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Partizipation als Beginn der politischen Spaßgesellschaft?

Nach der doch organisatorisch aufwendigen NEOS Lab Summer School hatte ich gestern Abend endlich Zeit mich meinem brand eins zu widmen. Nachzulesen hatte ich die Ausgabe „Spaß – der unterschätzte Wirtschaftsfaktor“. In seinem Artikel erläuterte Wolf Lotter warum dem Lachen die Zukunft gehört.

Aus unterschiedlichen politischen Lagern tönt es immer wieder: Die Spaßgesellschaft, dieser auf Vergnügen und Freude ausgerichtete Lebenstil, hindert die Menschen daran, selbst zu denken. Sie ist der Inbegriff vom Sitten- und Moralverfall. Besonders ein Absatz aus Lotter’s Artikel ging mir nicht aus dem Kopf, nämlich dass „die Gegner der Spaßgesellschaft allesamt Modernisierungsverlierer sind. Die Leute, die Angst davor haben, dass eine offenere Gesellschaft auch eine lockerere Gesellschaft ist, eine mit weniger Hierarchien, eine, in der nicht einige wenige sagen dürfen, wo der Spaß anfängt und wo er aufhört, sondern wo das die Menschen selbst entscheiden.“ Dabei kam mir sofort der Gedanke, ob es sich mit den Blockierer_innen politischer Partizipation gleich verhält, wie mit den Gegnern der Spaßgesellschaft? Oder ist vielleicht Partizipation der Beginn der politischen Spaßgesellschaft?

Wir, das NEOS Lab, verstehen uns als offenes Labor für neue Politik. Durch unsere Räumlichkeiten bieten wir einen offenen Raum für kri­ti­sches Den­ken. Auch unsere Formate sind ungewöhnlich für Parteiakademien. Einer unserer inhaltlichen Schwerpunkte ist das Thema Partizipation bzw. Bürger_innenbeteiligung. Der Kern von Partizipation ist es, dass nicht mehr nur einige wenige bestimmen, sondern die Bürger_innen bei politischen Entscheidungen möglichst breit eingebunden werden sollen. Und hier schließt sich der Kreis zu Wolf Lotter. Plötzlich können und sollen die Bürger_innen selbst entscheiden wie sie leben wollen. Ob es dabei um Spaß, oder um Partizipation dreht, ist Nebensache. Die hierarchischen Strukturen werden flacher und manche können oder wollen das nicht sehen.

Spaß spielt in der Spaßgesellschaft eine zentrale Rolle. Doch auch in der politischen Partizipation sollte Spaß im Zentrum stehen. Nicht nur das Praxisbuch der Stadt Wien hebt hervor, dass Beteiligung auch Spaß machen soll. Man muss erleben, wie man Konflikte wertschätzend löst, welche Kontakte es dabei gibt, wie sich jede_r Beteiligte mit den eigenen Fähigkeiten in den Prozess einbringen und das Projekt dadurch ein Erfolg werden kann. Ja, Partizipation ist nicht nur reines Vergnügen, sondern bedeutet auch eine Menge Arbeit für alle Beteiligten. Nicht nur für die Organisatoren und Moderatoren, sondern auch für die Teilnehmer_innen. Zum Verhältnis von Spaß und Arbeit meint Soziologe Dirk Baecker in brand eins: „Arbeit wird heute von den meisten Menschen nur ernst genommen, wenn es eine Möglichkeit gibt, aus dieser Ernsthaftigkeit auch wieder auszusteigen.“ Partizipation an der Politik ähnelt meiner Meinung nach der Arbeit in einer komplexen Welt: „Vieles muss versucht und etliches wieder verworfen werden.“

Jetzt mag vielleicht der Gedanke kommen, dass Politik ein zu ernstes Feld für Spaß sei. Seit jeher versuchten die Regierenden ernst zu wirken, denn wer Spaß hat ist ja nicht ernst zu nehmen. Spaß ist ja schließlich unseriös. Wenn man in alten Mustern denkt, dann stimmt diese These vielleicht. Doch Spaß, so Dirk Baecker, macht den Weg frei für Neues. Und das ist auch das, was es in der politischen Partizipation braucht! Freude, Vergnügen und Spaß an etwas Neuem. Freude daran an der Politik teilzunehmen, Vergnügen daran gemeinsam mit anderen Bürger_innen den gemeinsamen Lebensraum zu gestalten. Und Spaß daran selbst zu entscheiden, wie man leben will.

Die Teilhabe und die Teilnahme an der Politik, also dem Ort, wo wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben, sollte Spaß machen! Und so gesehen kann Partizipation der Beginn der politischen Spaßgesellschaft sein! Also, mitmachen und mitlachen!