Wiens liberales Erbe
Heide Schmidt: Wie wir zum ersten Mal eine liberale Partei gegründet haben
Am 22. September präsentierte das NEOS Lab eine Ausstellung zur Geschichte des österreichischen Liberalismus. Auf dem Podium wurden viele grundsätzliche Fragen diskutiert.

© NEOS Lab/Klaus Ranger
Die aktuelle Zeit ist sehr schnelllebig, die Demokratie gerät zunehmend unter Druck. Umso wichtiger ist es, sich an die eigenen Wurzeln zu erinnern und den Wertekompass, nach dem wir uns richten wollen, zu verinnerlichen, sagte Christoph Wiederkehr in der Podiumsdiskussion.
Deswegen blickte das NEOS Lab im Rahmen einer Ausstellung und einer Videodoku zurück und widmete sich der Geschichte des Liberalismus in Österreich.
Begleitet wurden Ausstellung und Dokumentation von einer Podiumsdiskussion, die die vielen Facetten des Liberalismus beleuchtete und sich grundsätzlichen Fragen widmete.
Heide Schmidt, Gründerin des Liberalen Forums, beantwortete die Frage, warum es der Liberalismus in Österreich so schwer hat, Helmut Brandstätter erläuterte, warum Liberale besonders proeuropäisch sind, und Sophie Wotschke erklärte, warum wirtschaftliche Freiheit und Wettbewerb so wichtig für die Demokratie sind.
Das ganze Video gibt es hier zum Nachsehen.
Einige Highlights aus der Diskussion geben wir hier in Form von Zitaten wieder.

„Der Liberalismus unterscheidet sich von allen anderen politischen Richtungen darin, immer die Bedeutung für das Individuum in der Waagschale zu haben und erst von diesem auf die Gesellschaft abzuleiten.“

„Liberalismus hat in Österreich in der Vergangenheit eine viel größere Bedeutung gehabt, als vielen heute bewusst ist. Die Grundgedanken dessen, was heute noch wichtig ist: Freiheit, Gleichheit, Bildung, Zusammenleben, Staat über Religion, Religionsfreiheit stammen von der Revolution von 1848. Die Zukunft unseres Kontinents ist aufgebaut auf Liberalismus.“

„Es gab eine Epoche liberaler Bürgermeister in Wien. Dieser Teil der Geschichte wurde von Sozialdemokratie erfolgreich ausradiert. Es ist auch unser Auftrag, diesen Teil der Geschichte wieder ins Bewusstsein zu rufen.“

„Österreich ist bis heute ein Land, wo man, wenn irgendwas passiert, gleich nach Staat ruft. Dieser Reflex macht es dem Liberalismus schwer.“

„Es braucht einen Staat, der Rahmenbedingungen setzt und der sichert, dass jeder an diesem Markt teilnehmen kann.“

„Nur über ein Versprechen können wir das Vertrauen an die Demokratie erhalten: dass jedes Individuum aus eigenem Antrieb etwas erreichen kann. Wenn dieser Glaube nicht mehr da ist, bricht die Demokratie. Darum ist die Chancengerechtigkeit so wichtig. Ich halte es für ein genuin liberales Konzept, Chancengerechtigkeit herzustellen.“

„Die Menschenrechte sind die rote Linie, die man nicht überschreiten darf. Wenn man an den Menschenrechten etwas ändern will, wird es eng. Diesen Bedrohungen, glaube ich, stellen sich Liberale aus Überzeugung viel leichter gegenüber als andere, die immer schon Kompromisse gemacht haben: mit der Selbstbestimmung und der Freiheit.“

„Ob es in eine gute Zukunft geht oder nicht, ist offen. Wir sind am Kipppunkt. Aber Kipppunkte haben es so an sich, dass es zwei Seiten gibt, auf die man fallen kann: eine zuversichtliche und eine optimistische. Es gibt eine andere Kraft in diesem Land, die zurück in die Vergangenheit möchte. Das ist das Gegenteil von dem, was wir wollen. Wir wollen zuversichtlich in die Zukunft. Aber die Zukunft kann nur gut sein, wenn sich der Status quo radikal verändert.“

„Was ich mir wünsche, ist ein emotional starker Liberalismus.“

„Jugendliche wählen nicht mehr das, was ihre Eltern wählen, sie bilden sich mithilfe von Social Media selber eine Meinung. Wir sehen, dass positive Versprechen, wie das Zukunftsdepot, gut ankommen. Meine Hoffnung ist, dass es eine Trendwende gibt, dass Politik nicht mehr so angstgetrieben funktioniert.“

„Meine Vision ist, dass die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft sich ihrer Verantwortung bewusst werden.“

Heide Schmidt: Wie wir zum ersten Mal eine liberale Partei gegründet haben