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Die ZUkunft der lehre

Mai 2022

Studie zum Download

Eine Policy Brief von Clemens Ableidinger

Die Lehre steckt in der Krise. Dieser Policy Brief ermittelt die Herausforderungen, vor denen die duale Ausbildung steht, zeigt deren Stärken auf und liefert Ideen zur Verbesserung der Lehre.

Die Zukunft der Lehre – Wie wir die Lehre für die Zukunft gestalten können

Studienautor: Clemens Ableidinger 

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PB-Zukunft-der-Lehre

Die Studie im Überblick

Die duale Ausbildung gilt nach wie vor als Vorzeigemodell und - zurecht - als gutes Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit.

Unter österreichischen Schüler:innen und Eltern hat die Lehre allerdings kein besonders gutes Image. Vor allem in Akademiker:innen-Familien gilt sie - zu Unrecht - vielfach als „letzte Chance“ für Kinder, deren Schullaufbahn von mangelndem Erfolg geprägt ist.

Mögen viele in der Öffentlichkeit auch betonen, wie wichtig die duale Ausbildung ihrer Meinung nach ist, schwebt den meisten für sich selbst oder die eigenen Kinder doch eine andere Ausbildungsbiografie vor. Die Zahl der Lehrlinge wird mit jedem Jahr kleiner: Gab es im Jahr 1980 noch fast 180.000 Lehrlinge, waren es im Jahr 2022 nur noch rund 105.000.

  • Die Lehre hat, vor allem im urbanen Raum und unter Akademiker:innen, ein Imageproblem, welches mitverantwortlich ist, dass schon jetzt ein eklatanter Lehrlingsmangel besteht.
  • Dieser Lehrlingsmangel befeuert den bestehenden Fachkräftemangel.
  • Der Fachkräftemangel schadet dem Wirtschaftsstandort Österreich.

Die Lehre ist...

  • eine wirtschaftlich attraktive Ausbildung.
  • eine gute und praxisnahe Ausbildung.
  • ein gutes Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit.
  • oft der erste Schritt ins freie Unternehmertum.
  • ist fast frei von Eintrittshürden.
  • schneller als andere Ausbildungen, wenn es um das Reagieren auf den Bedarf am Arbeitsmarkt geht.

Zahlen & Fakten

105.000 Lehrlinge

gab es 2022 in Österreich (1980 waren es 180.000)

18 Monate

nach Lehrabschluss sind 77 % der Absolvent:innen erwerbstätig (Statistik Austria)

10,9 %

Arbeitslosenrate 2022 bei 15- bis 24-Jährigen in Österreich

ideen für die lehre

Lehrlingsstrategie 2040

Entwicklung einer nationalen Lehrlingsstrategie, die die Funktion der dualen Ausbildung und deren Ziele beschreibt und Indikatoren entwirft, die ein Erreichen der Ziele nachvollziehbar machen.

Qualität der Berufsschulen erhöhen

Die Lehrausbildung ist nur so gut wie die Ausbilder:innen in den Betrieben und die Lehrkräfte in den Berufsschulen. Für beide Rollen sind Fachwissen, Praxisverständnis und pädagogische Fertigkeiten unerlässlich. Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen ist es nicht immer leicht, qualifiziertes Personal zu finden bzw. auszubilden.

Gleichwertigkeit Hand-, Herz- und Hirnberufen

Gelingt es, diese Berufe gesellschaftlich gleichzustellen, sodass sie als gleichwertig attraktive Tätigkeitsbereiche wahrgenommen werden, kann sich das auf die Ausbildungsentscheidung junger Menschen auswirken.

Ökologische Wende als Reformmotor

Die Lehre kann bei der „Green Transition“ eine wichtige Rolle spielen: Schon jetzt fehlen in den sogenannten "Klimajobs" (z.B. Photovoltaik-Bereich) und anderen Zukunftsbranchen tausende Fachkräfte. Aufgrund ihrer Relevanz können diese Jobs besonders attraktiv für junge Menschen sein.

Bessere Integration von Migrant:innen

In der Lehrlingsausbildung sind Personen mit nichtdeutscher Muttersprache stark unterrepräsentiert (18,5% in den Berufsschulen). Dadurch entgehen den österreichischen Betrieben potenzielle Fachkräfte, Menschen mit Migrationsbiografien ökonomisch attraktive Tätigkeiten.

Ausbau der "Lehre mit Matura"

Die Lehre aufzuwerten, bedeutet auch, Karrierewege flexibler zu gestalten und die Lehre anschlussfähiger zu machen. Derzeit machen nur 5% aller Lehrlinge nebenbei die Matura, was auch mit der Doppelbelastung zusammenhängt

Lehre als zweiter Bildungsweg

Schon jetzt ermöglicht die "duale Akademie" Quereinsteiger:innen das Absolvieren einer Lehre, wobei diese kürzer dauert und die Lehrlingsentschädigung höher ist. Das ist ein gutes Mittel, derzeit aber noch wenig etabliert.

Kosten für Meisterprüfung fördern

Die aktuelle Förderlandschaft konzentriert sich zu stark auf Basisförderung und achtet zu wenig darauf, Qualität in der Lehre zu fördern. Neben einer Zentralisierung der Förderungen im Sinne eines One-Stop-Shops muss Qualität in der Lehrausbildung stärker belohnt werden. 

Verbesserung der Berufs- und Bildungsberatung an Schulen

Umfassender Berufsorientierungsunterricht ab der 5. Schulstufe von AHS und Mittelschule könnte Aufschluss über alle verfügbaren Karriereoptionen geben. Neben dem Studium wird auch die Lehre in unterschiedlichsten Fachrichtungen als Bildungsweg vorgestellt.

Erhöhung der Lehrlingsmobilität

Nur etwa 3% aller Lehrlinge sammeln im Rahmen geförderter Programme internationale Erfahrung. Eine Erhöhung dieses Anteils wäre im Sinne des Wirtschaftsstandorts Österreichs und auch im Interesse der Lehrlinge, die dadurch signifikante berufliche Aufwertung erfahren.

Tertiäre Kurzausbildungen weiter ausrollen und bewerben

Damit sind Ausbildungen gemeint, die nach Abschluss einer Berufsausbildung erfolgen (z.B. Kollegs). Derzeit fallen in Österreich etwa 15% der 25- bis 64-Jährigen in diese Kategorie. Eine Erhöhung dieses Anteils könnte ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit sein.

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