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Zeit, dass die Jungen endlich aufstehen

Vor über 4 Monaten war ein Großteil der Österreicher_innen über Länder-, Ausbildungs- und Altersgrenzen über den Ausgang Brexit-Referendums geschockt, oder zumindest von diesem deutlich Ergebnis überrascht. An diesem Donnerstag im Juni 2016 votierten die Briten mit 52% für den Brexit, also den Austritt aus der Europäischen Union. Erste Analysen wiesen stark auf ein Stadt-Land und einen Unterschied im Bildungsniveau hin. Doch wirft man einen genaueren Blick auf die Ergebnisse, so zeigt sich vor allem ein deutlicher Riss zwischen dem Votum der älteren Generation und dem der Jungen. So entschieden sich rund 2/3 der jungen Generation für den Verbleib, aber rund 60% der Älteren für den Rückzug aus der EU. Sehr schnell wurden erste Zweifel an der Darstellung der veröffentlichten Zahlen geäußert, manche stellten auch die Jungen an den Pranger, da sie in ihren Augen in zu geringen Zahlen den Urnen gepilgert zu waren. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: von den jungen Wählern nahmen bei den 18-24-Jähringen rund 64% am Referendum teil, aber allerdings auch 90% der über 65-Jährigen. Natürlich lässt sich nun über Mobilisierung der Jungen diskutieren, aber dennoch bleibt die demographische Gleichung einfach: mehr Alte heißt mehr Stimmen, heißt Entscheidungshoheit. Dass in diesem Fall die ältere Generation über die Zukunft der Jungen entschieden hat, ist nicht nur nicht generationengerecht, sondern ein Schlag in das Gesicht der nächsten Generation.

Ebenso wirkt nun das Ergebnis der Amerikanischen Präsidentschaftswahl. Laut Analysen des Nachrichtensenders CNN zeigen sich Parallelen zum Brexit-Votum. Auch hier gab es ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land, sowie im Ausbildungsgrad. Aber gleichzeitig gab es erneut einen Unterschied zwischen den Generationen. Votierten 55% der 18-24-Jährigen für Clinton, so hatte Trump eine Mehrheit bei 50-64-Jährigen und den 65+Jährigen. Erneut also überstimmte die ältere Generation die Jungen. Trumps Zweifel am Klimawandel, dem wohl zentralen Thema für zukünftige Generationen und wohl nur ein Vorgeschmack auf weitere nicht-generationengerechte politische Entscheidungen des zukünftigen Präsidenten, zeigt nur ein Handlungsfeld, in welchem die ältere Generation ihre Entscheidungsmacht nützt um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Der Blick auf mögliche Neuwahlen in Österreich gibt nicht viel Hoffnung auf eine Änderung im Wählerverhalten der älteren Generation. Mit der andauernden Beschwichtigungspolitik der Altparteien, sowie der Refromunwilligkeit der etablierten Parteien bedient die aktuelle Politik mit Reförmchen das eigene Klientel bzw. die ältere Generation. Und zum Dank wählen die älteren Wahlberechtigten weiterhin die Parteien, die Politik auf Kosten der Jungen machen. Die Interessen der Jungen bleiben wiederum auf der Straße.

Lösungen zu diesem demokratischen Dilemma werden bisher nur wenig diskutiert. Die Argumente der Jungen reichten bisher von gewichteten Stimmen bis hin zum Stimmenentzug für die ältere Generation. Doch wenig wurde bisher über die eigene stoische Obrigkeitshöhrigkeit und das fehlende politische Engagement gesprochen. Die Jungen dürfen nicht länger dabei zusehen, wie die ältere Generation Politik auf Kosten der nächsten Generationen legitimiert. Nicht  nur müssen sie mit ihren Beiträge das Sozial- und Gesundheitssystem am Leben halten, sondern tragen ältere Wahlberechtigte durch ihr Stimmverhalten zu einer höheren Staatsverschuldung bei. Und nicht nur, dass hier die Chancengerechtigkeit der Jungen beschnitten wird, sondern auch die doppelte Bürde für die aktuelle junge Generation wird  nicht in Frage gestellt.

Die Jungen müssen aufhören sich politisch auf dem Sofa zu engagieren und im Glauben an Allmacht von sozialen Medien und geschützten Diskussionsrahmen Politik mitzugestalten. Politik bedeutet aufzustehen, sich für die eigenen Überzeugungen einzusetzen, Kanten zu zeigen und sich aktiv mit anderen Meinungen auseinanderzusetzten. Das sollte nicht nur online passieren, sondern speziell im öffentlichen Raum und im öffentlichen Diskurs. Möglichkeiten gibt es viele, von der aktiven Teilnahme an Familiendiskussionen und der Verteidigung der eigenen Positionen, über ein Engagement in der Studierendenpolitik bis hin zur Gründung einer eigenen Partei. Die Impulse dazu gibt es nun zur Genüge, die Frage ist nur wann endlich der Funke überspringt.