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Made in Vienna

04.02.2015 Gastbeitrag

Unsere Zukunftschancen liegen nicht in der Verteidigung des Fließbandes. Die Produktion von Plastikspielzeug werden wir nicht aus China zurückholen; und auch nicht die Produktion von Smartphones. Im internationalen Wettbewerb hängt die Innovationskraft eines Hochlohnlandes davon ab, wie stark Innovation und Unternehmergeist begünstigt werden. Erfolgreiche Wirtschaftspolitik lässt sich an der Wachstumsgeschwindigkeit und Anzahl von Start-Ups ablesen. Es ist an der Zeit, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen.

 

In Wahlkampfzeiten wird von Parteien, Kammern und Gewerkschaften gerne „um jeden Arbeitsplatz gekämpft“. Meistens ist damit leider nur das Bewahren von Privilegien für lebenslange Beschäftigungsverhältnisse in großen Unternehmen oder staatsnahen Betrieben gemeint. Innovation entsteht heute in jungen Unternehmen. Die Start-Up-Kultur mit ihrer offenen und flexiblen Struktur kleiner Teams bietet ambitionierten Talenten den richtigen Rahmen um Innovationen zu schaffen. Jede Kultur braucht aber den richtigen Nährboden um zu wachsen. Wenn dieser für Start-Ups, die ihre Produkte in kurzer Zeit zur Marktreife bringen müssen, fehlt, wählen sie andere Standorte, oder scheitern. In Österreich mangelt es leider noch immer am Verständnis für diese neue Wirtschafts- und Arbeitswelt, in der die Grenzen zwischen selbständiger und unselbständiger Arbeit längst verschwimmen. Globalisierung und Digitalisierung haben die Innovationszyklen der Weltwirtschaft verkürzt. Durchschnitt produziert keine Innovationen mehr. Nur noch die innovativsten Entwicklungen sichern neue Beschäftigung.

 

Während in vielen europäischen Ländern und Städten die Start-up Szene stark am Wachsen ist, tut sich Österreich noch immer schwer mit der Start-Up Szene. Die Kultur ist eine andere und das wollen viele nicht anerkennen.  Die Strukturen müssen sich verändern. Die Grenzen zwischen Selbständigkeit und Unselbständigkeit verschwimmen immer mehr. Insbesondere in der jetzigen wirtschaftlichen Situation benötigen wir ein freisetzen von Fähigkeiten, Mut und Ideen. Neue Arbeitsplätze entstehen in Zukunft durch neue und innovationsgetriebene Betriebe. Warum nicht auch in Wien? Die Hauptgründe liegen am Tisch. Schier unlösbare bürokratische Hürden, fehlende Service-Mentalität aller Institutionen, fehlende Finanzierungsmöglichkeiten, undurchsichtige Gießkannen Förderungen und natürlich die enorme Steuerbelastung sind nur exemplarische Beispiele um Innovation nachhaltig zu verhindern.

 

Neben dem Abbau dieser Firewalls sehen wir insbesondere in Wien die Chance für Innovation durch Kooperation. Die Zukunft Wiens wird unter anderem auch durch die Schaffung von „Made in Vienna“ Hubs positiv beeinflusst. Dafür müssen zentrumsnahe Flächenreserven wie z.B. Nordwestbahnhof entwickelt und geschützt werden. Durch die gemischte Flächennutzung für Wohnbau und Gewerbe gelingt die Schaffung attraktiver Grätzel und Quartiere. Gründer_innen und kleineren Unternehmen sollen in derzeit lehrstehenden Fabrikshallen betriebsübergreifend Produktionskapazitäten zur Verfügung gestellt werden („shared production“). Wesentlich für die Attraktivität sind dabei auch die Vernetzung mit open source commmunities und die Bereitstellung moderner Produktionsinfrastruktur (3D-Printer, CNC Fräsen). Darüber hinaus wird in diesen Hubs alle Informationen und Hilfestellungen von der Gründung, über Finanzierung und Vernetzung bis hin zur Markteinführung durch professionelles unabhänigiges Management bereti gestellt. Finanziert werden diese Hubs durch eine massive Kürzung der Förderungen der Stadt Wien gepaart mit der Umstellung auf Gartenschlauch Förderungen.

 

Walter Hatzenbichler ist Leiter der Themengruppe Wirtschaft in Wien, Referent im NEOS Parlamentsklub sowie Kandidat für die Wiener Bezirksvertretungs- und Gemeinderatswahlen.