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Stampft mit den Füßen, so stark ihr könnt

Leonie Salzmann nimmt am Promoteeprogramm 2016 teil. Sie bloggt über Feminismus und ihre Erfahrungen damit in Neuseeland. 

Liest man sich den Global Gender Gap Report 2016 des Weltwirtschaftsforums durch, fühlt man sich als Österreicherin wie in einem Entwicklungsland. Wobei dieser Vergleich verfehlt ist, denn Länder wie Ruanda, Namibia und Burundi rangieren im Gegensatz zu Österreich unter den Top 20. Hierzulande belegt man den Platz 52 in puncto Gleichbehandlung. Bei der inländischen Lohngerechtigkeit kommen wir sogar nur auf den 100. Platz.

Was bedeutet das? Laut dieser Studie wird die Welt erst 2186 absolute Gleichstellung erreichen. 2186! Das ist in 170 Jahren. Diesen Grad an Gleichbehandlung werde ich nicht mehr erleben, meine Ururenkelin oder Urenkelin möglicherweise. Wobei diese 170 Jahre nicht in Stein gemeißelt sind, so rechnete das Weltwirtschaftsforum 2015 lediglich mit einer Dauer von 118 Jahren.

Egal, ob 118 oder 170 Jahre. Ich will Gleichberechtigung nicht der kommenden oder übernächsten Generation überlassen. Ich will aufbegehren und meinen Beitrag dazu leisten. Ich will Feministin sein.

Genau mit diesem Satz habe ich jedoch meine Probleme. Feministin. Genau dieser Ausdruck gerät leider immer öfter in Kritik, weil man sofort an die quotenschreienden, Underline-statt-BinnenI-Diskussions-Liebhaberinnen denkt, die abschrecken und mit denen viele Frauen nicht assoziiert werden möchten. Feminismus wird medial meist auf diese Paar punkte reduziert, die Feminismus und insbesondere Gleichbehandlung in eine Lächerlichkeit und Eindimensionalität verbannt. Das ist schade und ich wünsche mir einen neuen Weg.

Was bedeutet Feminismus für mich, als Teil einer liberalen Bürgerinnenbewegung? Claudia Gamon, einzige weibliche NEOS-Abgeordnete, beschreibt Frauenpolitik in einem Interview treffend: „Eine liberale Frauenpolitik ist immer eine Frauenpolitik abseits des Mainstreams im Feminismus. Es tut dem Feminismus nicht gut, wenn alle in einen Topf geworfen werden, weil ich wahrscheinlich eine ganz andere Einstellung dazu hab als eine linke Frauenbewegung. Es widerstrebt mir extrem, dass mit Frauenpolitik immer Etatismus mitgemeint ist, und dass man nach dem Staat sucht für Probleme, die er allerhöchstens in den Rahmenbedingungen lösen kann.

In meinem Feminismus suche ich nach Eigenverantwortung. Meines Erachtens wird diese Selbstständigkeit insbesondere im österreichischen Schulsystem nicht gewollt. Unser Bildungssystem hat noch viele Anzeichen vom Zeitalter der Industrialisierung. Kinder werden in die Maschinerie Schule hineingesteckt, heraus kommen perfekt produzierte, standardisierte Kinder, denen es abgewöhnt wurde selbst kritisch zu denken und aufzubegehren. Gerade dieses Aufstehen um Ungerechtigkeiten insbesondere in der Lohnpolitik aufzuzeigen, ist insbesondere für Frauen unerlässlich. Und auch Buben und Männer sollten hier laut sein, denn es geht um eine Diskriminierung. Diskriminierungen sind abzulehnen, egal ob aufgrund von Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht. Eine aufgeklärte, liberale Gesellschaft hat das nicht zu dulden, egal ob Mann oder Frau oder sonstiges Geschlecht.

Eine ganz andere Erfahrung machte ich in Neuseeland, wo ich einen Teil meiner Schulzeit verbrachte. Neuseeland, ein kleiner Inselstaat im Pazifik, wo es doppelt so viele Schafe als Einwohner gibt. 1893 wurde dort als erstes Land das aktive Frauenwahlrecht eingeführt. Im Global Gender Gap Report 2016 rangiert Neuseeland auf Platz 9. Das beste Schulrugbyteam der Nordinsel war das meiner Schule. Jeden Sonntag wurden die 15 kampflustigen Mädchen angefeuert und bejubelt. Genau, im William Colenso College hatten sportlich die Mädchen die Nase vorne. Die Kochstunde wurde von Mr Zimmerman geleitet, ein 2 Meter großer Typ im Jogginganzug, der begeistert Rugby spielte. Das Gefühl der Skurrilität, wenn ein sportbegeisterter Musekelmann Brownies in den Ofen schiebt wurde mir abtrainiert.

Kunst und Kreativität spielten eine besondere Rolle und wurden stark gefördert. Aber nicht in dem Sinne wie  bei uns in Österreich, das auf Knopfdruck alle denselben Apfel im Stile des Kubismus zeichnen sollen. Die Aufgabe war es eigenverantwortlich, sich ein Thema auszusuchen, das man dann in verschiedener Art und Weise umsetzte. Die Ideen kamen eigenverantwortlich, von mir selbst. Meiner Kreativität wurden keine Grenzen gesetzt, sondern die Lehrer begleiteten mich darin meine Ideen umzusetzen und Barrieren zu überwinden.

Die Zeit dort bestärkte mich alles tun zu können, wenn ich es nur wollte. Ich lernte mich nicht von Stereotypen und gesellschaftlichen Konventionen einschüchtern zu lassen. In Neuseeland gab es nie nur einen richtigen Weg, wie mir fälschlicherweise so oft in Österreich eingetrichtert wurde.

Ich wünsche mir für alle Mädchen und mich, nein alle Menschen, da draußen, dass sie den Mut haben Barrieren zu überwinden und gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren. Abschließen möchte ich mit einem Tanz der Maori, der Ureinwohner von Neuseeland, der heute noch immer von Rugbyspielern vor Spielen getanzt wird (https://www.youtube.com/watch?v=bjW6m2mEQQ8).  Es ist ein Aufruf zum Kampf in dem es heißt „Waewae takahia kia kino! – Stampft mit den Füßen, so stark ihr könnt!” und

“Â upane, ka upane – Ein Schritt nach vorne, und noch einer”. Auch wenn ich nur kleine Schritte mache, sind wir laut, weil wir viele sind!