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Die Wien Holding Jubelstudie: Best of

13.08.2015 Josef Lentsch

Gestern präsentierte die Wiener Finanzstadträtin Renate Brauner die von der Wien Holding in Auftrag gegebene Studie „Die Wien Holding: Wertschöpfung und volkswirtschaftlicher Nutzen“. Damit Sie die 51 Seiten nicht lesen müssen, haben wir für Sie die Highlights zusammen gefasst.

Beginnen wir mit dem Ziel der Studie: „Die Wien Holding prägt in ihren fünf Geschäftsfeldern das Stadtbild und den Standort Wien und schafft einen hohen Mehrwert für ihre ZulieferInnen, Beschäftigten und nicht zuletzt für die BürgerInnen Wiens. Folglich nimmt die Wien Holding bei der Bewältigung der angesprochenen Herausforderungen sowie der Umsetzung und Erreichung der Ziele der Stadt Wien eine zentrale Rolle ein.

Worin dieser Mehrwert besteht und welche volkswirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung der Konzern für Wien hat, soll in der vorliegenden Studie umfassend dargestellt werden.“

Das ist ein sehr interessanter Ausgangspunkt für eine Studie. Das Ergebnis scheint schon im Vorhinein festzustehen.

Dazu passend geht es weiter auf Seite 9 mit „Wirtschaftlicher Erfolg“ (ja das ist die Original-Überschrift aus der Studie), wo Umsatz, „Investitionen“ und Beschäftigte angeführt sind – nicht jedoch Einnahmen und Ausgaben. Deren Einfluss auf wirtschaftlichen Erfolg wird, glaubt man der Studie, weithin überschätzt. Andererseits könnte die Unterschlagung auch darin begründet sein, dass der Ordentliche Konzernbetriebsverlust (EBIT) 2014 bei -€14.4m lag, im Jahr davor bei -€27.7m.

Wir müssen einfach noch mehr Geld ausgeben

Während Verlust natürlich böse ist, sind Investitionen gut. Insbesondere in Zeiten niedrigen Konsums wirken Investitionen zusätzlich stabilisierend auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.“ erklärt uns die Studie dazu auf Seite 13. Zudem gibt es in Zeiten gesamtwirtschaftlicher Unterauslastung auch kein Problem eines Crowding-Outs: Jede zusätzliche Investition generiert Wachstum und Beschäftigung, aber verdrängt keine andere.“ Die Weltwirtschaftskrise gelöst in einem einfachen Satz: Wir müssen einfach noch mehr Geld ausgeben!

Es folgen Passagen, bei denen nicht ganz klar ist, ob die Studienautor_innen sie noch gesehen haben, bevor die PR-Abteilung sie geschrieben hat. (Wer den Text der Studie mit der Website vergleichen will, von der er teilweise 1:1 abgeschrieben ist, kann sich hier auf Plagiatssuche machen; oder sich hier einen direkten Vergleich ansehen).

„Bei der Wien Holding wird auf das wichtigste Zukunftskapital – das Humankapital – geachtet und in die Qualität der Arbeitsplätze sowie in die Weiterbildung der Beschäftigten investiert.“

„Das konzernweite Aus- und Weiterbildungsangebot ermöglicht den MitarbeiterInnen nicht nur eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen, sondern ist auch eine nachhaltige Investition in den zukünftigen Erfolg des Konzerns.“

Und so weiter, und so fort.

Kritik zeigt Wirkung

Wenn sich an dieser Stelle jemand fragt, ob die zig Millionen (aber nicht näher bezifferbaren, weil intransparenten) Schulden Erwähnung finden, oder das vom Rechnungshof attestierte Chaos im Wiener Firmengeflecht: Das ist nicht der Fall. Tatsächlich wird das Wort Schulden nicht einmal auf den 51 Seiten erwähnt.

Dafür legt die Studie mutig den Finger in die Wunde Wiener Wohnbaupolitik: „…es wird zunehmend wichtig werden, leistbaren gemeinnützigen Wohnraum gerade für diese Bevölkerungsgruppen zu schaffen ohne gleichzeitig Ghettoisierungen zu erzeugen.“ Und die Kritik verhallt nicht ungehört: schließlich hat Bürgermeister Häupl erst kurz vor Erscheinen der Studie eine Wohnbauoffensive angekündigt.

Die wissenschaftliche conclusio nach 51 informativen und inhaltlich dichten Seiten? Keine – der Text endet einfach. Es bedarf aber auch keiner weiteren Erklärung, schließlich stand das Ergebnis schon am Anfang fest: „Der Erfolg gibt der Stadt recht“, und „Wien Holding schafft Mehrwert.“

Gut zu wissen. Hätte man aber auch inserieren können.

 

Danke an Michael Landl und Thomas Teltscher für die Unterstützung bei der Recherche.