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Warum für Frauen in der Politik die Hürden größer sind
Vom Gesetz her sind Frauen gleichberechtigt, jedes Amt steht Männern und Frauen gleichermaßen offen. Trotzdem finden sich wesentlich weniger Frauen als Männer in politischen Entscheidungspositionen. Dieter Feierabend und die NEOS-Frauenkonferenz haben einige Gründe dafür herausgearbeitet.

© Canva/Ö. Parlament (Montage)
1. Normen und Stereotype wirken lange nach
Gesellschaftliche Normen und Rollenbilder prägen, wie Politik wahrgenommen wird: Führungspositionen gelten traditionell als männlich, Frauen werden eher mit Fürsorge oder sozialen Themen assoziiert. Diese Normen wirken früh und beeinflussen, wie Frauen ihre eigenen Chancen einschätzen.
Das hat direkte Folgen für die politische Ambition: Frauen bewerben sich seltener, weil sie ihre Qualifikation für Ämter oft niedriger einschätzen und weniger Ermutigung erhalten. Parallel wirken Stereotype und öffentliche Wahrnehmung: Frauen werden als empathisch, aber weniger kompetent in Führungsrollen gesehen; Männer dagegen als durchsetzungsstark und führungsfähig. Medienberichte verstärken diese Unterschiede zusätzlich.
Für Wählerinnen und Wähler bedeutet das, dass weibliche Kandidatinnen kritischer bewertet werden, besonders in Bereichen, die traditionell männlich konnotiert sind. Die Kombination aus geringerer Kandidaturbereitschaft und bewertungsbedingtem Nachteil führt zu anhaltender Unterrepräsentation von Frauen in politischen Ämtern.
Kurz gesagt: Normen und Stereotype wirken gleichzeitig auf Angebot und Nachfrage – sie beeinflussen, wer kandidiert und wie Kandidatinnen bewertet werden. Um Gleichstellung zu fördern, müssen beide Mechanismen adressiert werden.
2. Frauen werden kritischer beurteilt
Wähler:innen schätzen Kandidat:nnen oft nach ersten Eindrücken ein, etwa wie kompetent, freundlich oder attraktiv sie wirken – und diese Einschätzungen hängen vom Geschlecht ab. Frauen werden zudem häufiger als weniger überzeugend eingeschätzt, selbst bei gleicher Kompetenz. Außerdem spielt die politische Orientierung eine Rolle: Anhänger:innen linker Parteien bevorzugen eher weibliche Kandidatinnen, während Anhänger:innen rechter Parteien männliche Kandidaten bevorzugen. Genderbias ist also nicht bei allen gleich, sondern hängt vom Kontext ab. Diese Faktoren sind übrigens stärker als psychologische.
3. Frauen beurteilen sich selbst kritischer
Forschung aus den USA und mehreren europäischen Ländern (z.B. Finnland, Italien, Deutschland) bestätigt, dass Frauen seltener von sich aus Kandidaturen in Betracht ziehen, selbst wenn sie ähnliche Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale wie Männer besitzen. Insgesamt deutet das darauf hin, dass Persönlichkeit die Ambition und den Auswahlprozess beeinflusst, jedoch nicht allein den geschlechtsspezifischen Unterschied im Interesse erklärt.
4. Frauen sind verstärkt Hass und Drohungen ausgesetzt
Studien zeigen, dass Politikerinnen häufiger als Politiker von digitaler, oft sexualisierter, Gewalt betroffen sind. Politikerinnen werden oft nicht rein wegen ihrer Politik, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie weiblich sind, gezielt abgewertet, angefeindet und bedroht. Oft beziehen sich diese Abwertungen auf ihr Äußeres. Diese Tatsache wiederum hält viele Frauen davon ab, in die Politik zu gehen.
5. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Frauen ein größeres Problem
Die Rahmenbedingungen in der Politik sind oft alles andere als familienfreundlich: Verhandlungen bis tief in die Nacht, unregelmäßige Arbeitszeiten, viele Reisen. Dazu kommt, dass für Politikerinnen oft weder Mutterschutz noch Karenz vorgesehen sind.
Zum Weiterlesen
Frauen und Politik: Wie die Macht verteilt ist
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