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Im Stehen und ohne Kaffee und Kuchen

Nun war ich doch schon bei einigen Organisationen tätig. Eines der Dinge, die sich aber seit ich bei NEOS arbeite ins Positive verändert haben, ist meine durch vorherige Arbeitserfahrungen entstandene Antipathie gegen Besprechungen.
Antipathie ist vielleicht etwas hart, aber nennen wir es zumindest Misstrauen. Was mich besonders gestört hat war, dass es Meetings an sich hatten, inflationär einberufen und schlecht geführt zu werden. Zudem war ein Großteil aus meiner Sicht nicht bewusst gestaltet, die Notwendigkeit nicht klar erkennbar und schlecht vorbereitet waren sie teilweise auch noch. Diese meine Wahrnehmung gründete sich zugegebenermaßen nicht nur auf eigene Erfahrungen, sondern natürlich auch auf Erzählungen von Kollegen. Dazu vermittelten mir diverse wissenschaftliche Studien ein ähnliches Bild. Beispielsweise zeigt eine Publikation, dass ein Großteil der Meetings personell überladen ist. In Deutschland sind ca. 20 Teilnehmer_innen die Regel. Dabei ist längst bewiesen, dass in Meetings effektiv nur mit bis zu ca. acht Personen gearbeitet werden. Zahlen für Österreich sind mir nicht bekannt, ich gehe aber davon aus, dass sie in etwas gleich sein dürften.

Die oben genannten Fakten sollten eigentlich ein alarmierendes Signal für Manager_innen sein. Sind sie aber scheinbar nicht. Denn für Führungskräfte zählt laut Umfragen bei Besprechungen nicht nur das Ergebnis, sondern sie nützen diese auch, um über die Aktivitäten in Ihrer Abteilung/Organisation am Laufenden zu bleiben. Zudem dienen Meetings auch oft dazu, Mitarbeiter_innen oder Querdenker_innen bei möglicherweise umstrittenen Projekten „an Bord zu holen„.

Dieses offensichtliche Missmanagement, so Der Spiegel, führt dazu, dass von den 65 Meetings pro Monat an denen eine/ein Angestellte_r durchschnittlich teilnimmt, sie bzw. er das Gefühl hat, dabei 34 Arbeitsstunden zu vergeuden. Vierunddreißig. Das ist fast eine ganze Arbeitswoche! Das ist, als würde ich bei einem 160h Arbeitsmonat erst am 5. Arbeitstag beginnen zu arbeiten. Ich denke, dass es von zentraler Bedeutung ist, dass man sich bewusst wird, dass „schlechte“ Meetings auch hohe Kosten für die Organisation verursachen. Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen von Meetings könnte also dazu beitragen, diese effizienter und effektiver zu gestalten.

Neben diesen Kosten-Nutzen-Faktoren konnte durch eine Studie der TU Braunschweig bewiesen werden, dass sich ineffektive Meetings nicht nur auf die effiziente Nutzung von Arbeitszeit auswirkt, sondern auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter_innen. Ein weiterer Grund also, die althergebrachten Vorstellungen über Bord zu werfen und sich neuen und innovativen Wegen ein Meeting zu führen anzunähern.

Dass es alternative Möglichkeiten gibt Meetings abzuhalten, zeigt beispielsweise die deutsche Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die ihre Besprechungen an Stehtischen abhält. So verhindert sie lange Monologe, steigert die Effizienz bei gleicher Effektivität, hält ihre Mitarbeiter konzentriert und wach und beschleunigt die Entscheidungsfindung.

Grundsätzlich muss ich NEOS – und damit sind alle drei Entitäten (Klub, Partei, Lab) gemeint – ein Lob aussprechen. Dafür, dass Meetings nicht inflationär angesetzt werden, es eine klare Agenda gibt und speziell dafür, dass diese mich nicht körperlich krank machen. Und falls wir doch einmal soweit sind und beginnen in Richtung New Work zu denken, dann schaffen wir es vielleicht auch die letzte Bastion der Besprechungskultur, den Meetingraum, zu überwinden. Dann haben wir vielleicht den Mut es wie Ursula von der Leyen zu machen. Einfach im Stehen. Und ohne Kaffee und Kuchen.