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Fußball, Fans und Freiheit: Ein liberaler Exkurs in den Profifußball

Habe ich die WM 2010 noch im Freudentaumel des Wiederaufstieges erlebt, verfolge ich diese WM in Brasilien mit einem weinenden Auge, ist mein Herzensverein doch wieder einmal abgestiegen. Der Sargnagel war ein Spiel in Wien, in dem nicht nur die Qualität der Mannschaften, sondern vor allem die starke Verwendung von Pyrotechnik, im Speziellen von bengalischen Feuern, sowohl von Heim- als auch Auswärtsfans, auffällig waren. An dieser Stelle möchte ich die Frage stellen, wo bei Fankultur im Allgemeinen und Pyrotechnik im Speziellen die individuelle Freiheit anfängt bzw. aufhört?

Die Rechtslage ergibt sich aus einem Bundesgesetz, welches die polizeilichen Bestimmungen betreffend pyrotechnische Gegenstände sowie das Böllerschießen enthält (Pyrotechnikgesetz 2010) sowie den Sicherheitsrichtlinien der Österreichischen Bundesliga. Diese Richtlinien verbieten „Zuschauern die Mitnahme von Gegenständen aller Art, die auf das Spielfeld oder in die Zuschauerränge geworfen oder geschossen werden können, oder mit denen auf andere Art und Weise die Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Stadion gestört oder gefährdet werden könnte. Dies betrifft insbesondere Pyrotechnische Gegenstände jeglicher Art, Feuerwerkskörper, Leuchtkugeln, Rauchpulver, Rauchbomben, Böller“.
Das Mitführen, der Besitz, die Verwendung und/oder der Einsatz von Leuchtstiften, Raketen und/oder besonders gefährlichen pyrotechnischen Gegenständen bei Stadionzutritt bzw. im Stadion ahndet die Österreichische Bundesliga streng, in der Regel mit Stadionverboten. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass ein Fußballverein, der sich gegen ein Verbot von Pyrotechnik entscheidet, unter gewissen Voraussetzungen für Personen-und Sachschäden in Haftung genommen werden kann.

Klar scheint, dass für Gesetzgeber und Bundesliga Pyrotechnik in Stadien unerwünscht ist. Vermutlich geht dieses generelle Verbot von frei verkäuflichen pyrotechnischen Mitteln in Sportstadien Hand in Hand mit dem Trend, dass der Stadionbesuch immer mehr zum Familienausflug wird und der Wunsch nach zunehmender Professionalisierung im österreichischen Fußball groß ist.

Allerdings ist aus der Sicht meiner liberalen Einstellung die Fankultur auch eine Form der individuellen Freiheit. Hier kann durchaus argumentiert werden, dass das Entzünden von pyrotechnischem Material als Gefahr für die direkte Umgebung gesehen werden kann. Dieser Gefahr kann allerdings durch die Erlaubnis des Anzündens in entsprechend abgegrenzten Bereichen in Stadien entgegengewirkt werden, da bengalische Feuer nur in unmittelbarer Nähe einer Person ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Die Entkriminalisierung der Verwendung von Pyrotechnik in Stadien ist aus meiner Sicht einer der zentralen Schritte in eine Richtung, die sowohl dem Erhalt der Fußballkultur dient als auch die Sicherheit der Zuschauer fördert. Denn eines steht für mich außer Frage: Eine lebendige Fußballkultur gründet sich auf Freiheit, Vielfalt und Kreativität und nicht auf Verboten und Richtlinien.