Starker Start: Unverzichtbare Kompetenzen als Wirtschaftsfaktor
Am Ende der Volksschule kann rund ein Fünftel der Kinder nicht altersentsprechend lesen. Mangelnde Grundkompetenzen kann sich Österreich aus drei Gründen nicht leisten: Sie sind ein bildungs- und sozialpolitisches Problem, aber auch ein Hemmschuh für die Wirtschaft. Eine Analyse von Clemens Ableidinger.

© KI-generiert
Ein bekanntes, John F. Kennedy zugeschriebenes Zitat besagt, dass es nur eine politische Maßnahme gibt, die teurer ist als Investitionen in die Bildung, nämlich keine Investitionen in die Bildung. Kennedy hat damit auch zweifellos recht. Die Daten, die die OECD in den letzten Jahrzehnten erhoben hat, zeigen jedoch, dass das in der Realität oft schwieriger ist, als es klingt. Und in Zeiten knapper Budgets gilt das doppelt.
So stellt eine OECD-Studie aus dem Jahr 2015 fest, dass die Verbesserung des Schulzugangs in vielen Ländern zwar zu einer Erhöhung des Bevölkerungsanteils geführt hat, der eine Schule besucht hat. Gleichzeitig ging mit den höheren Schüler:innenzahlen nicht überall auch positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen einher. Die Erkenntnis der Autor:innen: Wenn bildungspolitische Entscheidungen nicht ausreichend ergebnisorientiert sind, also die wichtigen Kompetenzen in den Blick nehmen, die ein Bildungssystem jedenfalls vermitteln sollen, kann auch eine Bildungsexpansion ineffektiv sein.
Inklusives Wachstum
Die Studienautoren – der deutsche Bildungsökonom Ludger Wößmann und der amerikanische Ökonom Eric Hanushek – nennen das Wachstum, das durch die Entwicklung von absoluten, universellen Grundkompetenzen – Universal Basic Skills – entstehen würde, „inklusives Wachstum“. Der Grund ist, dass mit der Entwicklung von Grundkompetenzen in jenen Bevölkerungsgruppen, die derzeit nicht über diese verfügen, sich auch deren Einkommen erhöhen und damit Ungleichheiten reduzieren würden.
Ihre Empfehlung, die sich vor allem an Schwellenländer richtet, lautet, dass ein stärkerer Fokus auf Ergebnisse dazu beitragen würde, das Kompetenzniveau von Schulabgänger:innen zu (er-)heben und gezielte Maßnahmen zu deren Verbesserungen zu erlassen. Österreich verfügt mit dem Bildungsmonitoring und dem sich entwickelnden Bildungsinformationssystem bereits über Werkzeuge, die auch auf die Erhebung des Kompetenzniveaus in unterschiedlichen Schultypen abzielen. Noch ist die Zugänglichkeit dieser Daten jedoch stark eingeschränkt, und die erhobenen Kompetenzen sind mit den Universal Basic Skills, mit denen die OECD arbeitet, nicht deckungsgleich.
Chancen
Trotzdem stellte die Einführung des Bildungsmonitors und des Bildungsinformationssystems einen wichtigen Schritt nach vorne dar. Denn Ergebnisorientierung und Verbesserung der Grundkompetenzen bieten auch für Österreich große wirtschaftliche Chancen, und das schon ab der Volksschule.
Denn schon am Ende der Volksschule sind Ungleichheiten bei den erreichten Kompetenzen messbar. 2021 verfügte rund ein Fünftel aller Kinder der 4. Schulstufe über niedrige Lesekompetenzen (PIRLS-Stufen unter 1 bzw. Stufe 1). Das ist gegenüber dem Jahr 2016 eine Verschlechterung von fünf Prozentpunkten. Hier schlummert ökonomisches Potenzial.
Hanushek und Wössmann haben nämlich errechnet, dass allein durch ein Heben der gesamten Bevölkerung auf mindestens Kompetenzstufe 1 der OECD-Skala enorme Wachstumseffekte hätte. Und das auch in reichen Industrieländern wie Österreich. In ihrem OECD-Bericht gehen sie für Österreich davon aus, dass sich das BIP bis zum Ende des Jahrhunderts verdoppeln könnte, wenn alle in Österreich lebenden Menschen mindestens Stufe 1 im Lesen, Rechnen und im adaptiven Problemlösen erreichen würden. Über die Unverzichtbaren Kompetenzen zu sprechen, ist daher gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht unverzichtbar.
%20-%20WEBSITE%20KOPFZEILE.png)
-4654x4655-1920x1920.jpg)

-1600x899-1600x899.jpg)
-1600x899-1600x899.jpg)