Zum Inhalt springen
Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein.

Neutralität allein ist noch kein ausreichender Schutz

Irmgard Griss meint, dass Österreich seine Demokratie im Ernstfall auch militärisch verteidigen können müsse.

Der Krieg in der Ukraine lässt vieles unbedeutend, ja geradezu lächerlich erscheinen. Unsere Probleme müssen ja an Bedeutung verlieren, wenn es nicht weit von uns entfernt um Leben oder Tod geht. Die schrecklichen Ereignisse machen bewusst, was Frieden, Freiheit und Sicherheit bedeuten. Wir erleben hautnah, dass ohne Frieden, Freiheit und Sicherheit alles nichts ist. Uns bleibt nur, den Notleidenden zu helfen, Menschen bei uns aufzunehmen und sie zu unterstützen.

Der brutale Angriff auf die Ukraine zeigt uns aber auch, wie glücklich wir uns schätzen können, Mitglied der EU zu sein und in einer Demokratie zu leben. Beides gibt es nicht zum Nulltarif. Die EU ist nur so stark, wie ihre Mitglieder es zulassen. Für die Mitgliedstaaten stehen aber oft nicht gemeinsame Interessen im Vordergrund. So wird EU-Skepsis geschürt, um bei Wahlen zu punkten. Um dem entgegenzuwirken, braucht es informierte und kritische Bürgerinnen und Bürger.

"Auch ein neutraler Staat muss sich verteidigen können. Anders als in der Schweiz und in Schweden ist das bei uns noch nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert. Hier haben wir dringenden Nachholbedarf."

Und die Demokratie? Auch sie ist nur so stark, wie wir es zulassen. Denn die Demokratie ist keine Dienstleistung, die wir in Anspruch nehmen können, ohne etwas dafür tun zu müssen. Nur wenn wir Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Grundfreiheiten schätzen und auch bereit sind, uns für eine saubere Politik einzusetzen, kann die Demokratie Bestand haben.

Es ist daher gerade jetzt notwendig, dass wir uns gegen Korruption und Misswirtschaft in der staatlichen Verwaltung wehren. Verglichen mit dem, was in der Ukraine geschieht, mögen das Luxusprobleme sein. Nur ein gut verwalteter und von verantwortungsvollen Politikern geführter Staat kann aber den gewaltigen Herausforderungen gewachsen sein. Zu Klimaänderung, Energiekrise, Pandemie kommt jetzt noch die veränderte und auch für einen neutralen Staat bedrohliche Sicherheitslage. Denn Neutralität allein bietet keinen ausreichenden Schutz. Auch ein neutraler Staat muss sich verteidigen können. Anders als in der Schweiz und in Schweden ist das bei uns noch nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert. Hier haben wir dringenden Nachholbedarf.

Irmgard Griss war Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Abgeordnete zum Nationalrat der NEOS. 

Der Kommentar erschien am 14. März 2022 in der Kleine Zeitung. 

Vielleicht interessieren dich auch diese Artikel

Das Lab-Team mit Helga Pattart-Drexler in der Mitte
01.04.2025NEOS Team1 Minute

Staffelübergabe im NEOS Lab

Das NEOS Lab hat eine neue Geschäftsführung: Helga Pattart-Drexler übernimmt mit 1. April 2025 die Geschäftführungsagenden. Hier stellt sie sich vor.

Mehr dazu
Vor dem österreichischen Parlament regnet es 100-Euro-Scheine
31.03.2025Lukas Sustala1 Minute

Mehr Staat, mehr Schulden, weniger Spielraum

Die neuesten Zahlen der Statistik Austria und die jüngsten Prognosen der Wirtschaftsforscher lesen sich wie ein Weckruf: 22,5 Milliarden Euro Defizit 2024, oder ein negativer Saldo von 4,7 Prozent des BIP, und eine deutlich schlechtere Finanzlage in Länder und Gemeinden als gedacht. Klar ist: Österreichs Staat lebt über seine Verhältnisse. 

Mehr dazu
Ein Panzer auf einem Berg aus Münzen, im Hintergrund eine Weltkugel
24.03.2025Silvia Nadjivan3 Minuten

Europa muss sich selbst verteidigen können

Alle wesentlichen Akteur:innen in der EU sind sich einig: Europa muss aufrüsten, und dafür braucht es Geld. Woher das kommen soll, darüber herrscht Uneinigkeit.

Mehr dazu

Melde dich für unseren Newsletter an!