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Sapere aude, Caroline Hungerländer

Antwort auf den Blog von Caroline Hungerländer.

Ich bin mal gleich per „Du“. Ich meine, wir sind ja beide im ungefähr gleichen Alter und beide in politischen Jugendorganisationen tätig. Und in der gleichen Branche arbeiten wir auch noch. Ich hoffe das passt für dich? Wenn nein, sag Bescheid, ich bin da flexibel.

Ich finde es ja immer sehr positiv, wenn Jugendkandidat_innen die Chance auf ein politisches Mandat haben. Ich finde es auch immer sehr positiv, wenn junge Kandidat_innen versuchen, ihre Meinung über Blogs, Twitter, etc. kundzutun und die modernen Kommunikationswege zu nutzen. Ich finde es aber enttäuschend, wenn sich Jugendkandidat_innen als „visionäre Arbeitnehmervertreterin und Bürgerliche“ bezeichnen, mit modernen Modellen wie „share economy“ um sich werfen, aber dabei ganz der alten Schule und der gelernten Diktion und Denke entsprechend

  1. Bürger_innen und Politiker_innen trennen
  2. Bürger_innen anzuhalten, nur brav Steuern zahlen und die Politik ohne Einmischung machen zu lassen
  3. Politiker_innen als Opfer des Journalismus hinzustellen

Es ist ein altes Muster, dass Menschen, die im alten System denken, Bürger_innen und Politiker_innen trennen. Aber das ist es genau nicht, was Österreich braucht und weiterbringt! Durch solche unbedachten Aussagen passiert genau das, was wir Bürger_innen, die im Bereich Politik arbeiten, verhindern sollten: dass die Po­li­tik­ver­dros­sen­heit in der Gesellschaft weiterwächst. Durch solche Texte hebst du Po­li­tik und Po­li­ti­ker_in­nen vom Rest der Ge­sell­schaft ab und re­du­zie­ren Po­li­tik auf etwas, was „die da oben“ tun. Du trägst mit solchen Aussagen selbst dazu bei, dass sich Politik und Gesellschaft weiter entfremden! Schau doch in Richtung Bür­ger_in­nen­in­itia­ti­ven, Bür­ger_in­nen­lis­te und Zi­vil­ge­sell­schaft – dort engagieren sich Bürger_innen aktiv und machen Politik im wahrsten Sinne des Wortes: Sie arbeiten gemeinsam an Lösungen und gestalten ihr Umfeld selbst.

Es ist genau die falsche Antwort für eine Jugendkandidatin das alte System zu verteidigen! Uns (junge) Bürger_innen aufzufordern, brav Steuern zu zahlen und sich bitte nicht einzumischen, ist eine Denke, die junge Menschen nicht animiert, sich einzubringen bzw. sich zu engagieren. Ganz nach dem Motto „Hände falten, Goschn halten“. Ist das die „Christliche Soziallehre“, die du als dein Credo bezeichnest? Ich halte dies für den grundfalschen Weg! Ich erwarte, dass eine Jugendkandidatin zur Einmischung aufruft und Ideen, Formate und Konzepte präsentiert, die jungen Menschen den Zugang zu Politik erleichtern bzw. die Lust auf Politik zu machen. Dass du dich in deinem Blog hinstellst und dich brav der Parteilinie beugst, ist eine absolute Enttäuschung.

Politiker_innen sind keine Opfer der Journalist_innen. Wollen wir eine Presselandschaft bzw. einen Journalismus, der alle Initiativen, Entwürfe und Konzepte nickend annimmt und wohlwollend darüber schreibt? Ich wünsche mir eine Berichterstattung, die Probleme anspricht und Dinge kritisch hinterfragt. Ich wünsche mir vielfältige Meinungen, konkurrierende Ideen und einen lebendigen Dialog. Das, was du forderst, ist der Tod einer lebendigen Gesellschaft und der Demokratie. Das will und kann ich nicht gutheißen!

Wir Jungen müssen Österreich von innen heraus erneuern! Das geht leider nicht mit einer Denke, die das alte System nicht nur verteidigt, sondern aufrechterhält. Formuliere deine eigenen Gedanken und stelle deinen Verstand vor’s Parteibuch – sapere aude, Caroline Hungerländer.