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Da könnte ja jeder kommen!

Raumplanung ist eigentlich die Disziplin, in der alle recht haben – und es trotzdem nicht aufgeht.

NEOS Lab Blog Header Kolumne Sodala - Helga - 09-2025-1600x899

Denn im Grunde wollen wir alle dasselbe: die perfekte Infrastruktur. Und zwar bitte direkt vor der eigenen Haustür. Wir wollen alle großen Supermärkte im Ort haben, aber bitte nicht so viel zubetoniert. Die Straße gut ausgebaut, aber ohne Lärm. Öffis im 5-Minuten-Takt, aber keine Haltestelle vorm Schlafzimmerfenster. Und Parkplätze – viele! –, aber bitte ohne zusätzlichen Verkehr. Oder, wie gerade überall heiß diskutiert: ein Krankenhaus in jeder Gemeinde, garantierte Versorgung für alle, aber bitte ohne zusätzliche Kosten.

Kurz gesagt: Alles für alle, jederzeit, überall. Typisch österreichisch. Da könnt’ ja jeder kommen: Der eine möchte den Radweg, die andere den Parkplatz, der nächste einen Park – aber ohne spielende Kinder. Und irgendwo dazwischen meldet sich jemand, der vor allem Ruhe will. Am liebsten in gut angebundener, lebendiger Umgebung, die sich aber bitte nicht verändert.

Ja, aber

Raumplanung ist die hohe Kunst des „Ja, aber“.

Ja, wir brauchen Infrastruktur. Aber bitte nicht hier.

Ja, wir wollen Entwicklung. Aber bitte ohne Veränderung.

Ja, wir wollen ein Krankenhaus. Aber bitte keine Extrakosten.

Ja, wir sind für Fortschritt. Aber nur, wenn alles so bleibt, wie es ist.

Und während man noch versucht, diese Wünsche irgendwie unter einen Hut zu bringen, kommt garantiert jemand und fordert dies und das.

Natürlich könnte man. Man könnte vieles. Nur eben nicht alles gleichzeitig, nicht am selben Ort und schon gar nicht ohne Widersprüche. Denn Raum ist begrenzt. Und Planung heißt, Entscheidungen zu treffen. Also auch: Dinge nicht zu tun.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Raumplanung ist kein Wunschkonzert. Eher ein Chor, in dem viele gleichzeitig singen – und irgendjemand muss versuchen, daraus ein halbwegs harmonisches Miteinander zu machen.

Und wenn das gelingt, dann merkt man plötzlich: Es geht nicht darum, dass jeder alles bekommt. Sondern dass am Ende etwas entsteht, mit dem möglichst viele gut leben können.

Auch wenn dann dann vielleicht doch nicht alle Supermärkte in jedem Ort vorhanden sind. Und der Radweg einen kleinen Umweg macht.

Was alles in Raumplanung steckt, was Gemeinden tun können und was es zu beachten gilt lest ihr in unserem aktuellen NEOS Lab Blog. Und weil Raumplanung und Ortskernbelebung nicht die leichteste aller Übungen ist, wird es das zentrale Thema auf den heurigen NEOS Lab Gemeindetagen.

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