lehrermangel in österreich

Der Schule gehen die Lehrer_innen aus!

1. Juli 2022
Johannes Stolitzka

Kurz vor den Schulferien kommen besorgniserregende Nachrichten aus den Bildungsdirektionen der Bundesländer: Es besteht die Gefahr, dass für das Wintersemester 2022 nicht genug Lehrer_innen für alle Klassen engagiert werden können. Damit ist klar: Der seit Jahren prophezeite Lehrer_innenmangel ist schon längst Realität. Die Gründe dafür reichen von alterndem Personal über das schlechte Image des Lehrer_innenberufs, bis hin zu verschlafenen Reformchancen. Eine Analyse von Johannes Stolitzka

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Während sich viele Schüler_innen auf die Sommerferien freuen und in den letzten Schultagen gedanklich schon mehr in den Freibädern, als im Klassenzimmer sind, lassen die Schulen aus anderen Gründen aufhorchen: Ein Lehrer_innenmangel, wie er schon seit Jahren prophezeit wird, zeichnet sich immer deutlicher ab. So beklagen manche Bundesländer, dass es mit der Besetzung von Lehrer_innenposten bis zum Herbst eng werden könnte. Entweder bleiben die Bewerber_innen einfach aus, oder viele Lehrer_innen gehen in Pension. Denn zu viele der momentan aktiven Lehrkräfte sind nicht mehr die Jüngsten.

So weisen Österreichs Lehrkräfte im internationalen Vergleich einen der höchsten Altersschnitte auf: 46% der Lehrer_innen sind über 50 Jahre alt. Bruegel.Doch das ist noch nicht alles, denn 1/3 des Lehrpersonals wird in den kommenden 5-10 Jahren in Pension gehen. Dem gegenüber gibt es nur wenige Lehrer_innen unter 35 Jahren. Am schlimmsten sieht es hier für Berufsschulen und berufsbildende mittlere und höhere Schulen aus, die bei einer steigenden Schüler_innenzahl mit sinkenden Lehrer_innenzahlen rechnen müssen. Das bedeutet größere Klassen und weniger Qualität. 

Dieser Drohkulisse könnte man mit vielen neuen Lehrer_innen entgegenwirken. Bis jetzt konnte man mit Absolvent_innen des Lehramtsstudiums immer knapp genügend Neulinge in den Lehrer_innenberuf bringen. Doch seit geraumer Zeit wird auch dieses Studium von immer weniger Student_innen gewählt. So steht einer Überzahl an über 55-jährigen Lehrer_innen eine viel zu geringe Zahl an Studierenden gegenüber, bei allen Schultypen.

Ebenfalls erschreckend ist, dass in den zukunftsträchtigen MINT-Fächern wie Mathematik, Informatik oder Physik noch viel weniger Studierende nachkommen, als in anderen Fächern. Das ist nicht nur mit Blick auf den Lehrer_innenmangel eine schlechte Nachricht, sondern auch mit Blick auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Denn gerade in den Segmenten der Digitalisierung fehlen Fachkräfte. Damit nimmt man nicht nur den Schüler_innen die Chance, sich in diesen Fächern adäquat ausbilden zu lassen, sondern zwingt man auch Unternehmen, Fachkräfte im Ausland anzuwerben.

Hinzu kommt, dass die Universitäten im Bereich des Lehramts Sekundarstufe Allgemeinbildung, in dem Mittelschul- und AHS-Lehrer_innen ausgebildet werden, mit 36% eine sehr hohe Dropout-Quote vorweisen. 

Damit wird dieser Tage sehr deutlich, was das Problem ist: Der Lehrer_innenberuf und das Lehramt sind nicht mehr attraktiv genug. Regierungen, so wie auch die jetzige, haben die negativen Entwicklungen verschlafen. Es braucht daher eine komplette Neuaufstellung des Lehrer_innenberufs. Zudem muss es für Quereinsteiger_innen leichter werden, in den Beruf einzusteigen. Hürden, wie das Lehrer_innendienstrecht, gehören abgeschafft. Hier bleibt es abzuwarten, ob die von Minister Polaschek angekündigte Strategie zur Erleichterung des Quereinstiegs Früchte tragen wird. Allen muss jedenfalls klar sein, dass Lehrer_in der wichtigste Beruf des Landes ist: Denn Lehrer_innen sind der wichtigste Erfolgsfaktor, wenn es darum geht, Talente zu erkennen und zu fördern!