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„Startup Weekend Vienna“ oder „So geht Zukunft“

08.02.2015 Gastbeitrag

Christoph Hilscher, Mitarbeiter der Themengruppe Wirtschaft, war mit einem Ticket des NEOS Lab als Teilnehmer beim ersten Vienna Startup Weekend. In einem Gastbeitrag für lab.neos.eu schildert er seine Eindrücke.

Freitags Abend. Ich betrete den Hof eines ehemaligen Industriebaus im fünften Wiener Gemeindebezirk und gelange über ein schmales Stiegenhaus zum Veranstaltungsort im ersten Stock. Das erste das mir ins Auge sticht ist eine Bar.
Planen hier die nächsten Zuckerbergs und Musks ihre ersten Schritte in die Selbstständigkeit? Es herrscht jedenfalls reges Treiben. Vom clichéhaften Programmierer über den hornbebrillten Hippster bis zum Bobo ist alles vertreten. Frauen sind in der Minderheit, aber, soviel sei vorweg genommen, die beste kommerzielle Idee wird von einer Frau gewesen sein. Eine eigenartige
Mischung, die sich aber ohne Vorurteile oder Scheu glänzend miteinander unterhält. Hier werde ich es wohl die nächsten zweieinhalb Tage aushalten.

Pünktlich fängt der offizielle Teil der Veranstaltung an. Von der eben beschriebenen Bar, an vielen vollgeräumten Tischen vorbei, geht es zum vermeintlichen Veranstaltungsraum. Später wird auch hier eifrigst an den Ideen und Technologien von Morgen gearbeitet werden. Adrian aus Polen, selbst Gründer, und in diesem Rahmen als Moderator der Veranstaltung dabei, macht die Einführung. Offensichtlich werde ich dieses Wochenende mein Englisch wieder entrosten können. Wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte, liegt das vor allem an der Menge von Teilnehmer_innen aus Ungarn und der Slowakei sowie aus Polen. Neben Deutschen sind auch Amerikaner_innen und ein Teilnehmer aus Hongkong zu gegen. Nach drei Runden Teilnehmermotivation à la „Seid ihr alle da?“, starten wir mit einer spontanen Pitchrunde.
Zufällig ausgewählte Gruppen sollen sich innerhalb von fünf Minuten zu ebenfalls zufällig entstandenen Teamnamen eine Geschäftsidee überlegen. Ich tüftle im Team „Hot Cats“ mit. Rasch einigen wir uns auf ein revolutionäres Geschäftsmodell: Das operative Leasing von Katzen mit anschließender Kaufoption. Wir werden niemals erfahren, ob es am Kätzchenfaktor oder dem überaus amüsanten Pitch von Ben, einem Londoner mit komödiantischer Vergangenheit, gelegen ist, jedenfalls: Die Idee ist gut angekommen und das Eis endgültig gebrochen.

Schön langsam bekomme ich einen Eindruck, was hier noch passieren wird. Jetzt wird es ernst. Jede_r Teilnehmer_in ist eingeladen eine Idee auf der Bühne zu präsentieren. 60 Sekunden. Keine Hilfsmittel. Nur das Mikrofon und Du.
Viele spannende Ideen, aber nur acht der achtzehn präsentierten Cases werden in die nächste Runde kommen. Nach der Wahl, welche Ideen an diesem Wochenende
bearbeitet werden, suchen sich alle Teilnehmer_innen ein Projekt, das sie interessiert und dem sie mit ihrer Fachkompetenz dienen können.

Ich möchte Dir, liebe_r Leser_in, die weiteren Details so weit wie möglich ersparen. Warum? Die nächsten zwei Tage waren sehr anstrengend, wenn auch oft lustig und jedenfalls interessant. Nichts desto trotz zum Erzählen sehr eintönig. Die Entwickler_innen haben sich auf die Produktentwicklung konzentriert, die Designer_innen auf das Design, die Programmierer_innen programmierten und die Wirtschafter_innen recherchierten Marktpotenziale und erstellten Businesspläne.
Und am Ende gab es natürlich auch Sieger_innen und Preise.
Sowohl im Siegerteam (Second Chance) als auch bei den Zweitplatzierten (Who Showers First) sind Frauen treibende Kräfte.

Was können wir daraus für unsere Themengruppen und Arbeitskreise lernen?
Das vorurteilsfreie, offene Miteinander und das Zuhören, auch wenn man anderer Meinung ist? Das positive Zusammenwirken unterschiedlichster Personen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Interessen auf ein gemeinsames Ziel hin? Die Hilfsbereitschaft über die eigene Gruppe hinaus, wenn es woanders gerade zwickt?
Ich glaube, dass wir das alles wissen. Aber ich glaube auch, dass wir uns beständig an diese Fähigkeiten erinnern und sie weiter verbessern müssen, damit dieses einzigartige Projekt  „Themengruppe“ nicht nur weiter Bestand hat, sondern auch als Vorbild über NEOS hinaus wirken kann.