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Schulautonomie: Lernen von den Briten

30.01.2015 Josef Lentsch

Diese Woche publizierte der Bildungsausschuss des Britischen Parlaments einen neuen Report zu autonomen Schulen. Auch wenn es noch zu früh für endgültige Schlussfolgerungen aus der Evidenz ist (Schulautonomie ist in Großbritannien erst in den letzten 5 Jahren verbreitet worden), so titelt er dass Schulautonomie für die jüngsten Verbesserungen im britischen Bildungssystem verantwortlich sein könnte.

Großbritannien schnitt bei PISA 2012 in 2 von 3 Kategorien (Lesen, Wissenschaft) besser ab als Österreich, und es wird interessant sein die Ergebnisse der nächsten Runde zu sehen. Im Gegensatz etwa zu den Niederlanden, wo Autonomie eine lange Tradition hat, ist es für Österreich besonders interessant gerade weil die Einführung der Schulautonomie erst kürzlich und in einem vergleichsweise hohen Tempo erfolgte. NEOS vertritt das Konzept einer dreifachen Schulautonomie  –  Pädagogik, Budget und Personal, all das haben die britischen autonomen Schulen bereits.

Wie auch in Österreich gab es aber auch in Großbritannien, etwa unter Lehrergewerkschaften, durchaus auch Skepsis was umfassende Schulautonomie betrifft. Wie aber das Bildungssystem trotz Gegenwind und organisierten Interessen erneuern?

Von der Theorie zur Umsetzung

Statt das gesamte System auf einmal umzustellen, entschied man sich in Großbritannien für graduelle Veränderung, anhand einer doppelten Strategie:

Einerseits durften Schulen von sich aus wechseln und für mehr Autonomie optieren (sogenannte „converter academies“). Der größte Anteil autonomer Schulen, mehr als 3,000 zwischen 2010 und 2014, hat diesen Weg gewählt. Diese Zahl allein zeigt wie attraktiv umfassende Autonomie für Schulen ist. Auch NEOS vertritt im Sinne der Eigenverantwortung eine solche „opt-in“ Regel, die die Entscheidung bei den Schulen selbst belässt.

Darüber hinaus wurden Schulen, die von OFSTED, der staatlichen Agentur für Qualitätssicherung in der Bildung, als „Inadequate“, also ungenügend beurteilt wurden, vom Department for Education angehalten ihren Status Richtung Autonomie zu verändern, um so schnellere Verbesserungen im Interesse der Schüler_innen zu ermöglichen (sogenannte „sponsored academies“, da sie zur Unterstützung unabhängige Träger wie Stiftungen, Universitäten oder andere Schulen beigestellt bekamen). Das betraf, wie auch in anderen OECD-Ländern, vor allem auch Schulen in sehr großen Städten, etwa London. Dieser Zugang des „zur Autonomie zwingen“ erscheint aus der Perspektive der Eigenverantwortung problematisch.

Dass Schulautonomie ohne Frage ein erfolgreiches Konzept ist, zeigt jedenfalls die beeindruckende Entwicklung: Im Dezember 2014 gab es bereits 4,344 autonome Schulen in ganz Großbritannien, darunter mehr als die Hälfte aller englischen Sekundarschulen.