Forschungsstrategie

Im Zeitalter der Parallelität gegenläufiger Trends, wie etwa der Globalisierung und Fragmentierung, der Individualisierung und der global-digitalen Vernetzung, sowie der zunehmenden Demokratisierung von Wissen und Expertise sind Konzepte gefragt, die über das traditionelle Verständnis von Wissensvermittlung als linear und einseitig gedachter Prozess hinausgehen. Dies gilt für die politische Bildungsarbeit ebenso, wie für die Erforschung und Gestaltung entsprechender Prozesse an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Politische Bildung leistet hierbei einen wesentlichen Beitrag für die Erhaltung, Ausgestaltung und aktive Teilnahme an Demokratie. Sie ist auch eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich möglichst viele Menschen mit der Frage auseinandersetzen, wie Demokratien im 21. Jahrhundert aussehen sollen und damit einhergehend welche institutionellen und strukturellen Veränderungen notwendig sind, um die Herausforderungen des neuen Jahrtausends bewältigen zu können. Gemeinsames und rücksichtsvolles Handeln in einer pluralistischen Gesellschaft muss hier einhergehen mit der Eigenverantwortung des Individuums und einer Umgestaltung der institutionellen, diskursiven und strukturellen Räume, in denen soziales und politisches Handeln stattfindet.

Hier gilt es Schranken abzubauen und ein Angebot zu schaffen für all jene, die wissensbasiert und themenzentriert arbeiten und sich an der Entwicklung von innovativen Ideen, kreativen Konzepten und zukunftsorientierten Visionen beteiligen möchten. Der Zugang zu Räumen in das passieren soll muss ebenso sichergestellt werden wie die Möglichkeiten einer breiten Partizipation aller motivierten und interessierten Bürger_innen. Lernen durch Beteiligung ist hierbei ebenso zentral wie die Bereitstellung von Strukturen, die diese Form der Partizipation in der Bildungsarbeit einerseits und im parteipolitischen Kontext andererseits ermöglicht.

  • Wie müssen Parteien, bzw. Demokratien im 21. Jahrhundert aufgebaut sein, damit sie das Bedürfnis der Bürger_innen aktiv an politischen Prozessen teilzuhaben entsprechend auffangen und in die Neugestaltung institutioneller Rahmenbedingung für politische Partizipation einfließen lassen?
  • Welche Anreize müssen gesetzt werden, um sichtbar zu machen, dass bestehende Strukturen nicht starre Gebilde sind, sondern geöffnet und verändert werden können, gerade indem Bürger_innen sich aktiv in politische Arbeit einbringen?
  • Wie sollten in diesem Zusammenhang politische Inhalte kommuniziert und aufbereitet werden, damit sie den Prinzipien der Evidenz und Bürgernähe ebenso entsprechen wie der Notwendigkeit eines zukunftsorientierten, visionären Denkens.
  • Und schließlich stellt sich auch die Frage, wie angesichts der zahlreichen Anforderungen im politischen Alltag ein nachhaltiger Politikstil aussieht, der die Bedürfnisse einzelner Politiker_innen anerkennt und respektiert?

Die Beschäftigung mit diesen Fragen bildet die Quintessenz der Forschungsstrategie des NEOS Lab. Es geht darum einen Politikstil weiterzuentwickeln, dessen parteiinterne Umsetzung begleitend zu erforschen und die Erkenntnis- und Erfahrungswerte als Maßstab für institutionelle, diskursive und strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft heranzuziehen und breitenwirksam zu kommunizieren. Es geht um Inhalte und Strukturen, die Frage nach dem was, ebenso wie um die Frage nach dem wie. Es geht darum in Kategorien der nächsten Jahrzehnte zu denken und den Weg für Veränderung in einem kreativen Raum des gemeinsamen Wissens und Lernens aufzubereiten, indem Probleme aktiv angegangen werden und pro-aktiv und eigenverantwortlich an Lösungsansätzen gearbeitet wird.

