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Warum sich niedrigere Inflation doppelt rechnet

Österreich hat ein Inflationsproblem hinter sich. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat nun seine Inflationsprognosen für 2026 und 2027 nach unten revidiert – ein Silberstreif am Horizont. Warum eine niedrigere Teuerung in Österreich ein so wichtiges wirtschaftspolitisches Signal ist: Es geht nicht nur um Kaufkraft, sondern auch um Wettbewerbsfähigkeit. 

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© KI

Wie unpopulär Inflation ist, das zeigt sich schon daran, wie über sie gesprochen wird. In den 1970er Jahren hat der US-Ökonom Arthur Okun den „Misery Index“, den Elendsindex, popularisiert. Das Ziel war es, die wirtschaftspolitische Debatte auf zwei Kernthemen zu fokussieren: Inflation und Arbeitslosigkeit. Der Elendsindex ist daher nichts anderes als die Summe der Inflationsrate als Summe aller Veränderungen der Preise in einer Volkswirtschaft und der Arbeitslosenrate als Indikator für den Zustand des Arbeitsmarkts.

Die Inflation sinkt

Österreich hatte die vergangenen Jahre ein vergleichsweise großes „Elend“. Vor allem die Inflationsrate war nicht nur historisch hoch, sondern auch relativ zu anderen EU-Ländern überdurchschnittlich. Das haben wir regelmäßig thematisiert, etwa hier.

Nun hat das Institut für Höhere Studien, das mit dem IHS-Preismonitor eines der zentralen Werkzeuge zur aktuellen Einschätzung der Preislage geschaffen hat, eine neue, niedrigere Inflationsprognose erstellt. Und siehe da: Österreichs Inflation wird 2026 und 2027 niedriger ausfallen, und zwar mit 2,2 bzw. 2,0 Prozent (Kurier). Das ist insofern bemerkenswert, weil die Inflationsrate in Österreich damit 2027 erstmals auf den Euro-Schnitt (und das EZB-Inflationsziel) von 2 Prozent sinken dürfte.

Was steckt nun hinter der niedrigeren Prognose? Erstens: Basiseffekte aus 2024. Die extremen Steigerungen durch das Auslaufen teurer Energiepreissubventionen fallen aus dem Vergleich. Allein dadurch sinken die gemessenen Inflationsraten.

Zweitens: Gezielte Entlastungen wirken direkt auf den Preisindex. Die Senkung der Mehrwertsteuer, die zu vielen Detaildiskussionen (etwa über Quitten) geführt hat, bringt rund 0,15 Prozentpunkte weniger Inflation. Auch die Senkung der Elektrizitätsabgabe reduziert Preisauftrieb bei den Energiepreisen.

Kurz zusammengefasst: Die niedrigere Inflation kommt nicht aus dem Nichts. Sie ist das Ergebnis aus statistischen Effekten, dem Ende ineffizienter Maßnahmen und punktuellen, preissensitiven Entlastungen. 

Zu früh für Entwarnung

Aber: Die Risiken bleiben real. So fällt auch die Kerninflationsrate (ohne Energie und Lebensmittel). Laut IHS liegt sie 2027 bei 2,4 Prozent, deutlich niedriger als die 3,2 Prozent vom Vorjahr (OeNB). Aber sie bleibt auch weiterhin über den anvisierten 2 Prozent Inflationsziel von der EZB. Dafür sorgen auch die hohen Personalkosten der Vergangenheit.

Vollständige Entwarnung wäre jedenfalls falsch. Die jüngsten Preisschwünge an den Energie-Großmärkten – ausgelöst durch einen kalten Winter und höhere Nachfrage – zeigen, wie fragil die Lage etwa bei den wichtigen Energiepreisen ist. Energie bleibt ein wichtiger Inflationshebel. Ein externer Schock kann Prognosen also wieder kippen lassen. 

Warum niedrigere Inflation für Österreich besonders wichtig ist

Dass die Teuerung anhaltend niedriger ausfällt, ist aber wichtig. Der Grund ist strukturell. Denn Österreich indexiert viel. Löhne, Pensionen, Sozialleistungen, Gebühren, Mieten – vieles passt sich automatisch an die Inflation an. Das stabilisiert kurzfristig Einkommen. Es verfestigt aber auch Preisschocks. Hohe Inflation wird so schnell zu einem dauerhaften Kostenproblem.

Der Export im Jahr 2026 leidet immer noch unter dem Inflationsaufschlag seit 2020. Österreich hatte in den vergangenen Jahren einen überdurchschnittlich hohen Inflationspfad. Das verteuert heimische Produkte im Ausland. Dieser Preisnachteil verschwindet nicht von selbst. Eigentlich bräuchte es jetzt das Gegenteil: eine Phase niedriger Inflation, um den „Inflationsaufschlag“ schrittweise zu korrigieren. Oder eine Phase hohen Produktivitätszuwachs, um die hohen Preise zu kompensieren.

Die hohe Inflation hat auch das Vertrauen getroffen. Seit 2022 sehen zwischen 90 und 96 Prozent der Österreicher die Preisentwicklung negativ. Die hohe Teuerung war lange einer der zentralen Gründe für die Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik. Und sie erklärt, warum Konsument:innen trotz hoher Lohnabschlüsse zurückhaltend geblieben sind. Wer an der Supermarktkasse merkt, dass das Leben teurer bleibt, spart – selbst wenn das Einkommen nominell steigt.

Die doppelte Dividende niedriger Inflation

Daher gilt, dass eine niedrigere Inflation zwei positive Effekte gleichzeitig hat. Sie stärkt die Kaufkraft, ohne neue Subventionen oder Ähnliches zu brauchen. Und sie verbessert die Wettbewerbsfähigkeit, ohne Löhne zu drücken. Genau diese Kombination fehlt Österreich seit Jahren. 

Deshalb sind auch die jüngst beschlossenen Maßnahmen gegen die Inflation nicht unwesentlich. Insbesondere die Stärkung der Bundeswettbewerbsbehörde ist keine Nebensache.

Denn eines ist klar: Eine Wirtschaft in einem Währungsraum, die hohe Inflation verzeichnet, zahlt immer doppelt – an der Kassa und am Weltmarkt.

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