
Staffelübergabe im NEOS Lab
Das NEOS Lab hat eine neue Geschäftsführung: Helga Pattart-Drexler übernimmt mit 1. April 2025 die Geschäftführungsagenden. Hier stellt sie sich vor.
Gerade erst hat das 4. Schulsemester der Covid19-Pandemie begonnen. Am Ende dieses Semesters werden alle Volksschüler_innen Österreichs mehr Zeit mit einer von Maßnahmen geprägten Pandemie verbracht haben als ohne.
Insbesondere scharfe Maßnahmen wie Schulschließungen sind hier auf vielen Ebenen die prägendsten. Dass die übrigen Mittel gegen die Pandemie, vom Testen über die Maskenpflicht bis hin zu den Quarantäne-Regeln bereits zwei Wochen nach Semesterbeginn wie im Herbst 2020 derart holprig laufen, hat den Unmut von allen stark steigen lassen. Obwohl die Regierung nach dem letzten Herbst propagiert hatte, „man dürfe den Sommer nicht verschlafen und die Fehler des letzten Jahres nicht wiederholen, bloß um dann den Sommer zu verschlafen und die Fehler des letzten Jahres zu wiederholen“, wie es 32 Schulsprecher_innen in einem offenen Brief sehr gut auf den Punkt gebracht haben.
Die internationalen Daten zeigen jedenfalls sehr deutlich, dass Österreich oft auf das letzte Mittel der Schulschließung gesetzt hat. Doch war Österreichs Vorgehen, sehr schnell auf Schulschließungen zu setzen, im Vergleich zu anderen Ländern und mit Blick auf die eigene Infrastruktur gerechtfertigt? Ein Blick auf unsere aktuelle Grafik lässt Zweifel aufkommen.
Denn andere Länder haben entweder viel seltener auf Schulschließungen gesetzt oder hatten bessere digitale Voraussetzungen als Österreich um Lockdowns erträglich zu machen. Wie man im Detail an dieser Grafik sieht, haben viele europäische Länder trotz höherer Fallzahlen (hier in Tausend pro 1 Millionen Einwohner_innen) als Österreich viel weniger Schulschließwochen durchgesetzt. Von der Schweiz, mit gar nur 6 Schulschließwochen bis zu den Niederlanden, gab es weniger Schulschließwochen als in Österreich. Diese Länder setzten auf Maßnahmen, die direkt am Schulstandort wirken. Nur zwei Länder stechen in dieser Grafik mit vielen Schulschließwochen im Vergleich zu den Fallzahlen heraus. Nämlich Dänemark und Finnland. Jedoch konnten beide Nationen auf ein digital sehr gut gewappnetes System und eine Infrastruktur zurückgreifen, das Homeschooling erleichtert.
Da jedoch Österreich weit weg von einer angemessenen Digitalisierung des Schulsystems ist, war man kaum für Distance Learning gerüstet. Das hat nicht nur massive Auswirkungen auf die Qualität des Unterrichts. Denn es waren vermehrt Schüler_innen aus Familien mit niedrigen Einkommen und geringer Bildung teilweise gar nicht erreichbar. Bei benachteiligten Volksschüler_innen waren dies sogar 40%. Das führt dazu,dass die Schere zwischen Schüler_innen aus höher gebildeten Familien und benachteiligten Schüler_innen nachhaltig auseinander geht.
Doch was wohl noch schwerer wiegt, sind die psychischen Belastungen, denen sich Schüler_innen während der Isolation ausgesetzt sahen. Besonders fehlende soziale Kontakte durch Homeschooling identifizieren Wissenschaftler_innen der deutschen COPSY Studie am UKE Hamburg als einen Treiber zunehmender psychsicher Probleme. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien und der Donauuniversität Krems unterstreicht mit alarmierenden Zahlen dies. Von über 3000 befragten Schüler_innen klagten mehr als die Hälfte über depressive Symptome und sogar 16% gaben an, Suizidgedanken gehabt zu haben. Gleichzeitig hat die Notrufnummer für Kinder- und Jugendlichen-Krisenberatung Rat auf Draht im September 2021 bekanntgegeben, dass die Anrufe wegen Suizidgedanken um 20% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Dem gegenüber stehen gerade einmal 181 Schulpsychologen für 1,1 Millionen Schüler_innen. Minister Faßmann hat zwar eine 20% Aufstockung versprochen, diese würde aber die Verhältnisse wohl nur marginal verbessern.
Österreich hat also sehr oft auf Schulschließungen gesetzt, und das häufiger als andere Länder mit höheren Fallzahlen. Man tat dies, obwohl man nicht adäquat auf Distance Learning vorbereitet war. Außerdem hatten Schulschließungen massive soziale und psychische Folgen für Jugendliche. Da Österreich durch seine Mängel nicht für Schulschließungen das Rüstzeug hatte und hat, ist es unerlässlich, dass - über das 4. Coronasemester - hinaus Schulschließungen vermieden werden. Der WHO-Empfehlung zu folgen und eine Strategie zu entwickeln, die Schulschließungen verhindert, ist also unabdingbar.
https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_104081.html
https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=57800
https://www.rataufdraht.at/pressemitteilungen/taglich-4-beratungen-zum-thema-suizid
https://en.unesco.org/covid19/educationresponse#schoolclosures
https://www.euro.who.int/de/media-centre/sections/press-releases/2021/all-schools-in-europe-and-central-asia-should-remain-open-and-be-made-safer-from-covid-19,-say-who-and-unicef
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