Die Forschungsstrategie von NEOS Lab ist daher an unser Selbstverständnis als vermittelnde Instanz zwischen parteiinternen Prozessen und gesellschaftlichen Veränderungen gekoppelt und an unsere Funktion aufklärend zu sein und zu wirken. In diesem Sinne nimmt das NEOS Lab eine Metafunktion ein, die gekennzeichnet ist durch den Willen Seismograph aufkommender Trends und Entwicklungen in Partei und Gesellschaft zu sein.

Für die weitere Entwicklung eines wissensbasierten, partizipativen und wertschätzenden Politikstils werden mit der Forschungsstrategie fünf prioritäre Handlungsfelder gesetzt:

  • Politische Partizipation und Wissensarbeit in Demokratien des 21. Jahrhunderts
  • Systemerneuerung im 21. Jahrhundert- Demokratische Innovationen
  • Nachhaltiges Wirtschaften und New Economic Governance
  • Individuum und Gesellschaft- Diversität fördern
  • Bildung, Forschung und Innovation

Die Fragen nach der Ausgestaltung von Demokratie(n) im 21. Jahrhundert, nach den Bedingungen für die Stärkung der Demokratiequalität, nach demokratischen Innovationen und nach einer Methode, die Politikrelevanz, Bürgernähe, Eigenverantwortung und wissenschaftliche Glaubwürdigkeit verbindet genießen hierbei Vorrang und sind als Querschnittsmaterie und Ausgangspunkt für die Bearbeitung der anderen Felder zu betrachten.

Die NEOS Lab Forschungsstrategie identifiziert die für jedes Handlungsfeld notwendigen Maßnahmen. Diese Maßnahmen dienen auch dazu, die Stärken eines partizipationsorientierten Ansatzes auszubauen, Schwächen in der Umsetzung zu kompensieren und Hemmnisse in der Umsetzung dieses Ansatzes zu beseitigen. Hierzu müssen trans- und interdisziplinäre Kompetenzen entwickelt und transnationale Kooperationen zu anderen Forschungs- und Bildungseinrichtungen, NGOs, Think Tanks und politischen Organisationen gefestigt werden. Darüber hinaus setzt die NEOS Lab Forschungsstrategie auch auf den Ideenreichtum, die Innovationskraft und die Eigeninitiative von Bürger_innen und unterstützt diese durch gezielte Förderung, aber auch dadurch, dass NEOS Lab einen physischen, situativen und virtuellen Raum für Ideenaustausch und kreatives Denken und Schreiben zur Verfügung stellt.

Hierzu gehört auch die Aufnahme von Fellows, die durch ihre Anbindung an das Lab zur Realisierung der Forschungsstrategie beitragen. Die NEOS Lab- Forschungsstrategie setzt die Schwerpunkte und Handlungsfelder für den Zeitraum der nächsten Jahre. Dabei werden Anpassungen an aktuelle Entwicklungen und Themen, auch während dieser Laufzeit im Sinne eines lernenden Programms einfließen.

Die Umsetzung der Forschungsstrategie erfolgt über kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen und Projekte, die in enger Verbindung stehen zu den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Wissensmanagement und Kommunikation. Die Maßnahmen und Projekte haben unterschiedlichen Charakter und bauen aufeinander auf. Sie dienen der kontinuierlichen Erfassung des Status quo in unterschiedlichen Bereichen, der inhaltlichen und programmatischen Arbeit und der Erhaltung und Weiterentwicklung partizipativer Wissensarbeit und Bildung als Grundlage für die Demokratisierung politischer Partizipation im Sinne einer wissenszentrierten Zivilpolitik. Diese basiert auf demokratischen Innovationen, für welche die einzelnen Forschungsprojekte in Verknüpfung mit der Arbeit in den Themengruppen die Grundlagenarbeit leisten.

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