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Lernen von der Londoner Bildungswende

24.07.2015 Josef Lentsch

Der Bundesländervergleich zeigt: Wien stinkt bei der Bildung ab. Die Wiener Bildungspolitik ist gescheitert. Wie wir die dringend notwendige Bildungswende schaffen, hat Beate Meinl-Reisinger diese Woche mit dem NEOS Bildungsplan für Wien präsentiert.

NEOS ist eine werte- und evidenzbasierte Bewegung. Was gibt es also für Erfahrungen mit städtischen Bildungsreformen in anderen Metropolen?

Schauen wir in ein anderes Land, wo Bildung ähnlich wie in Österreich überdurchschnittlich vererbt wird. Es ist erst gut 10 Jahre her, da stank London im britischem Bildungsregionen-Vergleich ab. Londons öffentliche Schulen waren die schlechtesten in ganz Großbritannien. Mittlerweile sind sie die besten.

Dabei steht London im Vergleich mit anderen britischen Regionen, und mit Wien, vor weit größeren Herausforderungen was Faktoren wie sozioökonomische Benachteiligung, Bildungsabbrecher oder Integration betrifft. Was ist passiert?

Die London Challenge

Premier Tony Blair machte es 2002 zu einem persönlichen Projekt, die Bildungsresultate in London zu verbessern. Die Flaggschiff-Initiative „London Challenge“ hatte damit höchste Priorität. Ihre Ziele waren:

  • Die Bildungsstandards in den leistungsschwächsten Schulen zu heben
  • Die Bildungsunterschiede zwischen Schülern zu verkleinern
  • Mehr gute und außergewöhnlich gute Schulen zu bilden

Zu Beginn wurden die verschiedenen Gründe für die Leistungsschwäche einiger Schulen 6 Monate lang analysiert, um die Problemstellungen und möglichen Verbesserungen zu identifizieren. Auf Basis dieser Analyse wurden 5 besonders betroffene Bezirke erkannt, die in der Folge im Fokus standen.

Die London Challenge enthielt dabei zentrale Elemente, die sich auch im Bildungsplan für Wien finden:

Mündige Schulen

London wurde zum Vorreiter in der Schulautonomie mit der Einrichtung der autonomen Academies – öffentlichen Schulen mit dreifacher Autonomie (Pädagogik, Budget, Personal). Fokussiert wurde dabei anfangs vor allem auf Brennpunkt-Schulen und Schulen in Schwierigkeiten, die mehr Freiheit erhielten, um dringend notwendige Interventionen rasch zu ermöglichen. In weiterer Folge entschieden sich tausende Schulen in ganz Großbritannien, zu Academies zu werden – was alle Erwartungen übertraf.

Die City of London Academy in Bermondsey.

Mehr Mittel für Aus- und Weiterbildung & Sozialarbeit 

Die Schulen konnten darüber hinaus autonom um finanzielle Mittel für zusätzliche Unterstützung ansuchen, etwa um Sozialarbeiter_innen anzustellen, wie es auch der NEOS Bildungsplan für Wien vorsieht. In die Aus- und Weiterbildung der Lehrer_innen und Schulleiter_innen wurde deutlich mehr Geld investiert, wie auch in die Schul-Infrastruktur.

Ebenso wurden zivilgesellschaftliche Initiativen wie TeachFirst (in Österreich: Teach for Austria) zur Rekrutierung von Lehrer_innen und zukünftigen Schulleiter_innen dezidiert unterstützt. Mittlerweile ist TeachFirst der größte Rekruter (!) unter den Absolvent_innen der britischen Universitäten.

Darüber hinaus wurden als weitere Erfolgsfaktoren klare Zielvorgaben und die evidenzbasierte Arbeit genannt, während der Initiative und darüber hinaus, um handfeste Informationen zur Zielerreichung sowie zu neuen Entwicklungen zu sammeln.

Mittlerweile wurde die London Challenge erfolgreich in anderen Regionen repliziert, die sich ebenfalls verbessert haben.

Wien hat mit dem NEOS Bildungsplan die Chance, bis 2025 ebenso in Führung zu gehen.

 

Danke an Thomas Teltscher für die Unterstützung bei der Recherche.

  • Christine Hahn

    wir NEOS sind auf dem richtigen weg mit der mündigen schule 🙂

  • Sabine M. Fischer

    Genau, Autonomie kommt unmittelbar den SchülerInnen zugute, wenn auch das People Management professioneller wird, siehe Studie Does Management Matter in Schools? http://www.nber.org/papers/w20667 Als UBIT-UnternehmerInnen könnten wir die dafür nötige Entwicklung direkt vor Ort je nach Bedarf des einzelnen Standortes unterstützen, http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/bildung/schule/764033_Die-Schul-Manager.html Voraussetzung: Schulen brauchen Budget und Kompetenzen für eigenständige Entscheidungen! Schulautonomie darf nicht dazu führen, dass Standorte noch mehr in der „Verwaltung des Mangels“ stecken bleiben und weiterhin „aus Stroh Gold spinnen“ müssen!

  • Sabine M. Fischer

    Mit Schulautonomie könnte auch endlich das Problem des Mobbing an den Schulstandorten systematisch angegangen werden! Dies ist wichtig, weil es die Leistung von SchülerInnen und LehrerInnen enorm beeinträchtigt, siehe auch http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/765088_Wir-erschaffen-das-Mobbing.html?em_cnt=765088&em_comment=1

  • waxolunist

    Die SPÖ verhindert echte Autonomie. Sie will immer noch mehr Zentralismus wie bereits die Debatte um die letzte Schulreform zeigte. Ebenso zeigt die Gesamtschule in Richtung weniger Autonomie und mehr Vereinheitlichung.
    Auch die Niederlande haben ein interessantes Konzept wie Agenda Austria bereits zeigte.