Policy Brief: Shadow Education
Blog: Welche Bildung in Zeiten der KI?
Immer mehr Schüler:innen schaffen die Schule ohne Nachhilfe nicht mehr. Welche Auswirkungen hat das auf das Schulsystem? Ein Beitrag von Leona Mittermair.

© Andrii Zastrozhnov/iStock)
„Ist Schule ohne Nachhilfe nicht mehr schaffbar?“ – titelte der Standard im August 2025, als die damalige IFES-Studie durch die AK veröffentlicht wurde. Auch dieses Jahr sind die Zahlen dieser Studie wieder leicht angestiegen. Mittlerweile nimmt jede:r dritte Schüler:in Nachhilfe. Mehr als die Hälfte davon greift dabei auf bezahlte Angebote zurück. Damit wird ein jahrelanger Aufwärtstrend fortgesetzt.
Die Frage im Standard scheint also berechtigt.
Dass Nachhilfe mittlerweile für viele zur Normalität geworden ist, das können sicher auch viele Schüler:innen bestätigen, ohne je einen Blick auf diese Studie zu geworfen zu haben. Denn für mich ist die Schule mittlerweile auch erst zwei Jahre her, und ich erinnere mich heute noch daran, dass viele Schüler:innen Nachhilfe als selbstverständlichen Teil ihrer außerschulischen Zeit gesehen haben.
Sätze wie „Also, mein Nachhilfelehrer erklärt das viel besser“ oder „Verstanden habe ich das jetzt nicht, aber meine Nachhilfelehrerin wird mir das dann schon erklären“ waren oft zu hören. Dass lieber der:die Nachhilfelehrer:in gefragt wird, ergibt sich dadurch, dass im Regelunterricht die Zeit fehlt, auf alle Schüler:innen in teilweise sehr großen Klassen individuell einzugehen.
Besonders ausgeprägt war das in meiner Schulzeit im Mathematikunterricht. Das spiegelt auch die Zahlen wider: Zwei Drittel der Nachhilfenutzenden brauchen Nachhilfe in diesem Fach. Damit stellt sich die Frage: Wenn so viele Schüler:innen Nachhilfe in Mathematik brauchen, liegt es dann an ihnen, oder vielleicht doch am Mathematikunterricht?
Mich hat dieses Thema auch nach meinem Schulabschluss beschäftigt, und im Rahmen eines Uni-Projekts habe ich dieses Interesse wieder aufgenommen. Dabei bin ich auf den internationalen Diskurs gestoßen und auf den Begriff der „Shadow Education“, der sich für dieses Phänomen weltweit etabliert hat. Denn nicht nur in Österreich sind steigende Zahlen zu verzeichnen, sondern auf der ganzen Welt.
Während Shadow Education, die von vereinzelten Schüler:innen als optionales Zusatzangebot genutzt wird, prinzipiell nichts Negatives ist, wirft sie Fragen der Chancengerechtigkeit auf, sobald sie für Schüler:innen zur Regel wird und Lücken im öffentlichen Bildungssystem stopft. Denn dann verlagern sich Aufgaben des öffentlichen Systems in den privaten Markt, und der Zugang zu diesen Angeboten wird mehr und mehr abhängig von den Möglichkeiten der einzelnen Familien, diese zu organisieren und zu finanzieren. Damit hat dieses Thema große bildungspolitische Brisanz, und Österreich hat Handlungsbedarf.
Genaueres dazu und zum Thema „Shadow Education“ lest ihr im Policy Brief!