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Ermächtigung ist nicht länger links

31.05.2016 Josef Lentsch

„Dass Politik für die eigene Lebenswirklichkeit positive Veränderungen initiieren könne, glaubten die meisten nicht.“

Einer der zentralen Sätze der Göttinger Nicht-Wählerstudie, die heute präsentiert wurde.

Was bedeutet das im Kontext eines Politikverständnisses, das sich definiert durch „Politik ist der Ort, an dem wir miteinander vereinbaren, wie wir miteinander leben?“

Dass diese Bürger nicht nur den Glauben daran verloren haben, was an diesem Ort passiert – sondern vor allem, dass sie den Glauben daran verloren haben, dass SIE SELBST dort positive Veränderungen für ihr eigenes Leben initiieren können.

Und wer könnte es ihnen übel nehmen, nach Jahrzehnten einer Hinterzimmer-Politik, die im Doppelpass von verknöcherten Institutionen und klientelistischen Parteien immer viel mehr versprochen als gehalten hat? Die vor allem durch eines geglänzt hat, nämlich Reformresistenz?

Was es braucht, ist Empowerment – Ermächtigung, wie es im Deutschen etwas hölzern heißt. Es braucht Wissen um politische Handlungsmöglichkeiten und die Erfahrung, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht der einen Unterschied macht, und wenn er auch ein kleiner sein mag.

Traditionell ein linkes Thema. Aber erlebte Machtlosigkeit ist mittlerweile in der Mitte angekommen. Entgegen steuern heißt daher: die Mitte muss ermächtigen. Das heißt aber auch, den Bürger_innen mehr Verantwortung, auch für sich selbst, und mehr Macht zuzugestehen. Denn Bürgerschaftlichkeit kann nicht gelehrt werden, sie muss gelebt werden. Und Bürgerschaftlichkeit samt ihren demokratischen Tugenden, die weit über das Wählen gehen hinausreichen, setzt vor allem eines voraus: Selbstermächtigung.

Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?