Podcast Die Presse: ORF-Casting: Was fünf Kandidaten mit dem Sender vorhaben
ORF-Wahl: Bewerber und Bewerberinnen präsentierten Ideen
Markus Breitenecker, Petra Höfer, Johannes Larcher, Clemens Pig und Lisa Totzauer präsentierten ihre Visionen für den ORF beim vom NEOS Lab veranstalteten Hearing im Funkhaus Wien.

© Ina Holzknecht
Der ORF geht uns alle an! Daher ist es auch für uns alle relevant, wer zukünftige:r ORF-Generaldirektor:in wird. Um Transparenz in diesen Prozess zu bringen, hat das NEOS Lab als erste Institution ein öffentliches Hearing der Kandidat:innen angekündigt. ORF, Puls 4, ServusTV und oe24 zogen nach.
Am 2. Juni 2026 hatten fünf Kandidat:innen die Möglichkeit, ihre Konzepte für den ORF zu präsentieren und zu diskutieren: Markus Breitenecker, Petra Höfer, Johannes Larcher, Clemens Pig und Lisa Totzauer. Moderiert wurde die Runde von Anna Wallner.
NEOS-Lab-Geschäftsführerin Helga Pattart-Drexler betonte in ihrer Einleitung, dass es sich ausdrücklich nicht um eine parteipolitische Veranstaltung handelte, sondern einen Beitrag leisten wollte, den Prozess um die Besetzung der ORF-Führung in die Öffentlichkeit zu bringen und Bürger:innen die Gelegenheit zu Fragen zu geben.
Eingeladen wurden jene Kandidat:innen, die ihre Bewerbung öffentlich gemacht hatten (andernfalls konnte das NEOS Lab nichts davon wissen) und den Ausschreibungskriterien entsprachen.

Der ehemalige APA-CEO kündigte an, sich im Falle seiner Bestellung „wie ein Bollwerk“ schützend vor die Redaktion stellen zu wollen und Interventionen hart und strikt abzulehnen. Er wolle den ORF zur Institution machen, der die Menschen in Österreich am meisten vertrauen, zum besten Arbeitgeber und zum innovativsten Medienunternehmen Österreichs. Dafür werde er eine konsequente Digitalisierungsstrategie verfolgen und mit anderen Marktteilnehmern kooperieren.

Der frühere Geschäftsführer der ProSiebenSat1Puls4-Gruppe betonte, der ORF müsse wirtschaftlich erfolgreich sein, dazu sei es – neben Einsparungen – nötig, neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Ein gutes Österreichprogramm sei wichtig, Public Value habe er auch schon im Privatfernsehen hochgehalten. Es brauche Kooperation mit privaten Ebenen und eine internationale Streamingstrategie.

Die ehemalige ORF-Managerin betonte, dass ihr der ORF sehr am Herzen liege und wies auf inakzeptable Verfehlungen von Teilen des Topmanagements hin. Ihr sei es ein Anliegen, wieder stolz auf den ORF sein zu können. Dafür sei eine neue Unternehmenskultur notwendig und dass die bestehenden Strukturen wie Gleichstellungskommission Wirksamkeit erreichen.
Klare Distanz zur Parteipolitik, Digitalisierung und Mehrwert für das Publikum waren weitere Schlagworte ihres Konzepts.

Der internationale Medienmanager bringt viel Erfahrung mit Streamingdiensten mit. Er will in Programm und Menschen investieren und so die Effizienz des ORF massiv steigern. Durch seine Erfahrungen in Amerika habe er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kennengelernt und wolle einen Beitrag zu einem demokratischen Österreich leisten. Er bringe die internationale Expertise mit, um mit Meta und Alphabet umzugehen.

Die ORF-Magazinchefin eröffnete ihren Pitch mit einer Zukunftsvision: Im Jahr 2030 öffnet ein 17-jähriger Vorarlberger sein Handy und findet dort nicht Fake News, sondern einen Inhalt der ihm erklärt, warum die Wahl in seiner Gemeinde relevant ist und ihn betrifft. Dieser Inhalt kommt vom ORF.
Totzauer betonte auch den Wert von österreichischen Lebensrealitäten, österreichischem Humor und heimischer Fiktion, die nicht in Archiven verschwinden solle.
Glaubwürdigkeit entstehe nicht durch Beteuerungen, sondern durch ganz klare Mechanismen, die für alle gelten. Die Verhinderung politischer Einflussnahme solle nicht an Einzelpersonen hängen, sondern durch eine Architektur verhindert werden.
Unter Moderation von Anna Wallner (Die Presse) diskutierten die Kandidat:innen anschließend über die Herausforderungen eines knappen Budgets, wie man den ORF wieder für ein jüngeres Publikum interessant macht, wie das Online-Angebot ausgebaut werden soll und wie Kooperationen mit Privatmedien ausschauen könnten.
Eine Findungskommission hat entschieden, dass insgesamt 13 Kandidat:innen die Ausschreibungskriterien erfüllen. Jedes Stiftungsratsmitglied nominiert Kandidat:innen, die zur Wahl zugelassen werden. Im Anschluss an ein Hearing die Stiftungsrät:innen den oder die neue:n Generaldirektor:in. Die Wahl selbst ist geheim, die Stimmzettel sind allerdings namentlich gekennzeichnet.