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Über die Relevanz von und in Netzwerken

Dieser Blog berichtet über ein Online-Seminar der Friedrich-Naumann-Stiftung. Im Rahmen eines Online-Chats sprach Christoph Giesa über Netzwerke. Es ging um die Entwicklung vom Familienkapitalismus hin zum Netzwerkkapitalismus und was das für das politische Netzwerken im Allgemeinen bedeuten kann.

Giesa meint, dass sich die Beweggründe, zum Kapitalismus beitragen zu wollen, maßgeblich verändert haben. Stand zu Beginn noch der Familienkapitalismus im Mittelpunkt – also die Dominanz von Familienunternehmen mit dem Ziel, Versorgung und Unabhängigkeit zu sichern sowie die Emanzipation von autoritären Strukturen zu erreichen –, entwickelte sich daraus aufgrund der Möglichkeiten, die die Massenproduktion bot, der Konzernkapitalismus. Im Fokus stand dabei die Optimierung wirtschaftlicher Prozesse. Ende der 1960er-Jahre standen einander damit zwei sehr unterschiedliche Standpunkte gegenüber. Dem einen ging es darum, die Absicherung der Menschen sicherzustellen, die anderen forderten mehr Mitsprache, Transparenz und Vertrauen anstelle von Kontrolle. Daraus entwickelte sich der Netzwerkkapitalismus. Er entstand nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, erst mit dem Aufkommen des Internets, sondern wurde durch das WWW nur verstärkt.

Früher wurden in Unternehmen Prozesse nacheinander und Schritt für Schritt abgewickelt. Heute soll aus vielen Einzelprojekten wirtschaftlicher Erfolg lukriert werden. Vor allem können Projekte Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil sichern. Weil zudem auch meist mehrere Personen parallel an mehreren Projekten arbeiten, entstehen auch neue Hierarchien innerhalb der Organisation eines Unternehmens. Formelle Titel werden zunehmend unwichtiger. Das Prinzip lautet: Wer “gut“ ist, ist wertvoll! Die klassischen hierarchischen Strukturen sind passé. Heute geht es darum, gut vernetzt zu sein, flexibel und stets verfügbar und zuverlässig gute Qualität zu liefern.

Netzwerken bedeutet, über seine Leistung ins Gespräch mit anderen zu kommen. Und wer sein eigenes Netzwerk konsequent ausbaut, bekommt damit nicht nur einen einzigen Zugang zu einem anderen Netzwerk, sondern auch Zugang zu allen anderen Netzwerken, die seine Gesprächspartner_innen bereits aufgebaut haben. Daraus ergeben sich unendliche Um- und Aufstiegschancen im Netzwerkkapitalismus.

Das klassische Netzwerken hat sich in eine Richtung entwickelt, in der Hierarchiestufen nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr geht es um Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauen. Verantwortung für sich selbst übernehmen – das ist ein Erfolgsgeheimnis der Netzwerkökonomie. Ob dieser liberale Wert allerdings schon in der Gesellschaft verankert ist? – Ich denke eher nicht.

  • Schon die Prämisse ist falsch – wo war denn bitte in den 1920er und 1930er Jahren der „Familienkapitalismus“? Den hat es so nach dem 2. Weltkrieg in ganz besonderen politischen Umständen kurzzeitig gegeben – ja. Aber er ist die Ausnahme. Der Monopol-Kapitalismus ist die Regel. Aufgrund der falschen Prämisse ist die folgende abgeleitete Diskussion doch arg verkürzt. Die Deskription ist ja noch richtig – doch die hergestellte Kausalkette schlichter Unsinn. Ich empfehle die Luhmannsche Systemabgrenzung zur Lektüre, gepaart mit Weberscher Arbeitsteilung. Dann kommt man recht rasch zu sozialen Kausalzusammenhängen. So nicht.

    • NEOSLab

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      vielen Dank für Ihre Nachricht! Wir bemühen uns um eine rasche Beantwortung Ihrer Anfrage.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr NEOS Lab

      NEOS Lab – Das liberale Forum
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    • Nicolas Stühlinger

      Danke für ihr Feedback. Ich fand es sehr bereichernd und interessant!
      Dennoch möchte ich gerne nachhacken: Wo sehen Sie die grundlegenden
      Fehler in meiner Kausalkette und wie müsste diese aus Ihrer Sicht
      aussehen?

      • NEOSLab

        Sehr geehrte Damen und Herren,

        vielen Dank für Ihre Nachricht! Wir bemühen uns um eine rasche Beantwortung Ihrer Anfrage.
        Mit freundlichen Grüßen
        Ihr NEOS Lab

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        Ticket-ID: 2265