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Zum Tode eines Lehrers

26.09.2014 Josef Lentsch

Es gibt schlechte Nachrichten, die treffen einen direkt ins Herz. Und es gibt schlechte Nachrichten, die berühren einen auf unvermutete Weise.

Ich war heute erst getroffen, und dann auf unvermutete Weise berührt, als ich im Facebook-Stream eines Freundes las dass der Künstler Johannes Haider nach einem Sturz in seinem Haus gestorben ist. Johannes war in der Oberstufe mein Zeichenlehrer.

Quelle: http://www.artfacts.net/en/exhibition/johannes-haider-poiesis-in-kupfer-kaltnadel-neue-arbeiten-234052/artwork/untitled-20799.html
Johannes Haider: Poiesis in Kupfer

Mir scheint es gibt zwei Arten von Lehrer_innen die für das spätere Leben wichtig sind: diejenigen die einen dazu bringen Techniken und Fachwissen zu lernen, und diejenigen die zu Kreativität und Poesie ermutigen. Johannes gehörte zu zweiteren.

Ich war nie ein guter Zeichner und bin es bis heute nicht. Aber ich hatte Freude daran Dinge gestalterisch zu arrangieren. Deshalb habe ich irgendwann begonnen mit Collagen herumzuspielen.

Am Lehrplan stand das nicht, aber Johannes ließ mich gewähren, ermutigte mich zu experimentieren, ermöglichte mir in der Schule auszustellen. Keines dieser Bilder steht heute in einer Galerie, und das ist auch gut so. Trotzdem fühle ich mich noch heute bestärkt, gerade weil Zeichnen keine Stärke von mir war.

Sich authentisch und kreativ auszudrücken macht verletzlich, ob wir nun 15 oder 75 sind. Genau diese Verletzlichkeit bietet Chance zur Entwicklung. Für diese Entwicklung braucht es einen geschützten Rahmen, wo wir uns ausprobieren können, aus unserer Komfortzone heraustreten können, und wo wir glorios scheitern können, ohne dafür heruntergemacht zu werden.

Ich danke dir Johannes, und allen Lehrer_innen, die das Kindern und Jugendlichen Tag für Tag und Jahr für Jahr ermöglichen.

Ruhe in Frieden.