« Zurück zur Übersicht

„Ich weiß, was ich tun will“: Der AMS Kompetenzcheck aus Sicht einer syrischen Akademikerin

22.03.2016 Josef Lentsch

Das NEOS Lab hat empfohlen, den im Jänner vom AMS durchgeführten Kompetenzcheck-Piloten breit auszurollen, und als Standard für alle Asylwerber_innen umzusetzen. Diese Woche hatte ich die Möglichkeit, mit einer Syrerin zu sprechen, die seit etwa einem Jahr hier ist, und die bei einem solchen Kompetenzcheck mitgemacht hat.

Yara (Name geändert) hat Dolmetsch in Damaskus studiert. Sie ist mit ihrem Mann und ihren Kindern privat untergebracht, und will hier in Österreich arbeiten. Dazu plant sie Kurse an der Uni Wien zu besuchen.

Zum AMS Kompetenzcheck ist sie kurzfristig und per Brief eingeladen worden – ohne Vorinfo, worum es geht, und in Deutsch. Hätte sie niemanden gehabt, der für sie übersetzt, hätte sie nicht gewusst, worum es geht.

7 Wochen wofür?

Der Kompetenzcheck selbst lief 2 Tage bzw. 11 Stunden pro Woche, ganze 7 Wochen lang. Yara verstand nicht, warum das so lange dauern musste.

In ihrer Gruppe befanden sich etwa 15 Leute, darunter Syrerinnen, Irakerinnen und Ägypterinnen. Das Sprachniveau der meisten war A1 und A2 (also Beginner). Der Großteil war erst seit kurzem in Österreich, manche aber waren bereits seit mehr als 10 Jahren in Österreich.

Informiert wurde Yara etwa zu Vergleichbarkeit und Unterschieden der Bildungssysteme in Österreich und dem arabischen Raum, was sie als hilfreich empfand. Ebenso hilfreich empfand sie arbeitsrechtliche Infos, aber auch diese waren nur in Deutsch verfügbar. Am Ende der 7 Wochen erstellte die Leiterin einen Report und ein Kompetenzprofil über jede Teilnehmerin, mit der Möglichkeit zur Einsicht und Korrektur, was Yara gut fand und nutzte.

Kommunikation und Treffsicherheit verbesserbar

Aus Yara’s Sicht könnte der Kompetenzcheck deutlich effizienter sein – und in 2 bis 3 Wochen statt 7 Wochen abgewickelt werden. So hat es den Beigeschmack eines Beschäftigungsprogramms. Zudem kamen einige der Infos für sie zu früh – sie war zu dem Zeitpunkt 10 Monate hier, und fand sich noch zurecht – für andere mag das anders sein. Neben der Kommunikation rund um den Kompetenzcheck ist wohl auch die Treffsicherheit bei der Auswahl der Teilnehmerinnen (zwischen wenigen Monaten und vielen Jahren Aufenthalt) noch verbesserbar.

Hilfe zur Selbsthilfe

Yara sagt über sich selbst  „Ich weiß, was ich tun will“. Was sie sich wünscht, ist mehr Hilfe zur Selbsthilfe –  etwa ein Handbuch mit Informationen darüber, wo sie ihre Zertifikate übersetzen lassen kann, wie sie an Qualifikationen kommt, welche Unterstützung es dafür gibt etc. Unabhängig davon hätte sie gerne gleich zu Beginn und auf Augenhöhe mehr über Kulturdifferenzen erfahren, und über die Rechte und Pflichten in Österreich.