Meet-the-expert: Steuern und Psychologie – Von Kontrollen und Strafen zur wechselseitigen Kooperation

Rudigierstraße 1 4020 Linz, Österreich
17. November 2014, 18:00 Uhr

Vortragender: Prof. Erich Kirchler von der Uni Wien

Traditionelle Konzepte zur Sicherstellung der Steuerehrlichkeit sehen Kontrollen von Steuerzahlern und Strafen im Falle der Hinterziehung vor. Anstelle von Kooperation zwischen Autoritäten und Bürgern, führt die  „Räuber-Gendarm“ Orientierung  zu sozialer Distanz staatlicher Institutionen und zu Unwilligkeit, der Abgabenpflicht nachzukommen. Die empirische Evidenz zur Wirksamkeit von Kontrollen und Strafen weist entsprechend dürftige Effekte nach. Aus psychologischer Sicht werden Kontrollen und Strafen zwar als notwendig aber keinesfalls als hinreichend angesehen, um Steuerehrlichkeit zu garantieren. Im Gegenteil: Wenn nicht die Steuerevasion das aktuell vordringlichste Problem darstellt, sondern legale Steuervermeidung, dann greifen Kontrollen und Strafen  viel zu kurz. Um in der Bevölkerung die Akzeptanz von Steuern zu stärken und Ehrlichkeit zur sozialen Norm zu etablieren, ist es nötig, dass der Dschungel der Steuergesetzgebung „gerodet“ wird, dass Klarheit über die Gesetze und die Korrektheit der Einhaltung der Gesetze besteht, dass sich die Einstellung verstärkt und dass es notwendig ist, sich nach dem Geiste des Gesetzes und nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes zu verhalten. Behörden, die in eine gerechte Verteilung von Steuerlasten, in die Transparenz der Verwendung von Steuergeldern, in fairen Zugang zu öffentlichen Gütern und in gerechte Verfahren investieren, stärken die Kooperationswilligkeit der Bürger_innen und müssen nicht Ehrlichkeit erzwingen.