Warum für Frauen in der Politik die Hürden größer sind
Wie kommen mehr Frauen an die Macht?
Theoretisch haben Frauen die gleichen Möglichkeiten wie Männer, in politische Ämter zu gelangen. Dennoch werden in der Praxis Entscheidungen, die die ganze Bevölkerung betreffen, überwiegend von Männern getroffen. Doch es gibt Werkzeuge, um das zu ändern. Dieser Text basiert auf einer Analyse von Dieter Feierabend.

1. Das Wahlsystem
Ob Frauen an die Spitze kommen, hängt nicht zuletzt vom Wahlsystem ab. Systeme mit Verhältniswahlrecht ermöglichen höhere Frauenanteile als Systeme mit Mehrheitswahlrecht.
Mehrheitswahlrecht bedeutet, dass nur eine Person pro Wahlkreis ins Parlament gewählt wird. Aus verschiedenen Gründen – etwa weil man Männern mehr Erfolgschancen zutraut – setzen Parteien dann oft einen Mann an die Spitze, zumindest in den aussichtsreichen Wahlkreisen.
Wird jedoch nicht nur eine Person pro Wahlkreis gewählt, sondern mehrere, können Parteien die Kandidat:innenauswahl gezielt steuern.
2. Inhaltliche Regeln für die Kandidat:innenauswahl
Eine Partei kann sich selbst Regeln geben, um zu steuern, wer auf aussichtsreiche Listenplätze kommt und letztendlich ins Parlament oder den Landtag einzieht. Mögliche Instrumente sind etwa:
- Quoten: Es geht dabei nicht darum, zwangsweise in allen Bereichen eine exakte Quote von 50 Prozent einzuhalten, sondern um Strukturen. Man sagt, dass 30 Prozent die „kritische Masse“ sind, die es braucht, um Veränderungen zu bewirken. Im Unternehmensbereich hat sich das 40-40-20-System bewährt: 40 Prozent Frauen, 40 Prozent Männer, das lässt einen Spielraum von 20 Prozent.
- Ein Reißverschlusssystem (Frauen und Männer stehen abwechselnd auf der Liste) stellt sicher, dass Frauen nicht nur auf symbolischen hinteren Listenplätzen stehen, sondern die gleichen Chancen auf einen Einzug haben.
Dass diese Regeln wirken, zeigt sich auch in Österreich: Parteien mit starken Gleichstellungsregeln erreichen im Parlament Frauenanteile von 40–56 Prozent, Parteien ohne solche Regeln liegen teils nur bei ca. 23 Prozent.
3. Aktive Rekrutierung und Mentoring
Parteien, die gezielt weibliche Talente ansprechen, ausbilden und unterstützen, erreichen höhere Frauenanteile. Frauen fehlen oft informelle Netzwerke; Mentoring und Rekrutierung gleichen strukturelle Nachteile aus.
Warum sollten überhaupt mehr Frauen an die Macht?
Warum sollten Parteien also gezielt dafür sorgen, dass mehr Frauen an die Macht kommen, anstatt darauf zu vertrauen, dass sich der:die „Bessere“ durchsetzt? (Wobei Durchsetzungsstärke in der Politik sicher eine wichtige, aber keinesfalls die einzige wichtige Fähigkeit ist.)
Warum Frauen in der Praxis oft nicht die gleichen Chancen haben: siehe Link
Im Folgenden einige Gründe, warum alle davon profitieren, wenn mehr Frauen in politischen Entscheidungspositionen sind:
1. Repräsentation der Bevölkerung
Frauen machen etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Dementsprechend sollten sie und ihre Anliegen auch in der Politik repräsentiert werden.
2. Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen
Frauen bringen oft andere Erfahrungen in politische Diskussionen ein – etwa in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Familienpolitik oder Arbeitsmarkt. Das führt zu ausgewogeneren Entscheidungen.
3. Bessere politische Entscheidungen
Studien zeigen, dass vielfältig zusammengesetzte Teams oft bessere, durchdachtere Entscheidungen treffen.
4. Vorbilder und gesellschaftlicher Wandel
Wenn Frauen sichtbar in Machtpositionen sind, motiviert das jüngere Generationen und trägt dazu bei, stereotype Rollenbilder abzubauen. Und: Frauen inspirieren und fördern andere Frauen.
5. Fokus auf bisher unterrepräsentierte Themen
Themen wie Gleichstellung, Care-Arbeit oder Gewaltprävention bekommen oft mehr Aufmerksamkeit, wenn Frauen mitentscheiden.
6. Demokratische Legitimität und Gerechtigkeit
Wenn bestimmte Gruppen systematisch unterrepräsentiert sind, wirkt das System weniger gerecht. Mehr Gleichgewicht stärkt das Vertrauen in politische Institutionen.
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