Zum Inhalt springen

Die entscheidenden Fähigkeiten bleiben menschliche

Eigentlich wollte ich heute über Schule und KI schreiben.

Helga Pattart-Drexler
Helga Pattart-Drexler
NEOS Lab Blog Kolumne Sodala Helga Pattart-Drexler.png

© NEOS Lab

Darüber, ob Schüler:innen künftig ihre Hausaufgaben von ChatGPT erledigen lassen. Darüber, ob Lehrer:innen erkennen können, ob ein Text selbst geschrieben wurde. Darüber, ob wir unseren Kindern beibringen müssen, mit künstlicher Intelligenz umzugehen – oder ob wir vielleicht erst einmal wieder lernen sollten, miteinander umzugehen.

Dann kam der Sonntag. Und Deutschland.

Die AfD gewinnt weiter an Boden, politische Debatten werden rauer, und ausgerechnet jene, die öffentlich Fragen stellen sollen, werden zunehmend selbst zum Ziel. In Österreich konnten wir gestern beobachten, wie aggressiv eine ORF-Moderatorin im Rahmen der „Sommergespräche“ behandelt wurde.

Da vergeht einem ein bisschen die Lust auf die Pointe.

Und vielleicht ist genau das die Pointe.

Denn bei all den Diskussionen über künstliche Intelligenz reden wir erstaunlich viel darüber, was Maschinen können sollen. Sie sollen Texte schreiben, Informationen sortieren, Argumente zusammenfassen und vielleicht irgendwann sogar erkennen, ob etwas stimmt.

Was wir dabei gerne vergessen: Die entscheidenden Fähigkeiten bleiben sehr menschliche. Selbst zu denken, zuzuhören und ein Miteinander zu gestalten.

Eine Behauptung auszuhalten, ohne sofort in Empörung zu verfallen. Eine Frage zuzulassen, ohne den Fragenden zum Feind zu erklären. Widerspruch auszuhalten, ohne den anderen niederzuschreien. Zwischen Information, Meinung und Manipulation unterscheiden zu können.

Vielleicht ist das deshalb die wichtigere Bildungsaufgabe als die Frage, ob Schülerinnen und Schüler ihre nächste Hausübung mit KI schreiben.

Denn eine KI kann uns irgendwann vielleicht ziemlich überzeugend erklären, warum eine Behauptung falsch ist. Sie kann uns zehn Gegenargumente liefern und zwanzig Quellen dazu.

Was sie uns nicht abnehmen kann, ist die Entscheidung, ob wir das Gegenargument überhaupt hören wollen.

Und genau deshalb gehört KI in die Schule. Nicht, weil wir möglichst schnell lernen müssen, wie man einen guten Prompt schreibt. Sondern weil wir eine Generation brauchen, die gelernt hat, Fragen zu stellen, Quellen zu prüfen, Widerspruch auszuhalten und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Und weil manche Entwicklungen gerade zu ernst sind, um sie in einer Kolumne mit einem flotten Spruch abzuhaken, verweise ich heute lieber auf unseren NEOS Lab Blog.

Silvia Nadjivan hat sich in ihrem Beitrag mit dem toxischen Erfolgsrezept populistischer Parteien beschäftigt, und Lucia Marjanovic stellt sich die Frage, welche Bildung in Zeiten von KI die richtige ist. Dringende Leseempfehlung!

Humorvoll wird unsere Kolumne dann vielleicht nächste Woche wieder. Wenn uns bis dahin nicht wieder die Realität einen anderen Text diktiert.

Weitere interessante Artikel

iStock-2199473811.jpg
08.09.2026Europa

Lehren aus dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt

Mehr dazu
NEOS Lab Blog Kolumne Sodala Helga Pattart-Drexler.png
01.09.2026Kolumne

Die Hummel, der Liberalismus und die Sache mit der Ausstellung

Mehr dazu

Melde dich für unseren Newsletter an!