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Gender Equality: Warten auf 2095?

20.11.2014 Josef Lentsch

Das 22. Jahrhundert werden die meisten, die diesen Text lesen, nicht mehr erleben. Gleichzeitig ist 2095 laut einem kürzlich erschienenen Report des World Economic Forum das Jahr, in dem sich der Gender Gap am Arbeitsplatz schließen wird. Wenn wir auf dem derzeitigen Pfad bleiben. Möglicherweise. Heißt im Klartext: unter diesen Umständen werden selbst unsere Urenkel noch davon betroffen sein. (Übrigens eine Nachricht, auf die Eltern von Töchtern regelmäßig anders reagieren als Eltern von Söhnen. Und eine Nachricht, die Libertäre, die gerne strukturelle Rahmenbedingungen der Freiheit ausblenden, mit Schulterzucken quittieren.) Österreich ist derzeit auf Rang 36 im globalen Gender Gap-Ranking, hinter den Bahamas und Kuba.

Wir fangen bei uns selbst an

NEOS sieht sich hier in der Verantwortung auch im Hinblick auf demokratische und ökonomische Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern einen Beitrag zu leisten. Das fängt zuallererst bei uns selbst an. Uns ist bewusst, dass wir hier Themen haben, die es zu bearbeiten gilt. Manche davon lassen sich leichter und schneller adressieren, bei anderen dauert es etwas länger.

Weil aber immer wieder von außen versucht wird, das Thema zu benutzen um einen Keil durch NEOS zu treiben, hier ein paar Anmerkungen:

Nein, wir vernachlässigen unsere Kernthemen Bildungswende, Unternehmerisches Österreich, Enkelfitte Sozialysteme und Demokratie-Innovation nicht über dem Thema. Im Gegenteil, wir sehen es vielmehr als integralen Bestandteil davon. Österreich braucht mehr weibliche Führungskräfte. Österreich braucht mehr wirtschaftlich unabhängige Frauen. Österreich braucht mehr Unternehmerinnen. Österreich braucht mehr Politikerinnen.

Rahmenbedingungen schaffen

Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, zuallererst bei NEOS selbst. Erste Maßnahmen haben wir schon gesetzt: Etwa Ziele auf allen Ebenen was den Anteil der Frauen (oder umgekehrt, den Anteil der Männer) in den nächsten zwei Jahren betrifft, und die von den jeweiligen Führungskräften eigenverantwortlich zu verfolgen sind. Den Erreichungsgrad werten wir im Rahmen einer NEOS Lab Studie halbjährlich aus, und machen darauf aufbauend Empfehlungen – ein Hintergrundpapier dazu gibt es hier.

Bei der Verwirklichung dieser Ziele soll auch das NEOS Lab Promotor_innenprogramm helfen, das engagierte Frauen bei NEOS in ganz Österreich und auf europäischer Ebene fordert und fördert, und weitere Rollenmodelle schaffen wird (die Bewerbung ist offen, nächster Infoabend 4.12.). Ebenso werden Eigeninitiativen zur Vernetzung von Frauen bei NEOS wie die erfolgreiche Pink Ladies Lounge unterstützt. Und unlängst hatten wir die Ehre Gastgeber einer sehr spannenden europäischen Gender Equality Konferenz der ALDE in Wien zu sein.

Schritt für Schritt

Erste wichtige Fortschritte können wir schon verzeichnen: Unsere erste europäische Abgeordnete ist eine Frau. Die ersten zwei Landtagsabgeordneten, und unsere erste Stadträtin, sind weiblich. NEOS verfügt mittlerweile über 4 Landessprecherinnen. Als Rollenmodelle haben sie alle ganz wichtige Vorbildfunktion. Bis zur nächsten Nationalratswahl bleibt noch viel zu tun, aber wir sind am Weg – Schritt für Schritt.

Das bringt mich abschließend zur Frage von Quotenregelungen: Als liberale Bürger_innenbewegung sind sie für uns nicht das Mittel der ersten, und auch nicht der zweiten Wahl. Wir sprechen uns gegen Quoten in der Privatwirtschaft aus. Bevormundung und Vorschreibung können nicht das Ziel sein. Was wir machen können und wollen, ist bei uns selbst anzufangen, um die Richtung für mehr Gender Equality in Österreich vorzuleben. Was NEOS betrifft, ist es daher unser erklärtes Ziel, in den nächsten zwei Jahren eine Balance mit anderen Mitteln zu schaffen. Sollten aber die oben genannten Maßnahmen nicht reichen, dann schließen wir die Einführung von Quoten, etwa auf temporärer Basis wie in manchen nordischen Schwesternparteien, nicht aus. Das sehen wir nicht ideologisch, sondern ganz pragmatisch. Weil es uns nicht wurscht ist.

Bis dahin ist aber noch Zeit. Diese werden wir nutzen zum Anpacken und Umsetzen, um Österreich auch in der Frage von Gender Equality zu erneuern.

  • Julia Sommer

    Hier wird wieder einmal Chancengleichheit mit Ergebnisgleichheit verwechselt. Nur weil nicht überall 50% Männer und Frauen sitzen heisst das nicht dass es an „Equality“ mangelt.

    Dieser Fokus der Genderideologie auf Mann und Frau Stückzahlen ist äußerst fragwürdig und hat nichts mit Liberalismus zu tun (und schon gar nichts mit „neuer Politik“).
    Heuzutage ist eine Frau nur mehr was wert wenn sie Politikerin oder Managerin ist (eine Hausfrau oder Frisörin hat ihr Leben sowieso vergeudet).
    Leider wird dabei übersehen dass die meisten Frauen das einfach nicht wollen!

    Es ist gut, dass es bei den NEOS zumindest noch keine Quoten gibt, es ist aber bedenklich, dass in „2 Jahren welche kommen könnten“.
    Frauenquoten sind die größte Geringschätzung weiblichen Schaffens. Welche Frau will schon nur wegen der Quote einen Job haben. Auch werden Frauen damit bestraft welche sich durch ihre Fähigkeiten ihre Position verdient haben, da diese auch fälschlicherweise als „Quotenfrau“ angesehen werden könnten.
    Auch kann man Mitleid haben mit den männlichen Kollegen welche durch Quoten womöglich diskriminiert werden.

    Wenn in diese Genderdiskussionen in Zukunft nicht Vernunft und wahrer Liberalismus (keine Bevormundung der Berufswahl) einkehrt, dann wird mein Interesse an der Partei verschwinden – ich bin hier ganz pragmatisch, weil mir es nicht wurscht ist!

  • waxolunist