Warum für Frauen in der Politik die Hürden größer sind
Wie kommen mehr Frauen an die Macht?
Der Anteil von Frauen in der Politik ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Das allein garantiert aber keine politische Wirkung. Entscheidend ist, wer die Macht tatsächlich ausübt. Dieser Text basiert auf einer Analyse von Dieter Feierabend, NEOS Data Scientist.
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© Andy Wenzel/BKA, NEOS Lab (Montage)
Fast überall auf der Welt besteht die Bevölkerung etwa zur Hälfte aus Frauen und zur Hälfte aus Männern. Bei der Aufteilung von politischen Ämtern zeigt sich schnell, ob die Macht tatsächlich die Gesellschaft widerspiegelt – oder ob bestimmte Perspektiven systematisch fehlen.
Im österreichischen Nationalrat sehen wir seit 1945 einen deutlichen Strukturwandel. Über mehrere Jahrzehnte hinweg lag der Anteil von Frauen unter zehn Prozent. Erst ab den 1980er und insbesondere 1990er Jahren setzt ein kontinuierlicher Anstieg ein. In den letzten Jahren stabilisiert sich der Frauenanteil bei rund einem Drittel der Mandate – aktuell liegt er bei etwa 36 Prozent. Das zeigt: Es gab deutliche Fortschritte, aber von halbe-halbe sind wir noch weit entfernt.
Auch zwischen den einzelnen Parteien sehen wir deutliche Unterschiede.
Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei der Bundesregierung. In den letzten zehn Jahren schwankt der Frauenanteil stärker als im Parlament. Während er 2019 mit rund 50 Prozent einen Höchststand erreichte, liegt er in den letzten Jahren wieder etwas darunter, bei etwa 44 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Exekutive stärker von koalitionspolitischen Konstellationen und personellen Entscheidungen abhängt als die parlamentarische Repräsentation.
Auf Landesebene sehen wir ein ähnliches Muster: Zwar ist der Frauenanteil in den Landtagen insgesamt mit rund 36 Prozent relativ ähnlich und im zeitlichen Verlauf leicht steigend, jedoch bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Besonders in Vorarlberg und Tirol sind viele Frauen vertreten, während Kärnten deutlich darunter liegt.
In den Landesregierungen liegt der durchschnittliche Frauenanteil bei etwa 37 Prozent, wobei zwischen den den einzelnen Bundesländern große Unterschiede bestehen. Das deutet darauf hin, dass auch auf Exekutivebene der Länder die Repräsentation von Frauen zwar fortgeschritten, aber nicht einheitlich ist.
Im Jahr 2024 gab es in Österreich insgesamt rund 2.100 Gemeinden. Statistiken zur Verteilung von Gemeinderät:innen sind leider nicht verfügbar, jedoch Zahlen zur Repräsentation der lokalen Exekutive. Nur etwa 11 Prozent der Bürgermeisterämter sind von Frauen besetzt. Auch bei den Vizebürgermeisterinnen ist der Anteil mit rund 24 Prozent relativ gering. Diese Werte verdeutlichen: Während auf parlamentarischer Ebene deutliche Fortschritte zu verzeichnen sind, sind Frauen in den höchsten kommunalen Funktionen nach wie vor stark unterrepräsentiert.
Diese niedrigen Anteile auf kommunaler Exekutivebene spiegeln strukturelle Barrieren wider: Entscheidungspositionen, die politisches Kapital und Sichtbarkeit schaffen, sind für Frauen deutlich schwerer zu erreichen als Mandate im Gemeinderat oder Landtag. Das hat Auswirkungen auf Repräsentationsqualität und die politische Sozialisation vor Ort.
Zusammengefasst zeigen die drei Ebenen ein differenziertes Bild: Während Frauen im Parlament und in Landesparlamenten im Laufe der Zeit deutliche Fortschritte gemacht haben und heute – wenn auch nicht 50 Prozent – immerhin ein Drittel der Mandate stellen, bleibt die Repräsentation in höchsten politischen Führungspositionen – insbesondere auf kommunaler Exekutivebene – deutlich hinter dem Geschlechterverhältnis der Bevölkerung zurück. Dies legt nahe, dass strukturelle Barrieren je nach institutioneller Ebene unterschiedlich wirksam sind und dass politische Gleichstellung nicht nur eine Frage quantitativer Anwesenheit, sondern auch qualitativer Zugänge zu Machtpositionen ist.
Studien zeigen, dass ein Frauenanteil von 30–40 Prozent häufig als Schwellenwert gilt, ab dem sich politischer Stil und Agenda spürbar verändern.Dieter Feierabend
NEOS Data Scientist
Quizfrage: Welches Land hat den höchsten Frauenanteil im Parlament? Na, wer hätte gewusst, dass es Ruanda ist?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass ein hoher Frauenanteil automatisch politische Wirkung erzeugt. Der Vergleich mit dem Demokratieindex zeigt jedoch ein anderes Bild: Schweden kombiniert hohen Frauenanteil mit starker demokratischer Qualität, während Ruanda und Kuba trotz hoher Frauenanteile niedrige Demokratiewerte aufweisen.
Frauenanteile im Parlament sind wichtig für Repräsentation, garantieren aber keine politische Wirkung, wenn die Entscheidungsmacht anderswo konzentriert ist.Dieter Feierabend
NEOS Data Scientist
Auch die österreichische Bundesregierung liefert Beispiele dafür, dass ein hoher Frauenanteil allein nicht reicht. Die Regierung Kurz I hatte den bisher höchsten Anteil von Frauen in einer österreichischen Bundesregierung. Chats über „steuerbare Weiber“ und „Scheißquote“ ließen aber Zweifel aufkommen, dass Gleichberechtigung dabei das Ziel war, und eine Frauenministerin, die sich selbst ausdrücklich nicht als Feministin bezeichnete, zeugte nicht von einer modernen Frauenpolitik.
Warum für Frauen die Hürden in der Politik größer sind und wie dennoch mehr Frauen in die Politik kommen und dort auch wirksam werden können, schauen wir uns in den nächsten Teilen an.