Warum der Kindergarten das Sprungbrett in eine moderne Gesellschaft ist!

Ein Policy Brief von Johannes Stolitzka & Dieter Feierabend

Der Kindergarten ist einer der zentralen Pfeiler unserer Gesellschaft. Er nimmt auf dem Weg zum Erwachsenwerden eine wichtige Rolle ein, besonders aufgrund der ersten frühkindlichen Bildungsschritte und der ersten außerfamiliären Gemeinschaft. Hier sollten alle Kinder die Möglichkeit bekommen, früh die eigenen Talente zu erkennen und zu entwickeln. Zudem ist ein qualitativ guter Kindergarten mit ausreichend Öffnungszeiten und Nutzung prädestiniert, Chancengerechtigkeit schon früh zu fördern. Denn Kinder aus verschiedenen Einkommensschichten und ethnischer Zugehörigkeit gelangen früh miteinander in Berührung, und durch geschultes Personal ist ihr Bildungsweg nicht davon abhängig, ob die Eltern über ein hohes Maß an Bildung verfügen.

Der Kindergarten hat auch einen wichtigen Anteil daran, ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf überhaupt gelingen kann. Denn viele Eltern greifen auch aufgrund des sperrigen Angebots noch immer auf traditionelle Rollenbilder zurück, wenn es um die Kindererziehung geht. Dabei sind es noch immer zu oft Frauen, die unter diesen Umständen leiden.

Policy Brief

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Abstract

Spätestens seit den chaotischen Zuständen während der Covid-19-Lockdowns ist klar, dass der Kindergarten eine der wichtigsten Stützen der Gesellschaft ist, nicht nur, wenn es darum geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Eine früh begonnene Bildung in Kindergruppen mit ausgebildeten Pädagog_innen ist für die Entwicklung der sozialen Kompetenz und den weiteren Weg in Schule und Arbeitswelt enorm wichtig. Doch Österreich schafft kein gutes Angebot und schadet so der eigenen Bevölkerung. Die Ausgaben für den Kindergarten sind im Vergleich zu Vorzeige-Ländern wie Dänemark gering. Dieser Policy- Brief zeigt, welche positiven Effekte der Kindergarten auf die persönliche Entwicklung, die Chancengerechtigkeit und langfristig auf den Arbeitsmarkt haben kann. Er zeigt außerdem, wo Österreich steht und wie es besser gemacht werden kann, insbesondere anhand des Beispiels Dänemark. 

„Nicht nur für die Bildungskarriere des Kindes, sondern auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre es wichtig, dass ein ausreichendes und ein qualitativ hochwertiges Angebot mit arbeitsfreundlichen Öffnungszeiten zur Verfügung steht. Doch zu oft ist das Öffnungszeitenangebot nicht geeignet, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“
Studienautor Johannes Stolitzka

Empfehlungen in der Übersicht

Ein Gesetz, Rechtsanspruch und klare Finanzierung

..Die bestehende Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist einer der größten Hemmschuhe für eine österreichweit einheitliche Kinderbetreuung. Es bräuchte ein Kindergartengesetz für ganz Österreich und einen klaren Finanzierungsschlüssel, an den sich alle orientieren können.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

...es braucht einen massiven Ausbau der Öffnungszeitenangebote.

Qualität vor Quantität

...es muss neues Personal geschult und Gruppengrößen sollen entsprechend der aktuellen Forschung reduziert werden.

Ausbau der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Attraktivierung des Elementarpädagog_innenberufs:

...es braucht fähige Pädagog_innen, die nicht nur die beste Infrastruktur vorfinden, sondern auch die besten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bekommen sollten.

Ausgaben auf 1,3 Prozent des BIPs steigern:

...Österreich sollte mit einem entsprechend breiten und weitestgehend kostenlosen Angebot die Ausgaben von den unterdurchschnittlichen 0,7 Prozent auf mindestens 1,3 Prozent des BIPs steigern. Das würde die Ausgaben auf circa 5,150 Mrd. Euro steigern.