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Abwanderung: Das sind die Gründe

Negative Geburtenraten, Abwanderung und leere Gemeindekassen lassen in vielen Gemeinden Österreichs nur schwer Aufbruchstimmung aufkommen. Doch es gibt Auswege. 

Silvia Nadjivan
Silvia Nadjivan
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© imagenpuntodeluz/iStock

Zu den zentralen Ursachen für Abwanderung bzw. Push-Faktoren zählen – wenig überraschend – unzureichende oder auch nicht entsprechende Arbeitsplätze. Der Agrarsektor und manche im ländlichen Raum bisher angesiedelte Industrien sind rückläufig, während Arbeitsplätze für Höherqualifizierte fehlen. 

Weiters fehlt es am entsprechenden Wohnraum wie auch an einer erforderlichen Infrastruktur, Nahversorgung und Verkehrsverbindung genauso wie an leicht erreichbaren Bildungseinrichtungen und letztlich an einem intakten Kulturleben. 

Das alles sind Gründe, warum Menschen in Österreich ländlichen Regionen den Rücken kehren und in urbane Räume bzw. dichter besiedelte Gebiete ziehen. Diese bieten schließlich einen leichteren Zugang zu Arbeit, Wohnraum, Infrastruktur, medizinischer Versorgung etc. – alles Pull-Faktoren für diese Binnenwanderung.

Abwanderung ist oft weiblich

Urbane Räume ziehen vor allem junge und höher qualifizierte Frauen an, weil diese dort besser bezahlte Jobs, mehr Aufstiegschancen und, wenn notwendig, auch Kinderbetreuungsplätze vorfinden. Obwohl ländliche Regionen gerade für Jungfamilien attraktiv sein könnten, reichen die Rahmenbedingungen für einen entsprechenden Lebensstandard nicht aus. 

Zudem sind Frauen in ländlichen Regionen häufig mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert. Diese reichen von traditionellen Rollenbildern über patriarchale Erbschaftsfolgen (dass oft der Sohn, nicht die Tochter den Hof erbt) bis zu einer männlich dominierten Gemeindepolitik, die frauenpolitische Themen übersieht. In der Folge werden strukturschwache Regionen zusehends alt und männlich.  

Besonders kleine Gemeinden schrumpfen 

Regionen, die unter Abwanderung am meisten zu leiden haben, sind das Mühl- und Waldviertel, Mur- und Mürztal, genauso wie das Lavanttal und das Südburgenland. 

Ob und wie stark deine Gemeinde betroffen ist, kannst du in unserer interaktiven Karte nachschauen.

Finanzielle Abwärtsspirale 

Starke Abwanderung hat besonders für kleine Gemeinden große Folgen, auch finanziell. Denn trotz einer kontinuierlich sinkenden Anzahl an Steuerzahler:innen muss die Infrastruktur einer Gemeinde weiterhin instandgehalten werden. Während die Einnahmen sinken, steigen gleichzeitig die Ausgaben. 

Viele österreichische Gemeinden haben mehr Ausgaben als Einnahmen, und das seit Jahren mit einer klaren Abwärtsspirale. 

Im europäischen Vergleich verdeutlicht sich dieser Trend. Laut dem aktuellen European Local Government Report 2025 des KDZ-Zentrums für Verwaltungsforschung wachsen europaweit sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben. In Österreich wird dagegen nur die Kluft zwischen sinkenden Einnahmen und wachsenden Ausgaben größer.  

Während der EU-27-Durchschnitt zwischen Einnahmen und Ausgaben ein Plus von 1,1 Prozent aufweist, hat Österreich ein Minus von 12,6 Prozent vorzuweisen. Diese Negativspirale setzt Gemeinden unter Druck, zumal die Gemeindefinanzen von der territorialen Aufteilung bestimmt werden. In Österreich gibt es insgesamt 2.092 Gemeinden mit durchschnittlich 4.300 Einwohner:innen. Im EU-27-Durchschnitt verfügt eine Gemeinde durchschnittlich über 22.455 Einwohner:innen.

Welche Gemeinden wachsen

Aber nicht überall in Österreich schrumpfen die Gemeinden. Im Gegenteil, der sogenannte Speckgürtel rund um Wien wächst kontinuierlich. Schließlich bietet dieser den Menschen eine ausreichende Infrastruktur und Anbindung, alles, was periphere Gemeinden oftmals nicht bereithalten können. Der Wunsch nach einem technisch gut angebundenen Haus mit Garten ist dort vielfach Realität geworden. Das können zwar periphere Gemeinden nicht anbieten, dennoch gibt es Initiativen, um deren Attraktivität zu steigern. 

Mit gutem Beispiel voran 

In Niederösterreich haben beispielsweise 64 Gemeinden bei ihrer Wohnstandortvermarktung auf Kooperation statt auf Konkurrenz gesetzt und die Initiative „Wohnen im Waldviertel“ gestartet, um sich gegenseitig zu stärken. Vielerorts, wie beispielsweise in der Marktgemeinde Frantschach-Sankt Gertraud, setzt man auf den Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten und Schulen sowie auf digitales Service. Zudem profitieren kleine Gemeinden in Sachen Modernisierung vom Breitbandausbau

Durch die überschaubare Einwohner:innenzahl ist der Kontakt und Austausch zwischen Bürger:in und Bürgermeister:in meist direkter als in der Großstadt. Die Anliegen von Bürger:innenforen oder Bürger:inneninitiativen können rasch Gehör finden, Lösungen dadurch schneller gefunden werden. Denn Gemeinwesenarbeit kann durchaus Spaß machen, ob als engagierte:r Bürger:in oder als gewählte:r Gemeindevertreter:in.  

Und wenn sich mehr selbstbestimmte Frauen auf kommunaler Ebene beteiligen, spielen auch frauenpolitische Themen eine größere Rolle in der Gemeindepolitik. Weibliche Vereinsvorsitzende und Bürgermeisterinnen haben letztlich Vorbildfunktion für die nachfolgenden Generationen, und das in den Gemeinden der Zukunft.  

Schwerpunkt auf den NEOS Lab Gemeindetagen

Was Gemeinden sonst noch gegen Abwanderung unternehmen können, besprechen wir ausführlich auf den NEOS Lab Gemeindetagen 2026. Alle Infos dazu findest du hier.

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