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Die Tücken der Kommunikation

09.12.2016 estherf

Esther Unterhofer, Teilnehmerin am Promoteeprogramm 2016, studierte unter anderem Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und arbeitet im NEOS Lab im Bereich Daten- und Contentmanagement. Hier nimmt sie die Tücken der Kommunikation unter die Lupe.

Jede_r meint „es“ ohnehin zu machen und zu können, weil ja jeden Tag betrieben: Kommunikation. Doch was ist das eigentlich? Simples Geplapper, Smalltalk, oder tiefgründige Unterhaltung? Wo ist der Unterschied? Nur wer redet, kommuniziert noch lange nicht.

In der Fachliteratur versteht man Kommunikation als kommunikativ aufeinander abgestimmtes Handeln, bei dem zwischen den Akteuren ein Minimum an Kohärenz entsteht. Sie ist ein Prozess der „Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen“ und kann daher als soziales Verhalten spezifiziert werden, d.h. als Verhalten, in dem Lebewesen aufeinander bezogen agieren und reagieren und bei diesem Verhalten Bedeutung vermitteln.

In der Kommunikation geht bei diesem Verhalten vorrangig „um die Übermittlung von Botschaft“. Für die menschliche Kommunikation ist außerdem wichtig, dass es sich dabei um einen „Prozess zwischen zwei oder mehr Beteiligten“ handelt, in welchem „Akteure [sic!] durch Zeichen und Symbole verschiedener Modalitäten direkt (von Angesicht zu Angesicht,…) oder indirekt über Medien miteinander in Beziehung treten“. Für die Verständigung ist es daher wichtig, dass die Kommunikationspartner_innen Gemeinsamkeiten bezüglich „des Zeichen- und Symbolvorrats und –verständnisses sowie des Wissens- und Erfahrungshintergrunds“ verfügen (vgl. dazu Burkart, 2002/ Boos u. Jonas 2008/ Schütz u. Rentzsch 2007/ Forgas 1995).

Somit ist klar, dass bei einem solchen Prozess viel missverstanden werden kann. Das Vorwissen der Kommunikationspartner_innen, ihre situativen Umstände, kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede und viele andere Faktoren, haben Einfluss darauf ob – möglichst ähnliche – Bedeutungsinhalte im Bewusstsein der Kommunikationspartner_innen entstehen. Vereinfacht ausgedrückt: Sprich: Ob man einander versteht und ob die Inhalte vom Gegenüber auch so verstanden werden.

Auch die Sprache bzw. der Sprachstil, der Dialekt oder auch der Wortschatz, den wir wählen – ob förmlich, salopp, oder auch derbere Sprache -, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Kommunikation und das Bild, das wir somit von uns selbst transportieren. Mein Mann spiegelt mir das sehr gut wider, er erkennt alleine anhand meiner Art zu sprechen, mit wem ich telefoniert habe: Ob nun mit meinen Eltern, verschiedenen Freund_innen (auch da gibt es bei mir Unterschiede) oder Freund_innen aus Deutschland (hier die Neigung bei mir Hochdeutsch und nicht „Wiener“ Deutsch zu sprechen). Meist ist mir das währenddessen gar nicht bewusst, weil ich automatisch „umschalte“.

Auch ganz vermeintlich unbewusste Wörter, die in nahezu jeder Unterhalten benutzt werden, wie „eigentlich“, „vielleicht“ oder die Verwendung des Konjunktivs statt des Indikativs, transportieren ein Bild: Sie schwächen den Inhalt dessen, was wir sagen, ungewollt ab. Jede_r kennt das. Häufig sagen wir „Eigentlich möchte ich lieber…“ statt einfach „Ich möchte…“ – ich ertappe mich oft genug selbst dabei, dass ich solche Formulierungen benutzte. Genau so ähnlich verhält es sich mit dem unpersönlichen „man“. Ein Beispiel:  „Ich denke man könnte es so machen….“. Damit wird ein gewisses Bild der Unsicherheit transportiert und die eigene Meinung „entpersonalisiert“. Aber wieso? Wir brauchen keine Angst vor unserer eigenen Meinung haben. Besser formuliert: konkret und direkt sprechen, damit wirken wir selbstbewusster.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch auf den Kern der Kommunikation eingehen: Die Botschaft. Kürzlich durfte ich zu ein High-Impact-Training für TV und Radio (von IntoMedia) besuchen. In drei kompakten Stunden gab Jürgen Kulcsar einen Einblick in die Arbeitsweise von Radio und TV und wie aus einem Interview eine Story wird. Dabei wurden zwei Interviewsituationen simuliert – eine für eine Radio und eine für eine TV Live-Sendung.  In den Rollen: Gerhard Prohaska (Radiojournalist), Volker Piesczek (TV-Journalist) und Oberst Michael Bauer (Interviewpartner). Besonders gut gefiel mir bei dem Training die Veranschaulichung am praktischen Beispiel wie eine Botschaft ankommt und was dafür nötig ist. Es ist bei Interviews durchaus erlaubt auf (möglicher Weise provokante) Fragen auch nicht zu antworten, sondern stattdessen die Botschaft zu wiederholen.

Hinzu kommt bei der Kommunikation außerdem, dass jedes Gespräch – nach Schulz von Thun – nach vier Aspekten (von vier Seiten beleuchtet) gesehen werden kann (vgl. Schulz von Thun, 2005). In seinem „Kommunikationsquadrat“ beschreibt er, dass Nachrichten/Botschaften auf vier Weisen gesendet bzw. empfangen werden können:

  • Auf einer Sachebene:  Hier geht es um die Sache und so wird es auch verstanden.
  • Auf der Ebene der Selbstoffenbarung: Durch das Gesagte, wird mehr über einen selbst verraten bzw. die Art wie etwas verstanden wird, sagt mehr über einen selbst aus.
  • Auf der Beziehungsebene: Hier wird an der Art der Nachricht und deren Empfang etwas über die Beziehung der Gesprächspartner_innen offenbart.
  • Auf der Appellebene: Die beabsichtigte Wirkung des Gesagten zielt auf Übermittlung eines Appells ab bzw. die Nachricht wird als Appell verstanden.

Wenig überraschend: Kommunikation ist ziemlich kompliziert.

Gerne wird vergessen, dass wir nicht nur verbal kommunizieren, sondern auch nonverbal. Auch wenn von einigen Kommunikationswissenschaftlern die Aussage Paul Watzlawicks „Man kann nicht nicht kommunizieren“ kritisch betrachtet wird (z.B. „Verhalten“ im Schlaf), so ist diese Aussage meiner Meinung nach ein wichtiger Ansatz und Aspekt, den es zu beachten gilt.

Blicke, Körperhaltung, Kleidung, Handlungen und Verhalten einer Person können Bände sprechen und Informationen mitteilen, noch bevor die Person konkret etwas gesagt hat. Natürlich kann dabei auch viel missgedeutet und missverstanden werden. Aber das Schöne daran ist: Wenn wir uns all dessen zumindest bewusst sind, können wir unsere „Außenkommunikation“ steuern und das Bild, das andere Menschen von uns haben, versuchen zu beeinflussen.