#NEOSLabTalk: Die kommunitaristische Kritik am Liberalismus

Neos LAB - Das liberale Forum, Neubaugasse 64-66, Wien, Österreich
06. Juni 2017, 18:30 Uhr

LiberaleIdeengeschichte

Liberale Ideengeschichte

Im Zentrum des Liberalismus als Grundposition der politischen Philosophie, stehen das Individuum, seine Freiheit und Verantwortung, als auch die Frage, wie eine Ordnung der Freiheit aussehen kann. Gerade weil liberale Errungenschaften wie die liberale Demokratie, der Rechtsstaat oder Grundrechte zu Beginn des 21. Jahrhunderts verstärkt unter Druck geraten, wollen wir uns auf eine ideengeschichtliche Spurensuche begeben: was sind die Quellen, aus denen sich liberale Ideen speisen? Welche liberalen Ideen haben überdauert, welche gilt es zu hinterfragen? Und wie kann ein erfolgreicher liberaler Zugang zu Politik im 21. Jahrhundert gestaltet sein?

 

Die kommunitaristische Kritik am Liberalismus

Impulsgeber Harald Stelzer

Im Zentrum von liberalen Ideen steht das Individuum, im Zentrum von kommunitaristischen Überlegungen, die Gemeinschaft. Damit liegt der Beziehung dieser Positionen eine gewisse Spannung zugrunde. So wird etwa im Kommunitarismus das Gemeinwohl über partikulare individuelle Interessen gestellt. Dafür wird dem Liberalismus vorgeworfen, den Gemeinsinn zu vernachlässigen und zur Auflösung sozialer Bindungen zu führen, wodurch letztlich auch ein auf Partizipation beruhendes Gemeinwesen unterlaufen würde. Hier stellt sich auch eine Verbindung zur Kritik her, die in letzter Zeit sowohl an der Europäischen Union als auch am Freihandel geübt wurde. Inwiefern aber bieten Rückzug in die Gemeinschaft und Protektionismus echte Alternativen zum liberalen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell, und welche „Kosten“ sind mit der Übernahme kommunitaristischer Positionen verbunden?

Harald Stelzer ist Professor für Philosophie und Leiter des Arbeitsbereiches Politische Philosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz. In seinem neuesten Buch argumentiert er für eine Kritik an der Moralphilosophie des Kommunitarismus. In den Jahren 2013 bis 2014 arbeitete Stelzer am Institute for Advanced Sustainabillity Studies (IASS) in Potsdam. Er ist zudem Mitherausgeber des Berichts für das Projekt EuTRACE der Europäischen Kommission.