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Herr Fleischhacker, was haben Sie mit dem Bundeskanzler zu tun?

Er ist ja ein wirklich guter Kopf, der Michael Fleischhacker. Ein liberaler, aber auch wahnsinnig selbstverliebter und eitler Mensch. Aber zugegeben ich kenne nur wenige Journalist_innen, die sich gewählter ausdrücken als er.

Zum Start von nzz.at hat er wieder mal einen Artikel rausgehauen. „Österreichs Politiker wollen sogar die Macht erhalten, die sie nicht haben“. Es ist eine kleine aber durchaus feine Abrechnung mit den (politikverdrossenen) österreichischen Politikern, deren Drang zum eigenen Machterhalt, der Unfähigkeit der Regierung Reformen – Bildungsreform, Steuerreform, Heeresreform, Spitalsreform, Föderalismus – anzugehen und umzusetzen. Großteils stimme ich Ihnen ja zu Herr Fleischhacker, außer im Teil über NEOS, dem ich als eines der ersten Mitglieder und Mitarbeiter des NEOS Labs nicht zustimmen kann.

 

Aber das ist eigentlich nicht das, was mich an dem Artikel so stört. Dass wir beide dazu eine andere Meinung haben, finde ich wertvoll, denn so kann Diskurs entstehen. Einen den wir wohl nie führen werden, aber theoretisch hätten wir eine Diskussionsbasis.

Was mich stört ist, dass sie mit diesem Artikel etwas tun, das in Ihrem Artikel unerwähnt blieb – sie tragen damit aktiv zur Politikverdrossenheit der Bürger_innen bei. Sie heben Politik und Politiker_innen vom Rest der Gesellschaft ab und reduzieren Politik auf etwas, was „die da oben“ tun. Sie tragen selbst und aktiv zur steigenden Entfremdung zwischen Gesellschaft und politischem System bei. Aber für mich ist Politik etwas, das uns umgibt und um im NEOS-Sprech zu bleiben „der Ort an dem wir uns ausmachen wie wir miteinander leben“. Und in Ihrer Analyse werfen Sie Ihren Blick nur auf das Machtzentrum. Und ja, hier stimme ich Ihnen zu, steht gerade alles still.

Aber warum richten Sie Ihren Blick nicht auf die Bürger_innen selbst? Und zwar auf diejenigen, die sich in Bürger_inneninitiativen, Bürger_innenliste und der Zivilgesellschaft aktiv engagieren. Hier finden sich Gruppen von Menschen, die Ihre Generalkritik hinter sich lassen und denen es nicht um „Macht“ per se geht, sondern um pragmatische Lösungen, die zu einer Erneuerung Österreichs von innen beitragen.

Herr Fleischhacker, Sie treffen mit Ihrem Artikel einen Punkt, aber von einem Journalisten Ihrer Qualität und Scharfsinnigkeit hätte ich mir auch einen Lösungsansatz gewünscht. Meiner Ansicht nach muss sich das politische System dem Systemwandel stellen. Politik darf nicht mehr in den Hinterzimmern passieren, sondern unter transparenter Einbindung der Bürger_innen. Eine echte Bürger_innenbeteiligung also. Eine, die diesen Namen verdient, die die Anliegen und Ideen der Bürger_innen ernst nimmt, eine die sich nicht nur auf den Entwicklungsprozess beschränkt, sondern auch den Umsetzungs- und Evaluierungsprozess. Lösungen einbringen und vorantreiben anstatt nur Generalkritik äussern.

 

Also, Herr Fleischhacker, was haben Sie mit dem Bundeskanzler zu tun?

  • ErnestEVo

    Nicht MF hebt die Politiker ab, das tun sie selbst.

    Nicht MFH trägt zur Politikverdossenheit bei, er artikuliert sie.

    Nicht der Journalist muss Lösungsansätzen kom, das wäre ja gerade die eigentliche Aufgabe der Politik!

    Was haben die NEOS also mit Politik zu tun?

    • Nicolas Stühlinger

      Sehe ich nicht so. Jeder muss mit Lösungsansätzen kommen, auch MF. Was wir brauchen sind prag­ma­ti­sche Lö­sun­gen, die zu einer Er­neue­rung Ös­ter­reichs bei­tra­gen. Provokation ist keine Lösung, sondern nur Motiv.
      Und was die NEOS mit Politik zu tun haben? In meiner Wahrnehmung alles, aber warum nicht in Ihrer?

    • Nicolas Stühlinger

      Sehe ich nicht so. Jeder muss mit Lösungsansätzen kommen, auch MF. Was wir brauchen sind prag­ma­ti­sche Lö­sun­gen, die zu einer Er­neue­rung Ös­ter­reichs bei­tra­gen. Provokation ist keine Lösung, sondern nur Motiv.
      Und was die NEOS mit Politik zu tun haben? In meiner Wahrnehmung alles, aber warum nicht in Ihrer?