Warum Raumplanung in Österreich so ein wichtiges Thema ist
Die schlechte Nachricht: In Österreich wird nach wie vor zu viel Boden versiegelt. Die gute Nachricht: Politik wirkt. 7 Gründe, warum das Thema Raumplanung in Österreich so wichtig ist.

© Francesco Scatena/iStock
1. Der Platz ist begrenzt
Österreich hat eine Fläche von 83.877 km². Dazu gehören allerdings auch Gletscher, Berge, Flüsse und Seen – Flächen also, die nicht nutzbar sind. Nicht für Landwirtschaft, nicht als Wohnraum, nicht für Straßen. Dafür stehen lediglich 39 Prozent des Bodens zur Verfügung (Quelle), etwas weniger als die Fläche von Oberösterreich, Niederösterreich und Wien zusammen – der sogenannte Dauersiedlungsraum.
Auf dieser Karte des Umweltbundesamts kann man detailliert anschauen, welche Flächen wofür genützt werden:
2. Viel Platz ist bereits verbraucht
17,4 Prozent der bewohnbaren Fläche sind bereits in Anspruch genommen. Der Bodenverbrauch ist inzwischen völlig vom Bevölkerungswachstum entkoppelt: Zwischen 1985 und 2016 ist die Bevölkerung um 16 Prozent gewachsen, die Versiegelung erhöhte sich um 65 Prozent.
Dieses Verhältnis hat sich inzwischen aber umgedreht:
Zwischen 2022 und 2025 wuchs die Bevölkerung Österreichs um 2,4 Prozent. Die Flächeninanspruchnahme wuchs jedoch nur um 1,3 Prozent. Das bedeutet also, dass der Flächenverbrauch pro Person zurückgeht.
Derzeit werden täglich etwa rund 6,5 Hektar Boden versiegelt.
Dass der Bodenverbrauch inzwischen langsamer zunimmt, ist wohl auch den zahlreichen Bürger:innen- und politischen Initiativen zu verdanken.
Der Flächenverbrauch ist in den einzelnen Bundesländern und auch in den Städten sehr unterschiedlich. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Einwohner:innen ländlicher Gebiete pro Kopf mehr Fläche verbrauchen als die Stadtbevölkerung.
Aber auch die Städte gehen sehr unterschiedlich mit ihren Flächen um.
3. Ackerland geht verloren
Seit 1985 wurden der Landwirtschaft in Österreich mehr als 3.000 km2 Fläche entzogen. Gebaut wird oft auf den fruchtbarsten Böden; die ertragreichsten Äcker liegen unter dem Flughafen Schwechat begraben. Wenn das so weitergeht, wird das zu einem Problem für Österreichs Ernährungssicherheit werden.
4. Hochwasser
Versiegelter Boden kann kein Wasser mehr aufnehmen und gibt es an Kanäle, Bäche und Flüsse ab. Außerdem verdunstet dann mehr Wasser, das dann wiederum als Niederschlag niedergeht. So kommt es zu mehr und stärkeren Hochwasserereignissen.
5. Hitze
Pflanzen und Bäume kühlen durch Verdunstung ihre Umwelt ab, versiegelter Boden hingegen lässt Hitzeinseln entstehen. In Zeiten globaler Erwärmung wird das immer mehr zum Problem.
6. Zersiedelung
Unbebautes Bauland gäbe es eigentlich genug: Rund ein Fünftel der Grundstücke, die als Bauland gewidmet sind, ist frei. Statt diese zu bebauen, werden oft weitere Gründe als Bauland gewidmet. Das zieht weitere Versiegelung nach sich, braucht es zu einem neuen Haus doch auch eine Zufahrt.
Diese Zersiedelung bringt nicht nur ökologische, sondern auch soziale Probleme mit sich: Die Ortskerne sterben aus, Schulen, Gemeindeämter, Vereinshäuser und Supermärkte sind oft nicht mehr fußläufig erreichbar. Das ist besonders einschränkend für Menschen, die noch nicht oder nicht mehr Auto fahren können, also Jugendliche und ältere Menschen.
7. Grundstücksspekulation, Korruption
Flächenwidmung ist Sache der Gemeinden. Bürgermeister:innen und Gemeinderäte entscheiden also, wie sich eine Region als Ganzes verändert, haben dabei aber oft eher lokale Interessen als die der ganzen Region im Blick. Dazu kommt, dass die Gemeinden sich weniger gut gegen Druck oder Korruptionsversuche seitens der Grundeigentümer wehren können, als übergeordnete Stellen es könnten.
Immer wieder kommt es vor, dass Grundstücke, die nicht als Bauland gewidmet sind, günstig erworben, dann umgewidmet werden und plötzlich ein Vielfaches wert sind.
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