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Es ist letztlich eine Frage der Macht. Und des Zeitmanagements.

Ein Nachbericht zum Frauenbrunch „MACHT HUNGRIG“ am 8. März 2014 in Innsbruck.

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Den Anteil von Frauen in politischen Parteien zu erhöhen, ihre Präsenz als politische Akteurinnen zu steigern und den Überraschungseffekt zu senken, sobald eine Frau an vordersten Stelle steht. All dies sind Ziele, die zum internationalen Frauentag erneuert und kombiniert mit Fotos besonders emanzipatorischer und erfolgreicher Frauen im politischen Geschäft die Medien schmücken. Die Vielschichtigkeit der Herausforderungen zur Herstellung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern wird allseits anerkannt und reflektiert. Gelebt wird die Forderung nach Gleichstellung nicht immer. Frauen, die sich aktiv politisch engagieren würden oft nicht ernst genommen, ihre Integrität und Kompetenz hinterfragt und mit dem Vorwurf untermauert, z.B. eine schlechte Mutter zu sein und zum Nachteil ihrer Familie zu agieren.

Diese und ähnliche Erfahrungen wurden beim gestrigen Brunch zum internationalen Frauentag, zu welchem die Nationalratsabgeordnete Angelika Mlinar und die Landessprecherin Tirol, Brigitte Gerhold, eingeladen hatten, ausgetauscht. Letztlich sei es eine Frage der Macht. Der Macht sich durchzusetzen, politische Mitbewerber_innen abzuwerten, Kritik und Untergriffigkeit hinzunehmen und dabei politische Stärke, Authentizität und letztendlich den Willen zur Macht zu demonstrieren. Frauen seien oftmals und aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage in diesem Spiel mitzuspielen und zu bestehen, oder sie ziehen sich nach negativen Erfahrungen schnell aus der politischen Arbeit zurück. Oftmals ist es der Kommunikationsstil und die Art des Miteinanders, die Frauen abschrecken. Vor allem jene, die nicht gewillt sind, sich der teils rauen und untergriffigen Diskussionskultur anzupassen, die teilweise und vor allem dann auftritt, wenn über „Männerthemen“ diskutiert würde, also über Wirtschaft und Finanzen. Darf aber ein so wichtiger Bereich des politischen und gesellschaftlichen Lebens auskommen ohne eine Repräsentanz derjenigen, die nicht nur mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sondern auch durch Doppel- und Dreifachbelastungen zwischen Beruf, Familie und Ehrenamt den Apparat am Laufen halten und dies nur deshalb schaffen, weil sie Meisterinnen des Zeitmanagements sind?

Im Rahmen des gemeinsamen Brunchs wurde ein Projekt angekündigt, das sich von den plakativen alljährlich wiederholten Präsentationen der Ungleichbehandlung von Frauen in der Arbeitswelt unterscheidet. NEOS ist der Überzeugung, dass Geschlechtergerechtigkeit viel umfassender hergestellt werden muss und alle Lebensbereiche umfassen soll. Daher beginnt NEOS, vor der eigenen Türe zu kehren und startet mit zwei Maßnahmen, die die Geschlechtergerechtigkeit in Partei, Klub und NEOS Lab, der Parteiakademie, weiter vorantreiben soll. Es handelt sich dabei um die Umsetzung von Zielformulierung zur Herstellung von Geschlechterparität auf allen Ebenen und ein Sponsorship-Programm. Der weiblich Nachwuchs soll hierbei persönlich gefördert und die Karriere-Entwicklung von Frauen innerhalb von NEOS proaktiv unterstützt werden.

Unterstützt werden die Maßnahmen von einer wissenschaftlichen Begleitstudie, die vom NEOS Lab unter der Leitung von Alice Vadrot koordiniert wird und drei Ziele hat: Erstens soll der Status Quo bei NEOS wissenschaftlich erhoben und die Maßnahmen begleitet werden. Zweitens will das NEOS Lab eine europaweite Studie- ein Vergleich zwischen liberalen Parteien- initiieren und somit die Partnerschaften mit anderen liberalen Think Tanks und dem ALDE Gender Equality Network ausbauen. Schlussendlich zielt das Projekt darauf ab, die Chancen für Geschlechterdemokratie abseits von Quoten aufzuzeigen.

NEOS und NEOS Lab wollen hier Vorreiterrollen einnehmen. „Einfache“ Lösungen, wie jene der Quotenregelung, können Geschlechterdemokratie in politischen Parteien nicht automatisch herstellen. Es kann ein Versuch gestartet werden, gemeinsam dieses Ziel auf neuen Wegen zu erreichen. NEOS ist eine liberale Bürger_innenbewegung und eine sehr junge Partei, die keine „verkrusteten“ Strukturen kennt. Dies eröffnet Möglichkeiten politische Partizipation mit dem Anspruch auf die Einbindung möglichst vieler zu verbinden und weiterzuentwickeln.