurden abgelehnt, aus Sorge, durch eine Zusage mit Sanktionen rechnen zu müssen. Erwachsenen Menschen wollten nur mit dem Segen ihrer Behörde an einer Veranstaltung (in ihrer Freizeit)  teilnehmen. Hier wird die Angst und Verunsicherung im System schmerzlich spürbar.
  1. Und trotzdem: Vielerorts finden sich bereits großartige Projekte und Initiativen, die von beherzten und engagierten Eltern, Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern getragen sind. Dort wächst und gedeiht die „Bildungswende von unten“ – wir werden diesen Prozess auch weiterhin befeuern. Unser Ziel ist, diese Inseln des Neuen zu vernetzen und möglichst viel davon im Regelschulwesen in die Breite zu bringen. Dem Schulsystem die Flügel heben!“

Das kurze Fazit der Tour damit aus meiner Sicht: Die Pädagoginnen, Pädagogen und Schulleitungen vor Ort brauchen mehr Freiheiten, um auch in die Verantwortung gehen zu können. Denn in den Schulen sind SIE die Profis und wissen, was ihre Schülerinnen und Schüler brauchen, um ihre Talente in die Entfaltung zu bringen. Dieses Selbstverständnis müssen wir erweitern etablieren und fördern. Das muss ihnen aber auch von der Politik und der zuständigen Behörde signalisiert werden. Mehr noch: Es ist Aufgabe der Politik die Pädagoginnen und Pädagogen dazu zu ermutigen und dabei zu unterstützen in die Verantwortung zu gehen.

Über die Initiative:
Die von Matthias Strolz gegründete Bildungsinitiative„Talente blühen!“ behandelt das Bildungsthema überparteilich – bewusst  jenseits der Parteigrenzen – für pragmatische und lösungsorientierte Ansätze. „Talente blühen!“ hat 35  Expert_innen aus Theorie und Praxis sowie Betroffene und Gestalter_innen des Schulwesens, Lehrer_innen, Schulleiter_innen, Schüler_innen, Eltern und Vertreter_innen von Bildungsinitiativen sowie Fachleute aus Bildungswissenschaft, Organisationsentwicklung und anderen Disziplinen zu Wort gebeten. Mit ihren Beiträgen konnte das Buntbuch Bildung entstehen: „Die mündige Schule“, damit wird ein neues Konzept und eine neue Herangehensweise für Schul- und Bildungspolitik vorgelegt. Unter den Autoren sind Hannes Androsch, Erhard Busek, Harald Walser, u.v.m. Details und Buchbestellung unter www.talentebluehen.at