Bildung auf den zweiten Blick: Österreich ist anders
Die jährlich erscheinenden OECD-Berichte „Bildung auf einen Blick“ liefern den umfassendsten datenbasierten Überblick über die Bildungssysteme der OECD-Staaten. In diesem Blog wollen wir weitere, für Österreich bedeutsame, Zahlen präsentieren, die weniger stark medial rezipiert wurden.
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1. Bildungsausgaben: It’s complicated
Während Österreich zwar zu jenen OECD-Ländern gehört, die in Summe pro Kopf sehr hohe Bildungsausgaben aufweisen, nämlich 20.942 US-Dollar – nur in Norwegen und Luxemburg ist dieser Betrag noch höher – gilt das für die Bildungsausgaben in Prozent des BIP nicht. Bei den Ausgaben für Bildungsinstitutionen liegt Österreich im OECD-Schnitt von 4,7 Prozent des BIP.
Was jedoch auffällt, ist die Ressourcenverteilung: Während Elementarbildung und Primarstufe wenig Mittel erhalten (0,8 bzw 1 Prozent des BIP) liegen die Beträge bei den Sekundarstufen und der tertiären Bildung bei 1,9 bzw 1,8 Prozent des BIP. Auffällig: Länder, die bei den PISA-Studien besser abschneiden als Österreich – Finnland, Estland – investieren tendenziell auch mehr in die Elementarbildung und die Primarstufe.
2. Im internationalen Spitzenfeld ... beim Sitzenbleiben
Die „Disziplin“, in der Österreich fast einen „Stockerlplatz“ ergattert hat, ist jedoch eine wenig prestigeträchtige. Beim Anteil der Schüler:innen, die älter sind als ihre Klassenkamerad:innen – etwa durch Klassenwiederholungen – gehören wir zum internationalen Spitzenfeld.
Das hat mehrere Gründe. Einerseits durch den seit 2015 gestiegenen Anteil an „außerordentlichen“ Schüler:innen, aber auch durch die in Österreich noch relativ weit verbreitete Praxis des „Sitzenbleibens“, die es in dieser Form nicht mehr in allen OECD-Ländern gibt und die auch pädagogisch umstritten ist.
3. Bei den Grundkompetenzen gibt es Entwicklungsbedarf
Kein besonders gutes Zeugnis erhält das österreichische Bildungssystem im Zusammenhang mit den durchschnittlichen Lesekompetenzen. Diese werden freilich bei Erwachsenen erhoben, von denen nicht alle durch das österreichische Schulsystem gegangen sind. Insgesamt sind die Zahlen jedoch ernüchternd.
Bei den Lesekompetenzen liegt Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt und weit hinter PISA-Gewinnerländern wie Estland und Finnland. Besonders gering sind die Lesekompetenzen bei jenen, deren höchster Bildungsabschluss unterhalb der Sekundarstufe I liegt.
4. Die Uni ist nicht der einzige Weg zu einem guten Einkommen
Österreich ist speziell, allerdings in einem positiven Sinn. Neben Norwegen ist die Alpenrepublik das einzige Land, in welchem kein akademischer Abschluss nötig ist, um überdurchschnittlich zu verdienen.
Absolvent:innen tertiärer Kurzausbildungen – d.h. von nach der Lehre absolvierten Aufbaulehrgängen oder Meisterschulen – verdienen im Durchschnitt besser als Hochschulabsolvent:innen mit BA-Abschluss. Das liegt einerseits an der zwar kriselnden, aber weiterhin relativ gut funktionierenden dualen Ausbildung, andererseits aber auch daran, dass der Bachelorabschluss in Österreich eher einen „Durchgangscharakter“ hat, der in der Regel dazu erworben wird, um eine weitere hochschulische Ausbildung absolvieren zu können.
Fazit
Aus den OECD-Zahlen ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen. Einerseits dass die Verteilung der öffentlichen Mittel im Schulsystem auf Basis ihrer Effektivität evaluiert werden sollten. Länder mit erfolgreichen Bildungssystemen investieren mehr in Elementar- und Primarbildung als Österreich. Andererseits scheint das Sitzenbleiben keinen bedeutsamen Effekt auf die Grundkompetenzen in der Erwachsenenbevölkerung zu haben.
Zuletzt ist aber auch zu sagen, dass Österreich in Sachen beruflicher Bildung auch Dinge richtig macht, indem ein formaler „Bildungsaufstieg“ nicht zwingend für einen ökonomischen Aufstieg erforderlich ist. Und das ist am Ende des Tages eine gute Nachricht.
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