gasimporte & Österreichs abhängigkeit

Österreich bleibt im russischen Beifahrersitz, die Vollbremsung droht

25. Juli 2022
Lukas Sustala

In den ersten Monaten von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, ist der Anteil russischer Gasimporte in Österreich sogar noch gestiegen, zeigen Daten der Außenhandelsstatistik. 
Von Lukas Sustala

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Der 24. Februar 2022 hat nicht nur sicherheitspolitisch eine Zeitenwende eingeleitet, sondern auch energiepolitisch. Spätestens seit diesem Tag ist klar und offensichtlich, dass Russland kein verlässlicher Partner mehr ist. Der Kriegsbeginn war der klare Beweis dafür, dass die bereits 2021 gedrosselten Lieferungen russischen Gases sowie die leeren Gazprom-Speicher in Europa kein Zufall waren. Sie waren vielmehr der Versuch, die eigenen Gasexporte zum maximal wirksamen Druckmittel zu machen.

Noch abhängiger von Russland

In Österreich aber hat der 24. Februar überraschenderweise noch keine wirkliche Wende eingeleitet. Darauf deuten die letzten verfügbaren Daten der Außenhandelsstatistik an. Österreich ist jenes EU-Industrieland mit der höchsten Abhängigkeit von russischen Gasimporten. Rund 80% der importierten Gasmenge stammt aus Russland, damit hat man sich auch nach der Annexion der Krim 2014 noch einmal abhängiger gemacht. Und nach dem 24. Februar 2022 blieb man auch weiter im Beifahrersitz Russlands. Denn die aktuellsten Daten zeigen, dass Österreichs Gasimporte auch nach Kriegsbeginn, in den Monaten März und April, massiv auf die russische Karte gesetzt wurde. Während Robert Habeck im April bereits verkündetete, dass der Importanteil Russlands in Deutschland von 55 auf 35 Prozent reduziert werden konnte, stieg er in Österreich noch einmal an. Von 78 Prozent im Jänner auf 87 Prozent im April. 

Alleine im Monat April wurden damit erstmals mehr als 800 Millionen Euro in nur einem Monat für russische Importe überwiesen. Das treibt die Inflation in Österreich natürlich massiv an. 5,6 Milliarden Euro wurden in den vergangenen 12 Monate für Gasimporte aus Russland gezahlt. In den zwölf Monaten zuvor waren es noch 1,6 Milliarden Euro. Das bringt natürlich auf absehbare Zeit deutlich höhere Großhandels- und Industriepreise mit sich. Damit werden die Inputkosten für die Strom- und Wärmeproduktion, aber auch für die Papier- oder die chemische Industrie massiv steigen.

In einem zweiten Schritt droht aber auch eine Teuerungswelle für die Haushalte. Wie hoch diese noch ausfallen wird, hängt ein wenig davon ab, inwieweit sich die Marktpreise auch wieder entspannen. Doch angesichts der russischen Taktik, die Unsicherheit im Euroraum maximal hoch zu halten – und die Gasflüsse dementsprechend niedrig –, drohen noch länger hohe Preise. Damit dürften private Haushalte in den kommenden Monaten nicht nur höhere Strom- und Gas-Vorschreibungen für die nächste Zeit erhalten, sondern auch empfindliche Preissteigerungen in allen Bereichen, die von den Energiekosten betroffen sind.

Was in der politischen Debatte oft zu kurz kommt, ist dass die Teuerungswelle für die Haushalte stark verzögert ist. Aktuell sind die Futures, also die Finanzkontrakte für künftige Gaslieferungen, auch für den kommenden Winter und das Frühjahr um ein Vielfaches höher als noch zu Jahresbeginn 2021. Die Gaspreise für die Verbraucher hingegen haben sich im Juni zwar bereits um 71% im Vergleich zum Vorjahr verteuert, gemessen am Verbraucherpreisindex. Doch angesichts der Verzehnfachung der Großhandelspreise werden auch die Verbraucherpreise noch deutlich steigen.

Wenn also dieser Tage die Bundesregierung das Ziel ausgibt, dass die Diversifizierung der Gasquellen oberste Priorität hat, dann stimmt das zwar einerseits, aber davon ist andererseits noch sehr wenig zu sehen. So oder so ist klar, dass die extrem stark gestiegenen Gaspreise in Österreich eine besonders große Rolle spielen, weil die heimische Volkswirtschaft einen recht großen Teil des Energiebedarfs mit Gas deckt (Siehe auch IWF, 2022).

Für das hohe Gasspeicher-Ziel von 80 Prozent vor der nächsten Heizsaison wird es also jedenfalls teuer, aber vielleicht sogar knapp. Denn seit Juni sind die gelieferten Gasmengen durch Russland merklich gebremst worden. Speicherziele werden so wesentlich schwieriger zu erreichen. Und wenn nicht genug bis zum 1. Oktober eingespeichert werden kann, dann ist absehbar, dass im Falle eines vollständigen russischen Lieferstopps mit Knappheiten zu rechnen ist. Das heißt nichts anderes, als dass es in einigen Bereichen der österreichischen Volkswirtschaft zu Vollbremsungen kommen wird, zu Produktionsausfällen und zu deutlichen Preissteigerungen bei den so betroffenen Produkten.